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Ikea

Text Und Foto: Gudrun Kaspareit

Artikel aus der Zeitschrift Silva das Waldmagazin

silva-waldmagazin.de

20.08.2015

Der neueste Werbeslogan bei Ikea lautet: „Und wie schläfst du?“

„Und du Ikea?“ erwidere ich, „wie schläfst du?“ Ein gutes Gewissen, ist das beste Ruhekissen, lautet ein altes Sprichwort. Aber ohne Gewissen hat man natürlich auch keine Probleme mit dem Schlaf.

Hauptsache billig, sagt der Kunde, Hauptsache die Kasse stimmt, sag der Konzern. Und irgendwo dazwischen muss noch Platz sein, für die hochgepriesene neue Nachhaltigkeit. Man fragt sich, wie das gehen soll, aber seit dem letzten Holz Skandal musste IKEA`s Umweltimage ein wenig aufpoliert werden.

IKEA hat sich also Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben. Baumwolle aus nachhaltigem Anbau,

700 000 Solarmodule auf IKEA Gebäuden, 75% aller verkauften Beleuchtungsprodukte waren 2014 LED Lichter, bravo! (Vergessen wir mal das Palmöl in den verkauften Teelichtern, welches den Regenwald zerstört). IKEA gibt sich also nachhaltig, ist dafür sogar von der Bundesregierung als Klimaschutzunternehmen ausgezeichnet worden. Aber was ist mit dem Holz? IKEA ist eine Möbelfirma, sie baut Möbel aus Holz. Und zwar Billigmöbel. Wie geht das? Das geht recht einfach. Mit dem FSC Siegel (Forest Stewardship Council), wird Nachhaltigkeit suggeriert. Tatsächlich aber hat IKEA`s Tochterfirma Swedwood Ikea Industry seit vielen Jahren in Russlands Norden, in Karelien, Kahlschlag betrieben. IKEA`s Holzbedarf ist mit 13,6 Millionen Kubikmeter jährlich gigantisch. Ein Großteil des Holzes stammt aus der Nähe des Polarkreises, wie man an den sehr feinen Jahresringen erkennen kann. Für das Holz der Billigmöbel (ein Tisch und vier Stühle, Kiefer, massiv, ca. 120,. Euro) wurden die borealen Urwälder in Karelien mit Kahlschlag gerodet.

300 0000 Hektar Naturwald hatte die IKEA Tochter Swedwood gepachtet und dann fleißig dort gerodet. Im Sekundentakt fielen die uralten Bäume, wurden entastet, entrindet und zur Abholung gestapelt. Die tonnenschweren Maschinen, die für all diese Arbeiten nötig sind, haben den empfindlichen Waldboden nachhaltig geschädigt (vielleicht meinte IKEA das mit Nachhaltigkeit?)

Sie werden Jahrzehnte brauchen um sich zu regenerieren.

Der Kahlschlag in Karelien wurde mit dem Ökolabel der Bonner Firma FSC International Center GmbH zertifiziert. Aufgrund dieses Siegels behauptete IKEA, die Abholzung sei nachhaltig und verantwortungsvoll und machte dies auch seinen Kunden weis.

Erstaunlicherweise bestreitet FSC auf Nachfrage, ein Ökolabel zu sein. Doch weshalb werben so viele Firmen damit? Die Kritik an der Vergabe des FSC-Labels für den industriellen Holzeinschlag in den borealen Wäldern Nordeuropas ist nicht neu. Auch andere Organisationen wie beispielsweise Greenpeace und die Swedish Society for Nature Conservation (SSNC) prangern dies seit vielen Jahren an. Die SSNC ist wegen der FSC-zertifizierten Kahlschläge aus FSC ausgetreten. Auch die Umweltorganisationen FERN und Robin Wood haben FSC International verlassen.

Die fatale Rolle, die der FSC beim industriellen Holzeinschlag in Urwäldern als Türöffner spielt, hat die Organisation „Rettet den Regenwald“ schon im Januar 2010 angeprangert. Und „FCS Watch“ hat Hunderte von fragwürdigen Praktiken, unangemessenen Siegelvergaben, Verstößen usw. bei FSC dokumentiert.

Die Firma FSC International Center GmbH mit Sitz in Bonn betreibt das weltweit gültige FSC- Label. Damit werben viele Firmen für die Umweltfreundlichkeit ihrer Papier oder Holzprodukte. Den Kunden sollen die zertifizierten Produkte suggerieren, dass diese aus „verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung" und nicht etwa aus Regenwald-Rodung stammen. Der Kahlschlag der FSC- zertifizierten russischen Urwälder entlarvt das Label ein weiteres Mal als Greenwashing Manipolator.

Die Umweltschutz-Organisation „Rettet den Regenwald“ hat diesen Etikettenschwindel und den Kahlschlag in Karelien aufgedeckt und angeprangert. Mit der Aktion“Wohnst du noch oder zerstörst du schon“ hatte die Organisation 65000 Unterschriften gesammelt und den Konzern damit zusätzlich unter Druck gesetzt. IKEA vermeldete, es wolle den Betrieb in Karelien aus wirtschaftlichen Gründen schließen und sich mehr auf Tikhvin konzentrieren, wo Swedwood ebenfalls Wald gepachtet hat. Schön für Karelien, welches sich hoffentlich nun erholen kann und nicht an andere Holzfirmen weiter verkauft wird , schlecht aber für Tikhvit, wo nun vermutlich alles von Neuem beginnt. Das Tikhvin im Zusammenhang mit Swedwood als Investment Objekt beworben wird, lässt nichts Gutes ahnen. „Die russische Holzwirtschaft ist ein perspektivischer Markt“ heißt es da, hübsch bebildert mit Havestern und abgesägten und entrindeten Bäumen.

In der 58000 Tausend Einwohner zählenden Stadt, gibt es zum einen eine Traktoren Manufaktur, bzw. ein Werk für Eisenlegierungen und zum Anderen einen Industriezweig für IKEA´s Möbelherstellung, mit einem Chemiewerk für Holzchemikalien (Kolofonium, Harz, Terpentin) Wöchentlich werden ca. 40 Kubikmeter Holz in die USA und nach Europa verschifft. Ikea ist also einer der größten Arbeitgeber in Tikhvit, eine Monopolstellung, die zumeist mit einer gewissen Einflussnahme einhergeht.

Damit wir billige Möbel kaufen können, muss die Natur leiden. Gerät jedoch die Natur aus dem Gleichgewicht, leiden wir alle darunter. Insofern sind die Möbel nur scheinbar günstig. Um die Folgen kompensieren zu können, müssen wir alle die Zeche zahlen. Außerdem, ob die Möbel wirklich billig sind, sei einmal dahingestellt. Denken wir nur an Knut: „ Altes raus, Neues rein.“ Dauernd werden wir animiert, neue Möbel zu kaufen. Spätestens beim nächsten Umzug sind wirklich neue Möbel fällig, da die Alten sich nicht wieder zusammenbauen lassen. Wenn wir das addieren, sind die Möbel weder billig noch nachhaltig.

Warum werden keine stabilen, rustikalen und hochwertigen Möbel hergestellt? Die sind dann zwar zunächst viel teurer, dafür halten sie aber ein Leben lang. DAS wäre nachhaltig und unterm Strich auch tatsächlich günstiger. Allerdings würde IKEA und die ganze Industrie, die daran hängt, ebenfalls nur einmal verdienen und das wollen sie natürlich nicht. Also wird geholzt als gäbe es kein Morgen. Und wenn weiter so geholzt wird, dann gibt es kein Morgen.

Kommentare: 2
  • #2

    Marion Hartmann (Dienstag, 08 September 2015 00:36)

    Ich wusste nicht, dass man Ikea Möbel nach einem Umzug nicht wieder aufbauen kann. Das ist ja der Hammer. Absicht, natürlich.
    Hier möchte ich doch einmal auf Prof. Michael Braungart hinweisen, der insbesondere für den "Cradl to Cradle" Studiengang an der Erasmus- Universität berufen ist. "Cradl to Cradl", sinngemäß, von der Wiege zur Wiege .., gegen die Wegwerfwirtschaft im Allgemeinen, aber auch zukunftsorientierte Schemen wie z.B. innovative Ideen zur ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft im Speziellen.
    https://www.youtube.com/watch?v=ACT7xbEe6Os

    Danke für diesen wichtigen Artikel über Holz und die kauforientierten Machenschaften Ikeas.

  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 01 September 2015 17:52)

    Ich bin wirklich nicht blauäugig und leichtgläubig, habe aber eigentlich bei Ikea immer ein relativ gutes Gefühl gehabt, dass die Bemühungen relativ ehrlich sind, so wie die im Artikel erwähnte Palmölgeschichte und auch die sofortige Reaktion auf die Proteste bei Federn aus Lebendrupf. Auch dass dort auf den Trend Vegetarisch/Vegan reagiert wird.
    In dem Artikel wird am Ende gefragt: „Warum werden keine stabilen, rustikalen und hochwertigen Möbel hergestellt? Die sind dann zwar zunächst viel teurer, dafür halten sie aber ein Leben lang.“ Die Frage stelle ich mir immer wieder. Ich freue mich um jedes Stück im Haushalt um so mehr, je älter es ist, teilweise gibt es noch Dinge aus meinem Elternhaus. Es ist eine mir eine unerklärliche „Krankheit“ unserer Zeit, dauernd Neues haben zu wollen, selbst dann, wenn das Alte noch seine Dienste tut. Nur um den Zweck des Neuen wegen. Der Wert der Dinge wird nicht mehr geschätzt, und leider haben sie ja durch die Billigproduktionen oft auch keinen mehr. Dieser verhängnisvolle Trend wird durch die Ikea-Werbung noch mit „Altes raus – Neues rein“ unterstützt. Vertraute Dinge, die mich umgeben, geben mir ein Gefühl der Geborgenheit. Aber davon abgesehen ist es auch eine ungeheure Belastung für die Umwelt – nicht nur bei Möbeln.