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Wir essen den Regenwald auf

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Johannes Wagenknecht

28-05-2015

Regenwald
(c) Johannes Wagenknecht

Die Kombination aus Agrarindustrie, Waldrodung und Klimawandel könnte der Todesstoß für die Regenwälder sein. Und umgekehrt treibt der Verlust der Wälder wiederum den Klimawandel voran.

Zwar hat sich der Waldfraß in Südamerika etwas verlangsamt, breitet sich dafür aber in rasantem Tempo in Asien, vor allem in Indonesien aus. Auch in Afrika fressen sich die Feuer der Brandrodungen in die Wälder. Die Palmöl Industrie aus Indonesien, Malaysia und Singapur sucht nach neuem Land für Plantagen. In den Tropen breiten sich die Palmöl-Plantagen aus wie Krebsgeschwüre.

Primärwälder von der Größe Indiens sind bereits von der Landkarte getilgt worden.

Rücksichtslos, wie kein anderes Land, vernichtet Indonesien seine Wälder. Der Kampf dagegen scheiterte immer wieder an politischer Korruption.

Das, was nicht dem Palmöl weichen muss, weicht dem Sojaanbau. Soja, das zum größten Teil zu Viehfutter für unsere Tierfabriken verarbeitet wird. Und zu schlechter Letzt wird auch Wald vernichtet, um Viehweiden zu gewinnen, für die Fast Food Ketten dieser Welt.

Wir essen den Regenwald buchstäblich auf. Wir verhalten uns wie aggressive Bakterien, die durch ihr Verhalten den Wirtsorganismus vernichten und damit ihre eigene Lebensgrundlage zerstören.

Hoimar von Dittfurt hat genau dieses Phänomen schon vor 30 Jahren in seinem Buch < So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen > am Beispiel von Cholera Bakterien beschrieben.


Dabei sind die Regenwälder so wichtig für das Leben. Mal abgesehen davon, dass sie eine Schatzkammer der Biodiversität für Tiere und Pflanzen darstellen, speichern sie Kohlenstoff. Allein das Amazonasbecken kann pro Jahr 0,6 Gigatonnen Kohlenstoff speichern. Das bremst den Klimawandel. Außerdem binden Sie das Wasser an sich, nicht umsonst heißen diese Wälder Regenwälder und sie schützen den Boden vor Erosionen. Die Wurzeln der Bäume, die den Waldboden schützen, „saugen“ das Wasser an, welches in Kanälen im Stamm nach oben steigt und den Baum versorgt. Überschüssiges Wasser wird über die Blätter „ausgeschwitzt“ und sammelt sich als feuchter Nebel über dem Wald. Einmal am Tag werden dann diese Nebelwolken zu schwer und regnen sich über den Bäumen wieder ab. Der Kreislauf beginnt von Neuem. Im Gegenzug für das gespeicherte CO2 produzieren die grünen Blätter Sauerstoff und geben ihn an die Umgebung ab. Alle tierischen und menschlichen Landbewohner sind auf Sauerstoff angewiesen, was sollen sie atmen, wenn es keine Bäume mehr gibt?


„Endspiel“ nennt der Club of Rome seinen neuesten Bericht. Allein bei diesem Titel bekomme ich Beklemmungen. Der Club of Rome ist eine Gruppe von Experten und Wissenschaftlern, die seit 40 Jahren vor den Folgen von Umweltverschmutzung und Klimaveränderungen warnen. Nun legen sie ihren 34. Bericht vor. In Afrika gibt es Regenwald praktisch nur noch im Kongobecken. In Lateinamerika und Asien schreitet die Waldvernichtung mehr oder weniger schnell voran. Schuld sei u.a. der gestiegene Fleischkonsum. (Vor allem auch in Asien. Damit einher geht der analoge Anstieg der sog. Zivilisationskrankheiten.) Den Menschen in den betroffenen Regionen kommt dieser Boom allerdings nicht zugute. Ebenso verhält es sich mit dem Palmöl. Während die Menschen in den Erzeugerländern hungern, brauchen wir das Palmöl für Biodiesel.

Es ist also so, dass der Regenwald für die urbanen Zentren dieser Welt ausgebeutet wird. Man kann getrost behaupten „Wir essen den Urwald auf“

Dort, wo der Wald für Viehweiden und Palmölplantagen genutzt wurde ist er unwiederbringlich verloren. Aber bei kleinzelliger Nutzung und anschließender Wiederaufforstung, besteht eine gewisse Hoffnung der Regeneration.

Klimaveränderungen und Waldvernichtung gehen Hand in Hand. Einerseits können viele Bäume viel CO2 speichern, vereinfacht ausgedrückt. Andererseits haben Bäume es schwer, wenn das Klima immer wärmer und vor allem immer trockener wird.

Die einzige Hoffnung, die Klimakatastrophe abzuwenden, besteht in dem totalen Schutz der verbliebenen Primärwälder. Damit liegt die Zukunft in den Händen der (oft korrupten) Politiker. Da kann man nur noch beten, denn bisher haben sie sich nicht unbedingt vorausschauend gezeigt, denn seit 40 Jahren geht der Trend in die falsche Richtung.

Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Montag, 01 Juni 2015 15:33)

    Noch ist genug Zeit vorhanden, Menschen aufzuklaeren, wenn jeder Freund der Gruppe "Schoenheit der Waelder'' Gudruns erstklassigen Artikel lesen und teilen wuerde.
    Wir koennten unser Augenmerk auf Joko Widodo in Indonesien richten , den uns Eva ans Herz legt.Es gibt viele auslaendische Politiker, welche ihre Universitaetslaufbahnen im Westen abschlossen und zugaenglich sein muessten fuer unsere Sorgen und Aengste ueber die Vernichtung der Urwaelder.

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Juni 2015 11:10)

    Vielen Dank, Gudrun, für diesen eindrucksvollen Bericht. Wie wichtig wäre es aber, wenn er nicht nur diesem kleinen Kreis vorbehalten wäre, sondern weiter gestreut würde, z.B. in den Tageszeitungen. Auch Berichte in Boulevardmagazinen im TV wären wünschenswert, damit jeder einmal darauf gestoßen wird, der sich sonst eher für die seichteren Dinge des Weltgeschehens interessiert. Am 31.5. brachte die TV-Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ einen kurzen, aber sehr guten Beitrag zu diesem Thema, angeregt durch den in diesem Artikel erwähnten Bericht des Club of Rome „Endspiel“. Aber das ist viel zu wenig – wie viele Menschen schauen sonntags um 23 Uhr schon eine solche Sendung?
    So alarmierend die Lage ist und sich immer dramatischer entwickelt: nicht viele Menschen sind sich des Ernstes der Lage in vollem Umfang bewusst. Und die direkt Verantwortlichen, die es wissen, ignorieren die Gefahr um des Profites willen. Also wären die Regierungen aufgerufen, mit drastischen Gesetzen dagegen vorzugehen. Gerade in das von Dir als besonderer Waldvernichter erwähnte Indonesien hatte ich große Hoffnungen gesetzt, als dort im Oktober 2014 Joko Widodo zum neuen Staatspräsident gewählt wurde. Widodo ist studierter Volkswirt und wurde schon in seinem vorherigen Amt als Bürgermeister seiner Heimatstadt für einen dialogorientierten Politikstil, und Programme u.a. gegen Korruption und Umweltschutz bekannt. Seitdem ist etwas mehr als ein halbes Jahr vergangen. Ob nun wirklich etwas geschieht, ist mir nicht bekannt.
    Das Thema „Biosprit“ zeigt, wie kurzsichtig, vorschnell und unüberlegt die westliche Welt handelt, obwohl seit 40 Jahren vom Club of Rome, aber auch anderen, schon vor der Zerstörung der lebensnotwenigen Wälder gewarnt wird. „Nach uns die Sintflut“ wird nicht nur eine Redewendung bleiben, es wird wahr werden, so wie große Dürren. Und das Leben wird ersticken.