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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

Ressourcen schonen, die Natur entlasten, Chancengleichheit fördern, das alles kann die Menstruationstasse Ruby Cup

Ihr wollt endlich ernst machen mit dem nachhaltigen Lebensstiel? Kein Plastik mehr, keine Naturzerstörung? Dann gibt es hier neue Produkte, welche Ihr auf Eure Liste setzen könnt.

Tropical Freaks

Die Kaffee-TrinkerInnen entscheiden darüber, ob die 100.000 km² Kaffee-Anbaufläche ein naturnaher Lebensraum für Kolibris und viele andere Tiere ist -- oder Monokultur, die ohne Rücksicht auf die Umwelt billigen Kaffee produziert.

Kanwan

Polesien

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Wikipedia

10. 07. 2021

Prypjatsumpf
Von Robert Niedźwiedzki - Eigenes Werk own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6827805

Polesien ist ein Streifen Tiefland zwischen den Flussgebieten des Bug und Prypjat, der sich östlich des Dneper bis nach Russland hinein fortsetzt. Landschaftlich ist das Gebiet eine weit ausgedehnte, waldreiche Flussniederung; es dominieren vor allem südlich des Prypjat die Prypjatsümpfe die mit etwa 90.000 km² Fläche das größte Sumpfgebiet Europas sind, damit ist das Gebiet halb so groß wie Deutschland. Während der Schneeschmelze verwandeln der Prypjat und seine Nebenflüsse die Niederung in eine Wildnis aus Seen, Sümpfen und Waldinseln. Deshalb wird Polesien auch das Amazonien Europas genannt. Polesien erstreckt sich über drei Länder: Ukraine, Belarus und Polen.

Die Landschaft ist ein regelrechtes Labyrinth aus Gewässern, Inseln, Sümpfen, Feuchtwiesen und Auwäldern. Trotz massiver Eingriffe aus Sowjetzeiten, ist Polesien in weiten Teilen völlig unberührt und Heimat für Bären, Wölfe, Luchse und Wisente. Unzählige Wasservögel nutzen die Gebiete als Rastplätze auf ihrem Durchzug. Viele bedrohte Vogelarten leben dort. Der seltene Seggenrohrsänger oder der Schelladler gehören dazu.

Doch auch diesem Naturparadies droht Gefahr durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, Zerschneidung von Lebensräumen, durch Infrastruktur und die Ausbreitung der Forstwirtschaft.

Allerdings kommen nun verheerende Schäden, durch eine geplante 2000 km. lange Wassersrtraße vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee, auf Polesien zu. Dafür muss der Prypjat ganzjährig schiffbar gemacht werden. Das bedeutet ausbaggern, begradigen und ein System von zahlreichen Dämmen und Deichen anlegen. Das wäre der Tod Polesiens als Naturparadies.

Belarus, die Ukraine und auch das EU-Mitglied Polen wollen hier unbedingt ein Megaprojekt umsetzen. Die sogenannte E40 würde das Herz Polesiens durchschneiden. 2017 unterschrieb der polnische Präsident Andrezej Duda ein entsprechendes Abkommen.

Schon jetzt leidet der Prypjat, in Belarus unter dem Klimawandel. Statt nach der Frühjahrs-Überschwemmung mehrere Dutzend Kilometer breit durchs Land zu fließen wie früher, schrumpft er inzwischen schon im Mai zu einem Rinnsal. Mit den geplanten Baumaßnahmen würden sich die Probleme massiv verstärken.

Ein weiteres großes Problem sind die Baggerarbeiten in den Flüssen Prypjat und Dnepr innerhalb der Sperrzone von Tschernobyl. Die würden radioaktiv kontaminierte Sedimente erneut aufwühlen, wodurch Millionen von Menschen potenziell einem erhöhten Strahlenrisiko durch radioaktiv verseuchtes Wasser ausgesetzt wären.

 

 

„Es ist klar, dass der Fluss für die Schifffahrt nicht in dem jetzigen Zustand gelassen wird, wo es extreme Unterschiede zwischen Hochwasser im Frühling und Tiefwasser im Sommer gibt. Aber Polesien existiert dank dieser Dynamik. Wenn dieser Prozess künstlich reguliert wird, wird Polesien aufhören, als Feuchtgebiet zu existieren, das ist der Tod von Polesien.“

 

Pavel Pinchuk, Vogelkundler

 

Die einzige Chance, Polesien zu retten, besteht darin es als UNESCO Welterbe unter Schutz zu stellen. Artenschützer arbeiten Tag und Nacht daran, dass Polesien zunächst den Status „Biosphärenreservat“ erlangt und später sogar den Status „UNESCO-Welterbe“.

Wissenschaftler vor Ort führen Untersuchungen zum Artenbestand und zu den Folgen der menschlichen Eingriffe in der Polesie durch. Diese liefern die Grundlage dafür, ein Schutzkonzept für diesen wertvollen Lebensraum zu entwickeln und dieses auf politischer und gesellschaftlicher Ebene durchzusetzen.

Von Iwan Iwanowitsch Schischkin - [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6163999
Von Iwan Iwanowitsch Schischkin - [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6163999

Typische Sumpflandschaft in einem Gemälde von Schischkin (1890)

Kommentare: 1
  • #1

    Knut Popp (Freitag, 23 Juli 2021 20:29)

    Bitte verhindert dieses irrsinnige Projekt. Artenschutz und Biodiversität müssen vor Ökonomie und Gier geschützt werden. Schon heute zeigt uns der Klimawandel mit Hitze und Fluten, wie wichtig es ist, solche Naturschätze zu haben.
    Ich hoffe ganz Europa setzt sich hierfür ein Polesie unter strengsten Schutz zu stellen.