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Die Serengeti ist schon wieder in Gefahr

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Wikipedia

22.04.2016

Gnus überqueren den Mara
Von Fiver Löcker from Wellington, New Zealand - Maasai Mara - 057, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8100184

 

Erst vor wenigen Jahren, 2011, schrieb ich über den geplanten Autobahnbau quer durch die Serengeti, welche den wandernden Herden, den Weg zum Wasser abgeschnitten hätte. Die Serengeti ist eine Savennenlandschaft die sich vom Victoriasee in Tansania bis in den Süden Kenias erstreckt und vielen Millionen Weidetieren, Gnus, Zebras und Gazellen, sowie den „big five“ Lebensraum bietet.

Der berühmte Prof. Dr. Grzimek hat sich jahrzehntelang dafür eingesetzt, dass die Serengeti einen Schutzstatus erhält, denn sie wurde von Großwildjägern geplündert und viele Tierarten wurden dadurch an den Rand der Ausrottung gebracht (u.a. Elefanten, denn damals war es Europa, das Elefanten wegen des Elfenbeins geschossen hat). Zudem drangen die Völker der Massai mit ihren Hausrindern immer weiter in die Serengeti und den Ngorongoro Krater vor, da in ihrem angestammten Land immer mehr Siedlungen entstanden. Aber die Hausrinder übertrugen Krankheiten auf die Gnus und Büffel und lösten wahre Epidemien aus. Mit seinem kleinen zebragestreiften Flugzeug verfolgte und dokumentierte Grzimek die Wanderbewegungen der Herden und erkannte sehr schnell, dass die Abmessungen des geplanten Parks nicht ausreichend sein würden. Mit all seinem Herzblut setzten Grzimek und sein Sohn Michael sich für den Nationalpark Serengeti ein. Zusammen mit seinem Sohn drehte er den berühmten Film: “Serengeti darf nicht sterben“ mit atemberaubenden Aufnahmen. Er sammelte Spendengelder und war mit aufrüttelnden Kampagnen im Fernsehen aktiv. Mit seiner Begeisterung und seinem Charisma riss er die Menschen mit, vor allem gut Betuchte und Prominente, die sein Projekt förderten. Seine Visionen vom Serengeti Nationalpark wurden wahr. Die Massai mussten mit ihren Hausrindern fern bleiben und bekamen das Gebiet Ngorongoro Conservation Area (NCA) von der Regierung als Kompensation angeboten in dem sie auch ihr Vieh weiden lassen durften. Tragischerweise stürzte der Sohn Michael Grzimek mit seinem Flugzeug ab und erlitt einen tödlichen Unfall. 1960 bekam Prof. Dr. Bernhard Grzimek einen Oskar für den besten Dokumentarfilm. Dies krönte sein Lebenswerk. Er hatte der Welt den Serengeti Nationalpark geschenkt, welcher sich schnell zu einem Touristen Magneten entwickelte. Die Serengeti ist seit 1979 Weltnaturerbe der UNESCO und Biosphärenreservat.

 

Dann die Pläne einer Autobahn. Doch es formierten sich weltweiter, massiver Widerstand. Und als die UNESCO drohte der Serengeti den Status als Weltnaturerbes abzuerkennen, lenkte die Regierung Tansanias ein. Am Freitag, den 20 Juni 2014, wurde das Urteil vor dem East African Court of Justice gesprochen. Es besagt, dass auf keinen Fall ein Highway durch die Serengeti gebaut werden darf, da es sich hier um ein wertvolles Naturerbe handelt. Nach dem Urteil sagte Josphat Ngonyo, der Anaw (African network for animal welfare) Executive Direktor: „ Dies ist kein Sieg für die Anaw, aber für die Millionen Tiere im Serengeti-Mara-Ökosystem. Es ist ein Gewinn für die Natur und Gottes Schöpfung und ein Highlight auf jeder Afrika Reise. Die Natur hat heute gewonnen.“

 

Doch kaum hat man sich gemütlich zurück gelehnt, um den Erfolg zu genießen, droht eine neue Katastrophe. Der Marafluß, DIE Lebensader und Lebensquelle der Serengeti droht auszutrocknen.

In der Trockenzeit setzen sich die Abermillionen Tiere der Serengeti in Bewegung, um Wasser zum Überleben zu finden. Die „Big Migration“ beginnt. Ein unfassbares Schauspiel der Natur. Die Tiere streben zum Mara Fluss und überqueren ihn, dort gibt es genug Wasser und grünes Gras. Kommt dann die Regenzeit, wandern die Herden in ihre angestammten Gebiete zurück. Das ist der mächtige Kreislauf des Lebens. Die Herden sind praktisch immer in Bewegung.

Aber auch die Menschen sind auf das Wasser des Mara angewiesen. Sinkende Pegelstände machen den Bauern das Leben schwer. Der Mara-Fluss speist zahlreiche Flüsse und Seen und mündet schließlich in den Victoriasee. Nun hat die kenianische Regierung beschlossen 17000 Hektar Wald, im Quellgebiet des Mara zu roden. Der Mau Wald ist der größte Berg-Urwald Ostafrikas. Dort entspringt der Mara. Durch immer größere Abholzung dort kommt es aber zu immer länger andauernden Dürreperioden in Kenia. Die kühle Waldluft, die aus dem Mau Wald aufsteigt prallt gegen die erwärmte Luft über dem Vikrtoriasee, dadurch kommt es zu Regenfällen. Weniger Bäume - weniger Wald - weniger Regen. Ein tödlicher Kreislauf. Jetzt also erneut 17000 Hekta Waldvernichtung. Die Serengeti braucht den Mara und der Mara braucht den Mauwald. Noch ist der Mauwald der mächtigste Bergwald Kenias, aber er hat schon ein Drittel seiner Fläche verloren. Noch speichert sein Boden in der Regenzeit das Wasser, wie ein Schwamm und kann den Fluss auch in der Trockenzeit speisen. Sind aber erst mal die Bäume weg, hält der Boden kein Wasser mehr. In der Regenzeit wird der gute Ackerboden fort gespült, die Quellflüsse versanden und das Wasser versickert nutzlos im Boden. Die Pegelstände des Mara sinken und Seitenarme fallen trocken. Schon hat es in Kenia vermehrt Dürreperioden gegeben und wenn noch mehr Wald vernichtet wird, könnte sich das Problem auch auf Tansania ausweiten.

Die Mauwald Region gilt als eine der größten Wasserspeicher Afrikas. Alleine 11 Flüsse entspringen hier. Doch durch die anhaltende Zerstörung müssen schon die Tiere, wie Elefanten, Zebras und Gazellen im berühmten Naturpark Masai Mara von den Wildhütern mit Wasser versorgt werden, weil sie sonst verdursten würden.

Und nicht nur die staatlich genehmigte Abholzung gefährdet den Wald, sondern auch die vielen illegalen Einschläge. Die Ansässigen holen sich ihr Feuerholz im Wald und die Landwirte roden, um Ackerflächen zu gewinnen.

Ebenso wie Natur und Tiere leidet das indigene Volk der Ogiek. Verzweifelt leisten sie Widerstand gegen die Regierung in Kenia, die den Holzhandel vorantreibt. Die Ogiek leben seit jeher in den Bergwäldern und nutzen ihn schonend. Sie leben neben dem Sammeln von Pflanzen und der Jagd hauptsächlich von der halsbrecherischen Ernte wilden Honigs, der u.a. ein begehrtes Handelsgut ist. Sie sammeln wilde Bienenvölker, setzen sie in selbst geflochtene Bienenkörbe und hängen diese in hohe Bäume. So können sie jederzeit den Honig ernten. Das ist eine sehr gefährliche Arbeit und eine harte Art, sich den Lebensunterhalt zu sichern. Seit jeher ist die kenianische Regierung bemüht, die Ogiek aus den Wäldern zu vertreiben unter dem Vorwand, die Wälder vor ihnen schützen zu wollen. Tatsächlich aber möchten sie freie Hand haben, bei der Ausbeutung der Wälder ohne sich mit lästigen Landrechten herumschlagen zu müssen. (Ganz ähnlich wird mit den Dayak in Indonesien verfahren) 60000 Hektar sollen für private Nutzung freigegeben werden, für Teeplantagen, Holzfällungen, Landwirtschaft. Das Volk der Ogiek soll dabei enteignet werden. Die Ogiek haben ihre verbrieften Rechte eingeklagt, sie bleiben standhaft und lassen sich nicht einschüchtern. Wer den Ogiek helfen möchte, kann sich hier informieren: http://www.survivalinternational.de/indigene/ogiek

Serengeti darf nicht sterben, lautete das Credo des Prof. Dr. Grzimek. Damit das nicht passiert, darf der Mara nicht versiegen. Um dies zu verhindern, sind wir alle, die Weltbevölkerung aufgerufen, den Mau Wald zu schützen, damit all diese einzigartigen Naturparadiese erhalten bleiben:

Der Mau Bergwald und Heimat der Ogiek, der Mara Fluß, die Masai Mara und die Serengeti.

Bitte unterstützt Regenwald.org, und unterschreibt diese Petitionen, u.a. auch für den Mau Wald, danke!

https://www.regenwald.org/aktion

 

Kommentare: 3
  • #3

    Erika (Dienstag, 03 Mai 2016 10:39)

    Am Schlimmsten scheint mir, dass schon jetzt einsetzende Sinken der Pegelstaende des Mara-Flusses zu sein. Wenn bereits Seitenarme vertrocknen und Quellfluesse versanden, ist eine hohe Alarmstufe erreicht und es wird Tansania und Kenia grosse Duerreperioden bescheren.

  • #2

    Eva Schmelzer (Montag, 02 Mai 2016 11:03)

    Dieser ausführliche Bericht ist einerseits bedrückend, macht zornig. Aber er zeigt auch, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich „für die Natur und Gottes Schöpfung“ stark machen. Und selbst denen, denen Menschenrechte und Tierschutz egal ist, sollte bewusst sein, dass sie mit so drastischen Eingriffen in die Natur (weltweit) der ganzen Menschheit schaden, wie aus der Abschnitt zeigt: „Sind aber erst mal die Bäume weg, hält der Boden kein Wasser mehr. In der Regenzeit wird der gute Ackerboden fort gespült, die Quellflüsse versanden und das Wasser versickert nutzlos im Boden. Die Pegelstände des Mara sinken und Seitenarme fallen trocken. Schon hat es in Kenia vermehrt Dürreperioden gegeben und wenn noch mehr Wald vernichtet wird, könnte sich das Problem auch auf Tansania ausweiten.“ Es darf nicht zugelassen werden, dass wir weite Teile der Erde zu einer Wüste werden lassen mit unabsehbaren Folgen für uns alle.

  • #1

    christine (Sonntag, 01 Mai 2016 21:56)

    Unterschreiben - gern!