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Indonesien brennt

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Andreas Meyer

04.11.2015

Orang Utan
(c) Andreas Meyer

Was hat unser Nutella Brot mit den Waldbränden in Indonesien zu tun? Und müssen wir deswegen ein schlechtes Gewissen haben? Ja, wir müssen, denn auch dem Letzten sollte klar sein, dass in Nutella, neben Kinderarbeit, auch Palmöl drin steckt. Und für Palmöl brennen die Wälder Indonesiens.

Schon seit zwei Monaten wüten Tausende von Waldbränden in Indonesien und auf der Insel Sumatra, die auf Brandstiftung zurückzuführen sind. Eine halbe Million Menschen leidet unter Atemwegsbeschwerden, Schulen mussten schließen, Flüge wurden gestrichen, die Nachbarstaaten, Malaysia und Singapur leiden unter dem beißenden Qualm. In Kalimantan stehen Kriegsschiffe bereit, um notfalls Frauen und Kinder zu evakuieren. 10 Menschen sind schon gestorben. Indigene Völker, Orang Utans und andere seltene Wildtiere sind massiv bedroht und der Ausstoß an CO2 ist immens. (Indonesien ist drittgrößter Klimasünder weltweit)

Und während der Boden noch schwelt, werden schon die ersten Ölpalmen gesetzt. Die Waldbrände haben Tatsachen geschaffen und viel Platz für neue Ölpalmplantagen.

Leider fördert die EU diesen Boom finanziell und bezieht ihren Biosprit von dort. Ob Fertiggerichte, Schokolade, Eis, Kekse, Kosmetik oder Putzmittel, in unseren Supermärkten gibt es kaum noch ein Produkt ohne Palmöl. In Asien werden arme Bauern von ihren Feldern vertrieben und anstatt Nahrung für die Bevölkerung anzupflanzen, wird für den ausländischen Markt Palmöl produziert.

Die Menschen in Indonesien sind verzweifelt. Ihre Wälder brennen, extrem seltene Tiere, wie der Sumatra-Tiger sind bedroht, viele Tiere und auch Menschen sind schon gestorben. Torfbrände sind kaum zu löschen und können jahrelang brennen. Dicke Rauchschwaden ziehen träge über Indonesien und seine Nachbarländer und vergiften die Atemluft. Die Menschen tragen Masken, um sich notdürftig zu schützen, sie flüchten oder verkriechen sich in geschlossene Räume.

Die Regierung ist nicht willens oder fähig etwas dagegen zu unternehmen. Trotz mehrfacher Bekundungen, die Brandrodungen eindämmen zu wollen, brennen die Wälder wie nie zuvor.

Es ist ein absolutes Drama, was sich dort abspielt. Und wir, die Konsumenten, sind nicht schuldlos.

Firmen, wie Unilever u.ä., beteuern auf Nachfrage stets, nur Palmöl aus nachhaltigem Anbau zu verwenden. Aber all die Konzerne, die sich am zertifizierten RSPO Palmöl beteiligt haben (initiiert u.a. vom WWF) sind heute die, welche roden und brandroden. ES GIBT KEIN NACHHALTIGES PALMÖL. Das Zertifikat wurde zum Zwecke des Greenwashings erfunden. Alleine Willmar, der weltweit größte Erzeuger von Palmöl ist in über Hundert Menschenrechts.- und Landkonflikte verwickelt.

Liebe Konsumenten, bitte schaut Euch genau an, was Ihr kauft. Palmöl muss klar deklariert sein. Lass Produkte mit Palmöl stehen. (Palmöl ist nicht einmal gesund) Als es um tierversuchsfreie Kosmetik ging, habt Ihr auch keine Anstrengungen gescheut. Heute geht es um das Überleben der Orang Utans, des Sumatra-Tigers und des Waldelefanten. Denkt dran, der Kunde hat die Macht.


Ein kurzes Aufatmen. Derzeit haben starke Regenfälle vorerst die Brände gelöscht und die Atemluft gereinigt. Vielleicht hat diese Katastrophe, die zunehmend auch die Bevölkerung betraf, ein Umdenken bewirkt?

Die Lage in Indonesien ist apokalyptisch. Auch das Bündnis "Regenwald statt Palmöl" schaltet sich mit einem Call for Action ein:

Bitte helft! Bitte lest den Hilferuf und die Informationen! Vielen Dank!

http://regenwald-statt-palmoel.de/de/aktiv-werden/spenden/hilferuf-aus-indonesien

Kommentare: 3
  • #3

    Eva Schmelzer (Dienstag, 01 Dezember 2015 12:36)

    Die Ausmaße sind in der Tat erschreckend. Es ist zwar richtig, dass der Verbraucher letztlich darüber entscheidet, wie viel Palmöl verwendet wird, allerdings fürchte ich, dass weltweit die Anzahl derer, die darauf achten, viel zu gering ist, um das Elend zu beenden. Ich glaube, das ist noch nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Auch ist es ja so, dass selbst bei gutem Willen (die Vielfalt der Palmöl enthaltenen Produkten wurde richtig im Beitrag beschrieben) kaum auszuschließen ist, dass man unwillentlich doch verstecktes Palmöl kauft. Gudrun hat zwar richtig geschrieben, dass Palmöl gekennzeichnet sein muss, nur ist es so, dass durch eine Veresterung von Palmöl immer wieder Inhaltsstoffe mit neuen Namen entstehen, die man eben nicht kennt – es sei denn, man ist Chemiker. So können z.B. (um nur einige wenige zu nennen) Cetearyl, Cetyl, Lauryl, Lauroyl, Laurate, Sodium, Stearinsäure aus Palmöl stammen.
    Bis sich ein Bewusstsein unter den Menschen entwickelt, um einen spürbaren Rückgang zu bewirken, wäre es meiner Meinung nach schon zu spät, eine Wüste wäre lange entstanden. Die Konzerne, die ja sehr wohl die Problematik hinter ihrer Gier kennen, sind gefragt, ganz schnell Alternativen zu entwickeln. Da es diese Einsicht wohl kaum geben wird, müssen Gesetze geschaffen und die Korruption rigoros bekämpft werden. Es muss allen Beteiligten klar werden, dass hier ein Verbrechen im Gang ist. Und auch der Betrug mit dem „nachhaltigen Palmöl“ muss beendet werden.

  • #2

    Erika (Dienstag, 01 Dezember 2015 08:43)

    Kalimantan und Sumatra koennen kurzfristig aufatmen wegen der Regenfaelle, aber es wird weitere Brandrodungen geben. Die hohe Konzentration von Schadstoffen Ozon, Kohlenmonoxyd,Zyanid , Ammoniak und Formaldehyd sind eine Bedrohung fuer Kinder und Schwangere . Sie muessten laengst evakuiert worden sein. Keine Regierung kann sich solche Menschenrechtsverletzungen leisten und Schiffe liegen bereit.

  • #1

    Eva Schmelzer (Mittwoch, 04 November 2015 13:10)

    Ja, wir müssen beim Einkauf darauf achten. Auch „pflanzliche Öle/ Fette“, die nicht weiter deklariert sind, ist Palmöl. Mein Eindruck ist, dass es in Deutschland ein aufrichtiges Interesse gibt, etwas gegen die schlimmen Folgen des Palmölanbaus in Indonesien und Malaysia zu tun. Wie das konkret funktionieren soll, ist mir zwar nicht ganz klar, aber umso wichtiger ist die Aufklärung der Verbraucher. In Indonesien sind die Ölfirmen sehr einflussreich. Sie können Politiker kaufen und Kleinbauern beeinflussen. Aber Europas Konsumenten haben sie nicht in der Hand.
    Meine ganz große Kritik geht an die Europäische Union, die zwar gerade ihre Beimischungsquote für Biosprit gesenkt hat, aber Europa sollte gar keinen Biosprit verwenden. Das wäre die einzige wirkliche Lösung. Die Beimischungspolitik der EU fördert einen weiteren Markt für Palmöl und damit die Expansion der Plantagen.