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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

Ressourcen schonen, die Natur entlasten, Chancengleichheit fördern, das alles kann die Menstruationstasse Ruby Cup

Ihr wollt endlich ernst machen mit dem nachhaltigen Lebensstiel? Kein Plastik mehr, keine Naturzerstörung? Dann gibt es hier neue Produkte, welche Ihr auf Eure Liste setzen könnt.

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Können Hanf und Bambus unsere Wälder entlasten?

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Wikipedia

29.05.2021

Hanf
Von Frank Liebig - Archiv Frank Liebig, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50379958

 

Könnte Hanf und Bambus für diverse Holzprodukte eine Alternative sein?

Hanf ist eine schnell wachsende, sehr alte Kulturpflanze, die für viele Artikel gebraucht werden kann, praktisch für alle Zelluloseartikel, für die heute noch langsam wachsendes Holz genommen wird.

Auch Bambus wächst sehr schnell. Es gibt Sorten, die schaffen einen halben Meter pro Tag. Die müssen nur nachgeschnitten werden. Aus Bambus kann man unzählige Artikel produzieren, die heute noch aus Plastik gefertigt werden.

Auf jeden Fall kann man sagen, das Hanf und Bambus nachhaltiger sind als Holz und Plastik.

 

Hanf

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Sie wurde für sehr viele Produkte genutzt, doch in jüngerer Zeit fiel sie wegen ihrer berauschenden Wirkung in Ungnade. Langsam, seit man ihr das THC wegzüchten kann, wird sie nun aber wiederentdeckt.

Hanf ist eine meist einjährige, krautige Pflanze, die bis zu 5 Meter hoch werden kann. Oft wächst sie so dicht und beschattet den Untergrund, dass Ackerunkräuter keine Chance haben und der Einsatz von Herbiziden unnötig ist. Aus ihren Samen kann man wertvolles Speiseöl pressen und aus den faserigen Stängeln kann man sehr reißfeste Seile herstellen.

Hanf wurde zum 1. Mal in China 2700 v.Ch. Als Grabbeigabe gefunden. Er nahm dann über Indien, Iran, Irak seinen Weg nach Europa. In Europa sind die ältesten Funde 5500 Jahre alt. Ägypter und Griechen kleideten sich oft in aus Hanffasern gefertigte Kleidung, die sehr viel reißfester und langlebiger ist als Baumwolle. Die berühmten ersten Levis Jeans bestanden aus Hanffasern und waren deshalb als Arbeitshosen so beliebt, da sie sehr haltbar waren.

Hanf blieb auch nach der Antike in Europa eine wichtige Nutzpflanze. Neben Seilen, Bogensehnen, Seilen für Segeltakelage und alle anderen Arten von stabilen und haltbaren Seilen, nahm der Hanf seinen Siegeszug in der Papierherstellung. Die erste Gutenbergbibel wurde aus Hanfpapier hergestellt, ebenso wurde die erste Unabhängikeitserklärung Amerikas auf Hanfpapier gedruckt.

Hanfseile und Segeltuch aus Hanf waren in der Schifffahrt wichtig, da die Faser sehr widerstandsfähig gegenüber Salzwasser ist und weniger Wasser aufnimmt als beispielsweise Baumwolle – Baumwollsegel würden bei Regen derartig schwer, dass die Masten brechen könnten. Auch Flachsleinen war ein schlechter Ersatz, da es bei Kontakt mit Wasser anders als Leinwand aus Hanf binnen weniger Monate verrottet.

 

Der landwirtschaftliche Anbau von Hanf hat seit seiner „Wiedergeburt“ Anfang der 1990er-Jahre kontinuierlich zugenommen. Trotzdem liegt die Produktion in Europa weit hinter der Nachfrage zurück.

Dank seiner Eigenschaften konnte Hanf in vielen Bereichen der Wirtschaft wieder Fuß fassen. Er eignet sich zum Hausbau ebenso wie als Basis für Farben, Lacke, Waschmittel und vieles mehr. Die Hanffaser ist der Baumwollfaser in vielerlei Hinsicht überlegen und auch für die Herstellung bestimmter Papiere geeignet. Außerdem braucht Hanf weniger Wasser als Baumwolle.

Hanferzeugnisse zeigen eine sehr gute Widerstandsfähigkeit gegen Verschleiß, sodass die Fasern oft recycelt werden können. Hanffasern sind also der Rohstoff für sehr widerstandsfähige Textilien.

 

Hanf ist als naschwachsender Rohstoff wegen seiner problemlosen Zucht und vollständigen Nutzbarkeit beliebt. Es werden keinerlei Herbizide benötigt, weil die Pflanzen bereits nach wenigen Tagen den Boden vollständig beschatten, sodass kein Unkraut mehr Licht findet. Außerdem ist er äußerst schädlingsresistent und pflegeleicht. Hanf produziert mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze. In der Wirtschaft ist Hanf äußerst vielseitig einsetzbar und wird wegen seiner hohen Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und niedrigen Energiebilanz geschätzt.

 

Hanf läst sich außer für Nahrung, Öl und Medizin, für Seile Kleidung und Papier, auch für Dämmmaterial für Gebäude verwenden und zur Herstellung von Zellulose um daraus diverse Hygieneartikel herzustellen, die bisher aus Zellusose von Holz gefertigt wurden. Hanf kann man jedes Jahr ernten, Holz benötigt, wie jeder weiß mindestens 30 Jahre, eher mehr. Deshalb kann Hanf die Wälder schonen, damit Bäume nicht mehr für billige Zellulose 1x Artiken gefällt werden, sondern nur noch für hochwertige Möbel.

 

Bambus

Eine weitere Pflanze, die sehr schnell wächst und unglaublich vielseitig einsetzbar ist und sehr viel Holz ersetzen könnte ist Bambus. Der kolumbianische Architekt Simon Velez hat sich auf moderne Bambusarchitektur spezialisiert. Er hat sogar eine Dreischiffige Kathedrahle in Pereira erschaffen.

Weltweit bedeckt Bambus eine Fläche von ca. 37 Millionen Hektar, davon etwa sechs Millionen in China und neun Millionen in Indien. Je Hektar können 10 bis 15 Tonnen Biomasse pro Jahr nachhaltig gewonnen werden.

Bambus ist ein bedeutender, schnell nachwachsender Rohstoff. Vor allem in Asien hat er große ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung; für etwa 1,5 Milliarden Menschen bilden Bambus und seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten eine Lebensgrundlage. Das verholzende Riesengras ist seit Jahrhunderten regionaler Lieferant von Baustoffen und Brennmaterialien. Das Spektrum der Anwendungen reicht dabei von der Verwendung als Nahrungsmittel über die Nutzung als Baumaterial für den Möbel- und Hausbau, die Produktion von Textilien und Biowerkstoffen bis hin zur Nutzung von Pflanzenauszügen (Bambusmilch) bei der Herstellung von Kosmetik- und Pflegeprodukten. Auch energetisch wird Bambus genutzt, beispielsweise in Form von Bambuspellets oder Bambus-Holzkohle.

Bambus wird traditionell auf vielfältige Weisen genutzt, um Möbel und allerlei Hausgeräte herzustellen, unter anderem kunstvoll geflochtene Körbchen, Vorhänge, Dosen, auch als Trägermaterial für Lackkunst, u. Ä. Aber auch andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Hüte, Körbe und Reusen werden aus Bambus hergestellt. Darüber kann das lange, krause Geschabsel zum Füllen von Polstern verwendet werden. In China wurden zu Rollen zusammengebundene Bambusstreifen als Schreibmaterial verwendet. Zerklopfter Bambussplint kann als Pinsel genutzt werden. Eine kletternde Art wird zu allerlei Flechtwerk, Säcken, ja selbst zu Jacken verarbeitet. Auch in Europa wurde Bambus zur Produktion von Stöcken (Pfefferrohr) und Regenschirmstielen genutzt, außerdem können Fahrräder hergestellt werden.

Haushaltswaren, Kunststoffgeschirr, Musikinstrumente können aus Bambus hergestellt werden. Somit ist Bambus eine echte Alternative für Holz und Plastikartikel.

Bambus ist ein leicht verfügbarer und zugleich hochwertiger Rohstoff. In vielen Eigenschaften ist Bambus den Harthölzern ebenbürtig und in seiner Zähigkeit dem Holz sogar überlegen; durch die Hohlräume ist Bambus extrem leicht und elastisch.

Auch Parkett kann man aus Bambus herstellen.

 

Verbundwerkstoffe mit Bambusfaser und Bambusmehl erfahren eine Zuwachsrate von 50%

Ebebso kann man aus den Fasern Kleidung fertigen und aus dem Mehl Zellusose .Bambus wird seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang in der asiatischen und südamerikanischen Zellstoff- und Papierindustrie eingesetzt.

Holzkohle aus Bambus ist in Asien ein altbekannter Energieträger zum Kochen und Heizen – und ein wichtiger Energieträger für die Industrie. China exportiert jährlich größere Mengen dieser Holzkohle nach Japan. Die hochverdichtete Bambus-Holzkohle hat eine zweieinhalbfach höhere Brenndauer als herkömmliche Holzkohle. Aus diesem Markt heraus werden seit einigen Jahren neue, höherwertige Anwendungen erschlossen, beispielsweise Filtersysteme für die Industrie oder zur Wasseraufbereitung, desodorierende Mittel oder hochwertige Zeichenkohle. Bambus-Pellets sind nicht nur preislich eine konkurrenzfähige Alternative zu Brennholz: Bambus hat bei gleicher Rohdichte den dreifachen Energiegehalt. Der globale Markt wächst rapide; die Nachfrage stieg allein in den Niederlanden und in Großbritannien in zwei Jahren von null auf über eine Million Tonnen. Das primäre Verbrennen von Bambus wird jedoch ähnlich wie bei Holz kritisch betrachtet – in der Regel bietet die stoffliche Nutzung, bzw. die Herstellung hochwertiger Produkte, eine wesentlich höhere Wertschöpfung. Im Sinne einer Kaskadennutzung kann am Ende des Produktlebens immer noch die thermische Verwertung stehen. Zudem beeinflussen Prozess- und Transportemissionen die Ökobilanz und die bei Biomasse grundsätzlich CO2-neutrale Verbrennung negativ.

 

Dies und das der Bambus nicht regional zu haben ist für uns in Europa, ist der einzige Nachteil. Leider. Aber vielleicht mag das in einer globalisierten Welt, in der ALLE Güter ständig um den ganzen Erdball geschippert werden, vor allem auch unser Holz, die berühmte Ausnahme von der Regel sein? Auf alle Fälle kann auch der Bambus unsere Wälder schonen, indem unzählige Produkte, die jetzt noch aus Holz gefertigt werden auch aus dem sehr schnell wachsenden Bambus hergestellt werden. Ebenso lässt sich auf sehr viele Plastikartikel verzichten, indem man sie einfach durch Bambus ersetzt.

Also sowohl Hanf als auch Bambus haben sehr viel Potential unser Leben nachhaltiger zu gestalten, Wälder zu schonen, damit auch das Klima zu schonen und die Plastikflut einzudämmen. Beide Pflanzen wachsen sehr schnell, sind unkompliziert zu ernten und sehr vielseitig zu verwenden.

Wir sollten viel mehr darauf setzen.

Bambus
Von I, Manfred Heyde,, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2259421
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 15 Juni 2021 20:26)

    Eine wunderbare Alternative zum Holz und auch für Einweggegenstände, die aus Plastik hergestellt werden. Ich habe übrigens seit mehr als 13 Jahren ein großes, dickes Schneidebrett aus Bambus, das ich täglich benutze. Alles wird darauf geschnitten (außer Fleisch und Fisch aus hygienischen Gründen, aber davon abgesehen gibt’s das bei mir ohnehin nicht), und das Brett sieht aus wie neu. Obwohl mit scharfem Messer gehackt wird, gibt’s keine Kerben. Ich hoffe sehr, dass sich mit zunehmendem Umweltbewusstsein diese beiden Naturmaterialien durchsetzen