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Orang Utan Rehabilitation

Text und Fotos: Yasmin Kaspareit

02.05.2018

Nach dem Besuch des Kinabalu Nationalparks trennten sich die Wege von den Tropical-Freaks und mir wieder. Ich fuhr mit dem Bus von KK weiter nach Sandakan. In den ersten 3 Fahrtstunden sah ich Regenwald, so weit das Auge reichte. Der Bus schnaufte die Berge hinauf und wir kamen am Mount Kinabalu vorbei. Die nächsten 3,5 Stunden wechselte das Bild in endlose und öde Palmöl-Plantagen. Alle Palmen waren gleich hoch, alle gleich grün, alle im gleichen Abstand zueinander. Umweltzerstörende Monokultur. Ich wusste, jeder wusste, dass das alles mal 130 Millionen Jahre alter Regenwald war. Das Durchqueren dieser Monotonie trübte meine Laune, aber nicht wegen des Wissens um diese Plantagen, sondern weil dem Ganzen einfach eine trübe Energie innewohnte. Endlich in Sandakan wurde ich netterweise in der Nähe meines Hotels abgesetzt, so dass ich ganz bequem hinlaufen konnte. In Sandakan und Umgebung gibt es eine Menge Wild-Life zu erleben und das wollte ich natürlich auskosten. Und so fuhr ich zunächst am 14.04. mit dem Grab ins 14km entfernte Sepilok Orang Utan Rehabilitation Centre. Eintritt kostet ca. 6€ und wenn man eine Kamera benutzen möchte nochmal 2€ dazu. Mit dem Geld hat man bereits ein wenig zur Erhaltung und dem Schutz der Orang Utans beigetragen. Das Gelände ist offen, es gibt keine Begrenzung und die Orangs können sich frei bewegen, sie sollen es sogar. Im Reservat gibt es Holzwege, auf denen die Besucher bleiben müssen und über die sie durch den Regenwald laufen können. Im Internet las ich, dass viele Besucher keine oder nur 1 bis 2 Tiere gesehen haben und sich darüber aufregten. Selbst zur Futterplattform, an die 2x am Tag etwas Obst gelegt wird, kamen wohl oft keine Tiere. Hier erfuhr ich aber, dass während der Trockenzeit kaum Früchte im Dschungel wachsen und die Orangs deshalb jeden Tag um 10 und um 15 Uhr liebend gerne zur Futterplattform kommen, um etwas abzustauben. Während der Hochsaison wächst genug im Regenwald, so dass die ruhigen Orangs die Menschen lieber meiden, die wohl zu Hunderten da stehen sollen. Das zeigt dem Reha-Centrum zudem, dass die Orangs erfolgreich außerhalb des Reservats leben können. Wie schön für mich, dass gerade Trockenzeit und Nebensaison ist. Und so sah ich schon knapp hinter dem Eingang den ersten Orang. Er saß auf dem Holzgeländer und guckte das kleine Grüppchen von Menschen an, das sich um ihn scharte und ihn wiederum anguckten. Niemand fasste ihn an, man hielt respektvoll Abstand, da Ansteckungsgefahr vieler Krankheiten auf beiderlei Seiten besteht. Unsere DNA stimmt nämlich zu 96,4% überein – hab´ ich alles im Park gelernt, denn da stehen einige Informationstafeln herum. Außerdem hat sich recht schnell ein Pfleger dazugesellt und aufgepasst. Der Orang marschierte dann aber weg und hangelte sich in einen Baum, wo direkt sein Kollege anzutreffen war. Die beiden balgten herum und man konnte tolle Fotos machen. Ich drängelte mich an dem kleinen Reisegrüppchen vorbei, denn ich hatte keine Lust die ganze Zeit hinter denen herzutrotten, und marschierte fröhlich drauflos, bis ich an die Aufzucht- und Krankenstation kam. Hier kommen kleine Waisen an, die bis zu 7 oder 8 Jahre in dem “Kindergarten” bleiben, sowie verletzte Orangs. Hier lernen die Kleinen, was sie für ein Leben in der Wildnis brauchen, z.B. wie sie Nester bauen, in denen sie in den Bäumen schlafen können, wie man von Ast zu Ast hangelt, wie man Futter findet, was man essen kann und alles, was sie normalerweise von der Mutter lernen würden. Wenn sie alt und fähig genug sind, kommen sie in den offenen Bereich, in dem ihre Freiheit grenzenlos, aber ihre Fütterung und Zuwendung sehr begrenzt ist. Sie sollen sich selber Futter suchen. Je weiter weg vom Center, desto besser und erfolgreicher lief die Aufzucht und man kann sie in entlegene Gebiete auswildern. Ein Indikator dafür ist, ob sie zur Fütterung kommen oder lieber fern bleiben. Als Besucher darf man im “Kindergarten” lediglich in einen Beobachtungsraum. Von hier hat man Blick auf einen Spielplatz und im Raum findet man zudem zahlreiche Informationen. Ich erfuhr, dass 760 Orang Utans seit 1964 hier hergebracht wurden, dass 81,6% der Ankömmlinge dem Reha- und Aufzuchtprozess unterzogen wurden und dass nur 66% der Rehabilitierten tatsächlich erfolgreich in der Wildnis leben. Auch las ich hier ein paar Steckbriefe:
Binggo ist 1996 geboren, ist bei fast jeder Fütterung anwesend und hat eine alte Verletzung, weshalb er sich nur langsam bewegt. Er kann nicht mehr ausgewildert werden.
Ceria ist 2006 geboren, ist ein smarter Troublemaker und ein Schürzenjäger.
Sen ist auch 2006 geboren, ist ein Unruhestifter und wird selten im Center gesehen.
Es finden sich also die verschiedensten Charaktere und nicht alle stecken ihre Traumata weg. Es ist wie bei Menschen. Diese Affen hier haben Schlimmes erlebt. Ihr Zuhause wurde abgebrannt, die meisten Familienmitglieder sind in den Flammen oder hinterher elendig gestorben. Es gibt welche, die hat man versucht zu erschießen und einige wurden aus den Fängen von Tierhändlern gerettet. Orang Utans stehen auf der Roten Liste. Sie und die anderen Regenwaldbewohner sind den Menschen im Weg, die hier ihre Palmölplantagen hinsetzen wollen. Das illegale Abbrennen und Roden des Regenwaldes macht Platz für die Plantagen. Wie immer geht es nur ums Geld. Mafiöse Machenschaften treten alle Ethik und Moral in den Dreck – um hinterher Palmöl aus zertifizierten Plantagen anzubieten. Dass das alles mal intakter und uralter Regenwald war interessiert im Nachhinein kaum jemanden mehr. Selbst viele Ökos kaufen gerne Bio-Produkte mit Palmöl im Bioladen. Ich weiß aus Erfahrung, was da alles rumsteht, denn das meiste habe ich aufgrund dessen gemieden. Und ich weiß, wie viele das trotzdem kaufen, denn ich stand mit ihnen an der Kasse und sah deren Einkäufe. Da kann mit Nachhaltigkeits-Zertifikaten herumgewedelt werden wie will: Monokulturen dieser immensen Ausmaße sind niemals nachhaltig, da sie die Natur gewaltig stören, den Wasserhaushalt und die Böden stark schädigen und das Weltklima anheizen. Die Plantagen selbst sind einstmals alle Regenwald gewesen. Wer behauptet, dass das Zerstören von 130 Millionen Jahre alter, intakter Natur voller Artenvielfalt zu nachhaltig produziertem Öl führt hat nichts verstanden. Laut Greenpeace-München.de kann zurzeit keine Firma garantieren, dass das eingesetzte Palmöl aus umweltverträglicher Produktion stammt! Palmöl findet sich in Lebensmitteln, Kosmetika, Waschmitteln, Agro-Diesel und Blockheizkraftwerken. Es ist mal wieder ein Anstoß, seinen Konsum zu überdenken.
Nachdem ich zahlreiche Infos gesammelt und nur einen Orang-Teenager auf dem Spielplatz gesehen habe, bin ich weitergegangen. Mittlerweile war das redselige Reisegrüppchen auch im Beobachtungsraum angekommen. Höchste Zeit also. Ich schlenderte zum Aussichtspunkt auf die Fütterungsplattform und hatte noch fast 25 Minuten, bis es losging. Es lag bereits ein Orang auf der Plattform herum und wartete geduldig auf das Futter. Ob das Binggo war?
Nach und nach trafen mehr Leute ein. Selbst in der Low Season war hier ganz schön was los. Geschnatter um mich herum, alle Kameras bereit, draufloszuschießen, ein äußerst ruhiger Orang wartend. Man suchte die Baumwipfel ab, ob wohl noch andere Affen kommen würden. Und als sich der nächste sehen ließ brach ein Geklicke der Kameras aus. Ich mit meiner kleinen Kompaktkamera hatte es schwer. Der Zoom war überhaupt nicht ausreichend. Viele, ich möchte behaupten alle, um mich herum hatten richtig gute Kameras mit ordentlichem Zoom. Eine alte Dame stand neben mir mit einem Objektiv fast größer als sie selbst. Es fanden sich tatsächlich einige Orangs in den Bäumen. Seelenruhig warteten sie hängend oder sitzend im Geäst herum. Nachdem der Pfleger punktgenau mit seinem Korb ankam und das Obst ablegte, machten sich zunächst nur zwei Orangs gemütlich an den Snacks zu schaffen. Erst als einer der beiden davonging kamen zwei weitere aus den Bäumen herunter. Offensichtlich gab es eine Rangfolge, die ganz entspannt eingehalten wurde. Auch das Essen selbst wurde ruhig und bedächtig eingenommen. Insgesamt schienen die Orangs alle sehr geduldig zu sein, klug und abwartend und vor allem leise. Kein Gekreische und keine Aggressionen. Es war toll, sie zu beobachten, wie liebevoll sie miteinander umgingen, wie sie kletterten und spielten und wie sie nach dem Essen kuschelten oder sich balgten.
Ich blieb so lange und schaute ihnen zu, bis ich fast alleine dastand. Erst dann machte ich mich vollauf zufrieden auf den Weg. Immer wieder suchte ich die Baumwipfel ab, um vielleicht noch weitere Waldmenschen zu sehen. Aber ich fand nur noch ihre Nester.
Es war ein besonderes Erlebnis bei den Orang Utans. Diese friedlichen Wesen beeindruckten mich und ihre Gelassenheit strahlte sich positiv auf mich aus. Ich wünsche ihnen, dass der letzte Rest ihres Lebensraums erhalten bleibt und wir Menschen endlich zu Vernunft und Liebe kommen, in der die Belange von Mutter Erde mit all ihren Bewohnern wichtiger ist als nur die eigenen.

Sepilok Orang Utan Rehabilitation Center im Malaysia Sabah Distrikt von Nord Borneo

Hier werden Orang Utans gepflegt, rehabilitiert und wieder ausgewildert, sofern das möglich ist, die auf die eine oder andere Art Opfer der Palmölplantagen geworden sind. Die „Waldmenschen“ werden, geschossen, geschlagen, gefangen und verkauft, um sie aus den Plantagen zu vertreiben, in denen sie hungrig herumirren, weil sie ihren natürlichen Lebensraum verloren haben. Auch werden sie Opfer, wenn der Urwald, in dem sie leben, gerodet oder gebranntrodet wird. Oft werden Babys ihren Müttern entrissen, um als Haustiere verkauft zu werden. Manchmal werden weibliche Orang Utans an Bordelle verkauft. Sie werden für die Freier ans Bett gekettet.

Aber es gibt auch gute Menschen, die versuchen den Orangs zu helfen. Das Sepilok- Orang Utan-Rehabilitation-Centrer ist so ein Ort. Auch andere Wildtiere werden hier versorgt: Gibbons, Nasenaffen, Sonnen-Bären, Sumatra Nashörner und Waldelefanten.

Ein Orang Utan Baby bleibt ca. 6 - 10 Jahre bei der Mutter, um alles zu lernen, was es zum Überleben im Dschungel braucht. Genau so lange werden die kleinen Orangs im Sepilok Center aufgezogen. Erst werden sie gesund gepflegt, dann kommen sie in den Kindergarten und später in die Teenygruppen, die im Wald umherstreifen dürfen. Sie müssen lernen, was man essen darf und was nicht. Sie müssen sicher klettern lernen und wie man Schlafnester baut. Kurzum, alles, was man wissen muss über ein Leben im Dschungel, welches überwiegend in den Baumkronen statt findet.

Wer sich informieren will oder gar helfen möchte findet hier alles Nötige

 

https://www.orangutan-appeal.org.uk/about-us/sepilok-orangutan-rehabilitation-centre

Für die Freunde des Regenwaldes, gibt es hier noch ein paar eindrucksvolle Bilder von Yasmin Kaspareit. Bitte auf die Fotos klicken, um sie zu vergrößern

Wasserbüffel
(c) Yasmin Kaspareit Wasserbüffel

Dieser Wasserbüffel arbeitet in den Palmölplantagen. Pamöl ist weder nachhaltig noch vegan, solange Tiere dafür sterben müssen und Urwald gerodet wird.

 

  • Hier gibt es noch ein schönes Video, welches meine Kinder von den Orang Utans   gemacht,  haben

https://www.youtube.com/watch?v=sofSQ6_5MTk

Kommentare: 5
  • #5

    Tina (Freitag, 01 Juni 2018 08:02)

    Danke für den tollen Bericht und die tiefen Einblicke in die
    Natur. Wünsche Dir weiterhin viele schöne Erlebnisse auf
    Deiner Reise!

  • #4

    Yasmin Kaspareit (Mittwoch, 23 Mai 2018 10:20)

    Vielen Dank an all die Leser und die tollen Kommentare!! Ich freue mich sehr, wenn ich euch bildhaft auf die Reise mitnehmen konnte und noch viel mehr freue ich mich, dass so viele bereits um das Palmöl wissen und bewusst etwas dagegen tun! Ihr seid großartig und ich hoffe, jeder von euch findet viele viele Nachahmer :) Wenn viele Menschen viele kleine Dinge tun, kann viel erreicht werden - frei nach einem afrikanischen Sprichwort (ich krieg es nicht mehr ganz zusammen). Danke für's Lesen und Kommentieren. Wer mag, kann ja mal auf meiner Facebookseite Yasmin Wild at Heart ( fb.me/ReistDurchDieWelt ) vorbeischauen. Ihr findet dort Reiseberichte, die ehrlich sind und dem einen oder anderen vielleicht als Inspiration dienen. Ganz liebe Grüße von mir und bleibt standhaft im Handeln für unsere Erde ❤

  • #3

    Erika (Samstag, 19 Mai 2018 12:26)

    Liebe Jasmin, Deine Photos geben bereits einen schoenen Eindruck vom Regenwald und den Tieren, die Du festhalten konntest: Elefant, Krokrodil, Nasenaffe und die OrangUtans. Dein Text schildert die intensive Arbeit, welche im Sepilog Orang Utan Centre geleistet wird.
    Ich stelle es mir sehr schwierig vor, den Baby-Waisen das zu Erlernende beizubringen. Es muss ja ganz die Ausdrucksweise und Geste einer wirklichen Orang Utan Mutter haben und ueber 6-8 Jahrte weitergefuehrt werden. Meine Hoch-Achtung zolle ich den Experten und Dir grossen Dank fuer den Einblick in den von Menschen erzeugten trostlosen Zustand, in dem die Waisenkinder eingeliefert werden. Immerhin 66% koennen ausgewildert werden., es beweist welch wertvolle Arbeit geleistet wird.

  • #2

    Eva Schmelzer (Dienstag, 15 Mai 2018 15:07)


    Dieser Bericht ist wirklich herzergreifend, er geht weit über die wichtigen und interessanten Informationen und Fakten hinaus, er berührt und mahnt, alles zu tun, um diese Verbrechen als Konsument nicht zu unterstützen. Aber das ist schwer, weil Palmöl in den Produkten oftmals nur als “Pflanzenfett” deklariert ist. Und das mörderische Öl ist ja in nahezu allem zu finden, ein beträchtlicher Teil landet übrigens auch in der Tiermast und dem Futter für Milchkühe. Ich habe neulich gehört, dass in Labors in England geforscht wird, mit einer Hefe Palmöl-Ersatz zu schaffen. Der Pilz wächst auf Abfällen und produziert unter geeigneten Bedingungen ein dickflüssiges Öl, das fast die gleichen Qualitäten wie Palmöl hat. Es wird jetzt daran gearbeitet, das Verfahren reif für die Produktion in der Industrie zu machen.
    Herzlichen Dank, liebe Yasmin, für die ergreifende Geschichte Deines Besuches bei den Waldmenschen, Du hast sie uns sehr nahe gebracht, und natürlich auch für die herrlichen Naturaufnahmen.

  • #1

    Stephan Köppchen (Dienstag, 15 Mai 2018 10:31)

    Liebe Yasmin,ein ganz toller Beitrag über die Orang Utan.
    Ich arbeite ehrenamtlich für BOS(Borneo Orang Utan Survival Foundation)in der Regionalgruppe Aachen.
    Vielen Dank für die wunderschönen Bilder,und den Text,vor allem Palmöl macht uns zu schaffen.
    beste Grüße Stephan aus Jülich bei Aachen