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Totholz

Text und Fotos: Gudrun Kaspareit

Quelle: Wikipedia

14.03.2018

Liegendes Totholz mit Pilzen
(c) Gudrun Kaspareit liegendes Totholz mit Pilzen

Eigentlich ist der Name Totholz irreführend, denn sog. Totholz ist ein Born des Lebens. Abermilliarden von Mikroben zersetzen das Holz und führen seine Nährstoffe wieder dem Waldboden zu. Bis das Holz zu Humus zerfallen ist, bietet es Käfern, Insekten, Pilzen, aber auch Vögeln, Fledermäusen, Bilchen und anderen Höhlenbewohnern Nahrung und Lebensraum.

Man unterscheidet zwischen stehendem und liegendem Totholz. In das morsche, stehende Totholz kann der Specht seine Höhlen zimmern, die später auch von anderen Tieren bewohnt werden. Stürzt der Stamm dann um tun all die Pilze, Käferlarven, Insekten und Mikroben ihr wichtiges Werk und zersetzen den Baum. So funktioniert der biologische Kreislauf. Ohne Totholz verliert der Wald ganz erheblich an Biodiversität und Vitalität. Für Totholz gilt in ganz besonderem Maße: Mehr Lebewesen auf einer Fingerkuppe, als Menschen auf der ganzen Welt.

Käfer im Totholz

Rund 25 % aller in der Deutschland vorkommenden Käferarten leben im Holz verschiedener Zerfallsstadien. Vorwiegend Laubgehölze bevorzugt etwa der Hirschkäfer (Lucanus cervus). Seine Larven leben an morschen Wurzeln alter Eichen, Ulmen und Obstbäume, seltener an Weichhölzern. Auch ein Großteil der Bockkäferarten (Cerambycidae) wie der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo) sind von Laubhölzern abhängig. Die Feuerkäfer (Pyrochroidae) befinden sich unter der Rinde von trockenem Totholz, die Larven dieser Tiere jagen Borkenkäfer im Holz. In Weichhölzern wie den Weiden leben unter anderem die Larven des Moschusbockes (Aromia moschata).

In Nadelhölzern sind verschiedene Prachtkäfer- (Buprestidae) und Runzelkäferlarven (Rhysodidae) zu finden. Der Hausbock (Hylotrupes bajulus) hat in trockenem Fichtenholz seinen natürlichen Lebensraum, die Larven des Fichtenbocks (Monochamus sutor) und des Gemeinen Fichtensplintbocks (Tetropium castaneum) bevorzugen das Kambium von Fichten und Kiefern und verpuppen sich später im Innern der Äste oder des Stammes. Der Mulmbock (Ergates faber) bevorzugt Baumstümpfe von Kiefern, ist aber in höheren Lagen auch an Fichten und Tannen zu finden. Viele Käfertaxa sind allerdings auch weniger spezialisiert. Die Scheinbockkäfer (Oedemeridae) und ihre Larven sind in terrestrischem Totholz, aber auch in Treibgut und in verholzenden Teilen krautiger Pflanzen zu finden. Die Larven des Nashornkäfers (Oryctes nasicornis) entwickeln sich auch in Holzabfällen, hierzulande findet man sie vornehmlich in Komposthaufen. Ebenfalls an Holz und an anderen Substraten sind Buntkäfer (Cleridae) zu finden. Aus der Familie der Moderkäfer (Latridiidae) bevorzugt vor allem Latridius lardarius schimmelndes Holz, er ernährt sich von Schimmelpilzen. Für eine Reihe von Käfern stellt Totholz auch ein Winterquartier dar, etwa für viele Marienkäfer (Coccinellidae).

Insekten im Totholz

Staubläuse ernähren sich etwa von Pilzgewebe, Sporen, Flechten, Grünalgen und sind unter Rinden, an Baumstämmen und Totholz zu finden. Unter den Zweiflüglern (Diptera) sind es vor allem Vertreter der Dungmücken, Haarmücken und Gnitzen, deren Larvalentwicklung in modrigem Totholz stattfindet. Auch die Larven der Tummelfliegen leben im Totholz und ernähren sich von Baumpilzen. Holzfliegen jagen Larven und Würmer. Die Mauerbienen bauen ihre Nester auch in Ritzen im Totholz und verlassenen Fraßgängen anderer Insekten. Die Holzbiene legt Brutzellen in trockenem, sonnenexponiertem und leicht morschem Totholz an und überwintert im Totholz. Die Echten Wespen (Vespidae) benötigen Holz zum Nestbau und hängen ihre Bauwerke auch in trockene Hohlräume alter Bäume. Viele weitere Wildbienen, Hummeln, und Hornissen leben in abgestorbenen Holzstämmen, meist in aufrecht stehenden Baumstümpfen.

Reptilien, Vögel und Säugetiere im Totholz

Totholz bietet größeren Tieren die Möglichkeit, ihre Bauten und Nester anzulegen, und ist Lebensraum der Nahrung von Vögeln und anderen Wirbeltieren. Von den Insektenlarven im Holz ernähren sich die Spechte und andere heimische Vögel. Spechte zimmern ihre Bruthöhlen in morschem Holz. Diese Baumhöhlen werden, wenn die Spechte sie verlassen haben, von anderen Tieren als Nistplatz genutzt, so zum Beispiel von den Eulenarten Raufußkauz, Sperlingskauz und Waldkauz sowie von der Hohltaube oder Kleinsäugern wie Siebenschläfer und Eichhörnchen.

Auch Baummarder nutzen die Höhlen. Verlassene Spechthöhlen dienen außerdem einer Reihe von Fledermausarten wie dem Großen Abendsegler, der Bechsteinfledermaus, dem Braunen Langohr, der Fransenfledermaus und der Wasserfledermaus (in der Nähe von Gewässern, Altarme, Auwald) als Sommer- und Winterquartier.

Verschiedene Amphibien und Reptilien suchen liegendes Totholz als Tagesversteck (Sonnenbad) oder zum Überwintern auf. Darunter fallen etwa die Erdkröte und die Waldeidechse, sowie die Europäische Sumpfschildkröte, die Totholz in Gewässernähe braucht. Blindschleichen und Kreuzottern suchen Baumhöhlen in Bodennähe zum Überwintern und als Nistplatz auf. Die Blindschleiche nutzt alte Baumstämme tagsüber zum Sonnenbad. Die Kreuzotter versteckt sich tagsüber bei großer Hitze in oder unter Totholz.

Pilze im Totholz

Totholz wird über Jahre hinweg von Bakterien, Käfern und Baumpilzen wie dem Zunderschwamm, dem Hallimasch und vielen weiteren so genannten lignicolen Pilzen zersetzt. Der entstehende Humus ist Nährboden für unzählige Pflanzen. Totholz bildet also auch ein Keimbett für viele junge Bäume; seine Masse und Verteilung bestimmen in hohem Maße die nach dem natürlichen Zerfall neu entstehenden Bestands- und Waldstrukturen.

Im dichtbesiedelten Deutschland sind großvolumige Totholzbiotope selten geworden. Sie werden nach den Landesnaturschutzgesetzen nur in Sachsen explizit geschützt („höhlenreiche Einzelbäume“ und „totholzreiche Altholzinseln“). In allen anderen Bundesländern fallen Totholzbiotope als Kleinstrukturen nicht unter besonders geschützte Biotope. Ein Schutzstatus ist in Deutschland meist nur indirekt abzuleiten (z. B. Streuobstwiese, Wallhecken, Hecken und Flurgehölze, Bruchwälder, Lebensräume bedrohter Arten nach FFH-Richtlinie) oder nach Einzelanordnung oder -ausweisung zu erreichen.

Der Hirschkäfer

Hirschkäfer
Hirschkäfer Transfered from fr.wikipedia.org

 Beeindruckende 1340 Insektenarten sind in Mitteleuropa in irgendeiner Phase auf Alt- oder Totholz angewiesen – damit sind Insekten die vielfältigste Tiergruppe im Totholz.

Einer von ihnen ist der Hirschkäfer. Seine Larven verbringen fünf bis acht Jahre in morschem und feuchtem Holz. Während dieser Zeit verwandeln die Larven das Holz in Mulm – einer Mischung aus zersetztem Holz und Käferexkrementen. Doch der Hirschkäfer ist in Deutschland selten geworden, denn Totholz für die Entwicklung der Larven findet er kaum noch.

Die Ursache findet man vor allem in dem Rückgang naturnaher Wälder. Viele solcher Wälder mussten Siedlungs-, Verkehrs- oder Landwirtschaftsfläche weichen oder werden heute forstwirtschaftlich genutzt. Für Totholz, das nicht nur als Sicherheitsrisiko gilt, sondern auch wirtschaftlich wertlos ist, bleibt dort oft kein Platz. Aktuellen Studien zufolge führt ein Totholzvorkommen von weniger als 30 bis 60 m³/ha zu einem Rückgang der Biodiversität. In Deutschland findet man heute zwar 18 % mehr Totholz in den Wäldern als noch vor einem Jahrzehnt, doch insgesamt liegt das Totholzvorkommen nur bei 20,6 m³/ha. Für Arten wie den Hirschkäfer, die auf Totholz angewiesen sind, ist das noch immer viel zu wenig.

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: Wir können uns auf vielfältige Weise für Totholz liebende Tiere und Pflanzen einsetzen. Einerseits können wir durch das Sparen von Papier und Kartons sowie dem Kauf von Recyclingpapier zu einer geringeren forstwirtschaftlichen Nutzung der Wälder beitragen. Andererseits können wir in unseren Gärten, Innenhöfen und auf unseren Balkonen einen Platz für Totholz schaffen. Wichtig dabei ist, das Holz über eine lange Zeit liegen zu lassen – um dem Hirschkäfer helfen zu können, mindestens acht Jahre.

Kommentare: 3
  • #3

    Erika (Samstag, 21 April 2018 16:42)

    Erst als ich mich genauer mit einzelnen Deiner erwaehnten Kaefer befasste, begriff ich, wie weitraeumig der Begriff Totholz ist, dass absterbende oder brand-geschaedigte Baeume ebenso dazugehoeren.Auch kommt es auf die Baumart an:Buche vergeht schneller im Vergleich zu Tanne und Eiche. Wenn Totholz ins Wasser stuerzt, kann es das Maeandern eines Flusses beeinflussen und die Qualitaet desWassers verbessern. Es hilft zu Moorbildung und ,vermutlich gehoeren auch indirekt Benjeshecken dazu.
    Dein Artikel und Farina Grassmanns Hirsch-Kaefer waren so vielseitig, ich werde oefter kleine Kaefer genauer betrachten und ueber sie lesen, nach Eurer wichtigen Anregung.Habt grossen Dank.

  • #2

    Sybille_waibel@gmx.de (Montag, 16 April 2018 17:33)

    Danke für diesen Artikel

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 16 April 2018 14:29)

    Erst wenn die Menschen verstanden haben, dass alles in der Natur seinen Sinn hat, alles mit allem in einer Verbindung steht, kann dem Artensterben Einhalt geboten werden. Da aber die Wirtschaft und Industrie die letzten sind, die darauf achten, und eines der höchsten Ziele der Politik “Wachstum” ist, muss die Bevölkerung wissen, was sie tun kann, um einen Beitrag zu leisten. Das geht über Konsumverhalten und das Bewusstsein, dass “gepflegte, ordentliche” Gartenanlagen der Biodiversität entgegen stehen. Um das zu wecken und zu erkennen, ist ein Beitrag wie dieser sehr hilfreich.