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Wald - Gedichte

alte Buche

„Zu fällen einen schönen Baum, braucht 's eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk' es, ein Jahrhundert.“

(Eugen Roth)

1000 jährige Eiche

Die Eichbäume

Aus den Gärten komm' ich zu euch, ihr Söhne des Berges!

Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,

Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.

Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen

In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,

Der euch nährt' und erzog, und der Erde, die euch geboren.

Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,

Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,

Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,

Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken

Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.

Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels

Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.

Könnt' ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer

Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.

Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,

Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen!

(Hölderlin)

 

Alte Weide

Regenballade

 

Ich kam von meinem Wege ab, weil es so nebeldunstig war.

Der Wald war feuchtkalt wie ein Grab und Finger griffen in mein Haar.

Ein Vogel rief so hoch und hohl, wie wenn ein Kind im Schlummer klagt

und mir war kalt, ich wußte wohl, was man von diesem Walde sagt!

 

Dann setzt' ich wieder Bein vor Bein und komme so gemach vom Fleck

und quutsch' im letzen Abendschein schwer vorwärts durch Morast und Dreck.

Es nebelte, es nieselte, es roch nach Schlamm, verfault und naß,

es raschelte und rieselte und kroch und sprang im hohen Gras.

 

Auf einmal, eh ich's mich versehn, bin ich am Strom, im Wasser schier.

Am Rand bleib ich erschrocken stehn, fast netzt die Flut die Sohle mir.

Das Röhricht zieht sich bis zum Tann und wiegt und wogt soweit man blickt

und flüstert böse ab und an, wenn es im feuchten Windhauch nickt.

 

Das saß ein Kerl! Weiß Gott, mein Herz stand still, als ich ihn sitzen sah!

Ich sah ihn nur von hinterwärts, und er saß klein und ruhig da.

Saß in der Abenddämmerung, die Angelrute ausgestreckt,

als ob ein toter Weidenstrunk den dürren Ast gespenstisch reckt.

 

"He, Alter!" ruf ich, "beißt es gut?" Und sieh, der Baumstamm dreht sich um

und wackelt mit dem runden Hut und grinst mit spitzen Zähnen stumm.

Und spricht, doch nicht nach Landesart, wie Entenschnattern, schnell und breit,

kommt's aus dem algengrünen Bart: "Wenn's regnet, hab' ich gute Zeit"!

 

"So scheint es", sag ich und ich schau in seinen Bottich neben ihn.

Da wimmelts blank und silbergrau und müht sich mit zerfetzem Kiem´,

Aale, die Flossen zart wie Flaum, glotzäugig Karpfen. Mittendrin,

ich traue meinen Augen kaum, wälzt eine Natter sich darin!

 

"Ein selt'nes Fischlein, Alter, traun!" Da springt er froschbehend empor.

"Die Knorpel sind so gut zu kaun" schnattert listig er hervor.

"Gewiß seid ihr zur Nacht mein Gast! Wo wollt ihr heute auch noch hin?

Nur zu, den Bottich angefaßt! Genug ist für uns beide drin!"

 

Und richtig watschelt er voraus, patsch, patsch am Uferrand entlang.

Und wie im Traume heb ich auf und schleppe hinterdrein den Fang.

Und krieche durch den Weidenhag, der eng den Rasenhang umschmiegt,

wo, tief verborgen selbst am Tag, die schilfgebaute Hütte liegt.

 

Da drinnen ist nicht Stuhl, nicht Tisch, der Alte sitzt am Boden platt,

es riecht nach Aas und totem Fisch, mir wird vom bloßem Atmen satt.

Er aber greift frisch in den Topf und frißt die Fische kalt und roh,

packt sie beim Schwanz, beißt ab den Kopf und knirscht und schmatzt im Dunkeln froh.

 

"Ihr eßt ja nicht! Das ist nicht recht!" Die Schwimmhand klatscht mich fett aufs Knie.

"Ihr seid vom trockenen Geschlecht, ich weiß, die Kerle essen nie!

Ihr seid bekümmert? Sprecht doch aus, womit ich Euch erfreuen kann!"

"Ja", klappre ich: "Ich will nach Haus, aus dem verfluchten Schnatermann."

 

Da hebt der Kerl ein Lachen an, es klang nicht gut, mir wurde kalt.

"Was wißt denn Ihr vom Schnatermann?" "Ja", sag ich stur," so heißt der Wald."

"So heißt der Wald?" Nun geht es los, er grinst mich grün und phosphorn an:

"Du dürrer Narr, was weißt du bloß vom Schnater-Schnater-Schnatermann?!"

 

Und schnater-schnater, klitsch und klatsch, der Regen peitscht mir ins Gesicht.

Quatsch´ durch den Sumpf, hoch spritzt der Matsch, ein Stiefel fehlt - ich acht es nicht.

Und schnater-schnater um mich her, und Enten- ,Unken-, Froschgetöhn.

Möwengelächter irr und leer und tief ein hohles Windgestöhn...

 

Des andern Tags saß ich allein, nicht weit vom prasslenden Kamin

und ließ mein schwer gekränkt´ Gebein wohlig von heißem Grog durchziehn.

Wie golden war der Trank, wie klar, wie edel war sein starker Duft!

Ich blickte nach dem Wald - es war noch sehr viel Regen in der Luft...

 

Ina Seidel (1885-1974)

(Der Schnatermann ist ein Wald bei Rostock)

 

Halbmond über dem Wald

Abendlied

 

1. Der Mond ist aufgegangen
Die gold'nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

 

2. Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmerung Hülle
So traulich und so hold
Gleich einer stillen Kammer
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt

 

3. Seht ihr den Mond dort stehen
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön
So sind wohl manche Sachen
Die wir getrost verlachen
Weil unsere Augen sie nicht seh'n

 

(Matthias Claudius)

Untergehende Sonne am See

Abend

 

Der Abend wechselt langsam die Gewänder,

die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;

du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,

ein himmelfahrendes und eins, das fällt;

 

und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,

nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,

nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend

wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt -

 

und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)

dein Leben bang und riesenhaft und reifend,

so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,

abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

 

(Rilke)

Buche

O, daß der Mensch die innere Musik der Natur verstände

und einen Sinn für äußere Harmonie hätte.

Aber er weiß es ja kaum, dass wir zusammen gehören

und keines ohne das andere bestehen kann.

(Novalis) 

Kastanie

Pflanz einen Baum,
Du kannst nicht ahnen
wer einst in seinem Schatten tanzt.
Bedenk, es haben deine Ahnen
eh' sie dich kannten, auch für dich gepflanzt.

(Max Bewer)

Birkenstamm

Der Nachtwind hat in den Bäumen

 

Der Nachtwind hat in den Bäumen

Sein Rauschen eingestellt,

Die Vögel sitzen und träumen

Am Aste traut gesellt.

 

Die ferne schmächtige Quelle,

Weil alles andre ruht,

Läßt hörbar nun Welle auf Welle

Hinflüstern ihre Flut.

 

Und wenn die Nähe verklungen,

Dann kommen an die Reih

Die leisen Erinnerungen

Und weinen fern vorbei.

 

Daß alles vorübersterbe,

Ist alt und allbekannt;

Doch diese Wehmut, die herbe,

Hat niemand noch gebannt.

 

Nikolaus Lenau

 

 

Efeublatt

 

Ein grünes Blatt

 

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,

Ich nahm es so im Wandern mit,

Auf dass es einst mir möge sagen,

Wie laut die Nachtigall geschlagen,

Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

 

Theodor Storm 

 

 

Waldlichtung

 

Stimmen,

 

die den andern schweigen,

Jenseits ihrer Hörbarkeiten,

Hört Merlin vorübergleiten,

Alles rauscht im vollen Reigen.

Denn die Königin der Elfen

Oder eine kluge Norn

Hält, dem Sinne nachzuhelfen,

Ihm ans Ohr ein Zauberhorn.

Rieseln hört er, springend schäumen

Lebensfluten in den Bäumen.

Vögel schlummern auf den Ästen

Nach des Tages Liebesfesten,

Doch ihr Schlaf ist auch beglückt;

Lauschend hört Merlin entzückt

Unter ihrem Brustgefieder

Träumen ihre künftgen Lieder.

Klingend strömt des Mondes Licht

Auf die Eich und Hagerose,

Und im Kelch der feinsten Moose

Tönt das ewige Gedicht.

 

Nikolaus Lenau

 

 

Wald am Abend

Traumwald

 

Des Vogels Aug verschleiert sich;

Er sinkt in Schlaf auf seinem Baum.

Der Wald verwandelt sich in Traum

Und wird so tief und feierlich.

 

Der Mond, der stille, steigt empor:

Die kleine Kehle zwitschert matt.

Im ganzen Walde schwingt kein Blatt.

Fern läutet, fern, der Sterne Chor.

 

Christian Morgenstern

Schwarzerlen am Wasser

Die Erlen

 

Wo hier aus den felsichten Grüften

Das silberne Bächelchen rinnt,

Umflattert von scherzenden Lüften

Des Maies die Reize gewinnt,

 

Um welche mein Mädchen es liebt

Das Mädchen so rosicht und froh

Und oft mir ihr Herzchen hier gibt,

Wenn städtisches Wimmeln sie floh;

 

Da wachsen auch Erlen, sie schatten

Uns beide in seliger Ruh,

Wenn wir von der Hitze ermatten

Und sehen uns Fröhlichen zu.

 

Aus ihren belaubeten Zweigen

Ertönet der Vögel Gesang

Wir sehen die Vögelchen steigen

Und flattern am Bache entlang.

 

O Erlen, o wachset und blühet

Mit unserer Liebe doch nur

Ich wette, in kurzer Zeit siehet

Man euch als die Höchsten der Flur.

 

Und kommet ein anderes Pärchen,

Das herzlich sich liebet wie wir

Ich und mein goldlockiges Klärchen,

So schatte ihm Ruhe auch hier.

 

Novalis

 

Sonnenuntergang

Wär's dunkel, ich läg' im Walde,

 

Im Walde rauscht's so sacht,

Mit ihrem Sternenmantel

Bedeckt mich da die Nacht;

 

Da kommen die Bächlein gegangen,

Ob ich schon schlafen tu?

Ich schlaf nicht, ich hör noch lang

Den Nachtigallen zu.

 

Wenn die Wipfel über mir schwanken,

Da klingt die ganze Nacht.

Das sind im Herzen die Gedanken,

Die singen, wenn niemand wacht.

 

Joseph von Eichendorff

 

Eichenwald

Dort

Dort in moosumrankten Klüften,

Wo der Kühlung Weste wehn,

Und den Kranz um Schläf und Hüften

Elfen sich im Tanz ergehn.

Dort harr ich des lieben Mädchens,

Wenn durchs Grau der Morgen bricht

Und das grüne Rosenpfädchen

Sanft bestreut mit mattem Licht.

Dort harr ich, wenn sich die Sonne

In des Sees Fluten taucht,

Und der Abend neue Wonne

In des Müden Seele haucht.

Denn nur wenig Jahr durchglühet

Uns der Jugend Götterhauch

Und, ach - nur zu früh verblühet

Uns des Lebens Blütenstrauch.

 

Joseph von Eichendorff

Wald

Mein täglicher Spaziergang

Nur ein paar Birken, Einsamkeit und Leere,

Ein Sumpf, geheimnisvoll, ein Fleckchen Heide,

Der Kiebitz gibt mir im April die Ehre,

Im Winter Raben, Rauch und Reifgeschmeide,

Und niemals Menschen, keine Grande Misère,

Nichts, nichts von unserm ewigen Seelenleide.

Ich bin allein. Was einzig ich begehre?

Grast ihr für euch, und mir laßt meine Weide.

 

Detlev Freiherr von Liliencron (1844 - 1909)

Wald

Als jüngst die Nacht dem sonnenmüden Land

Der Dämmerung leise Boten hat gesandt,

Da lag ich einsam noch in Waldes Moose.

 

Die dunklen Zweige nickten so vertraut,

An meiner Wange flüsterte das Kraut,

Unsichtbar duftete die Heiderose.

 

Ringsum so still, daß ich vernahm im Laub

Der Raupe Nagen, und wie grüner Staub

Mich leise wirbelnd Blätterflöckchen trafen.

 

Ich lag und dachte, ach, so manchem nach,

Ich hörte meines eignen Herzens Schlag,

Fast war es mir, als sei ich schon entschlafen.

 

Annette von Droste-Hülshoff

 

Baumstamm mit Moos

Moos  
Hast du schon jemals Moos gesehen?
nicht bloß
so im Vorübergehen,
so nebenbei von obenher,
so ungefähr -
nein, dicht vor Augen, hingekniet,
wie man sich eine Schrift besieht?
O Wunderschrift! O Zauberzeichen!
Da wächst ein Urwald ohnegleichen
und wuchert wild und wunderbar
im Tannendunkel Jahr für Jahr,
mit krausen Fransen, spitzen Hütchen,
mit silbernen Trompetentütchen,
mit wirren Zweigen, krummen Stöckchen,
mit Sammethärchen, Blütenglöckchen,
und wächst so klein und ungesehen -
ein Hümpel Moos.
Und riesengroß
die Bäume stehen ...

 
Doch manchmal kommt es wohl auch vor,
daß sich ein Reh hierher verlor,
sich unter diese Zweige bückt,
ins Moos die spitzen Füße drückt,
und daß ein Has' vom Fuchs gehetzt,
dies Moos mit seinem Blute netzt ...
Und schnaufend kriecht vielleicht hier auch
ein sammetweicher Igelbauch,
indes der Ameis' Karawanen
sich unentwegt durchs Dickicht bahnen.
Ein Wiesel pfeift - ein Sprung und Stoß -
und kalt und groß
gleitet die Schlange durch das Moos ...
Wer weiß, was alles hier geschieht,
was nur das Moos im Dunkeln sieht:
Gier, Liebesbrunst und Meuchelmord -
kein Wort verrät das Moos.
Und riesengroß die Bäume stehen -
Hast du schon jemals Moos gesehen?

(Siegfried von Vegesack)

Eichenallee

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
  
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
  
 Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
 Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
 wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
 und wird in den Alleen hin und her
 unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Rilke)

Eichenallee

  Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
  als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
  sie fallen mit verneinender Gebärde.
  
  Und in den Nächten fällt die schwere Erde
  aus allen Sternen in die Einsamkeit.
  
  Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
  Und sieh dir andre an: es ist in allen.
  
  Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
  unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rilke)

Spinnennetz

Die Mücke

Ein leisestes Gesurr. Auf meine Hand
sinkt flügelschwirrend eine Mücke nieder,
ein Hauch von einem Leib, sechs zarte Glieder -
wo kam sie her aus winterlichem Land ?

Ein Rüssel ... Schlag ich zu ? Mißgönn ich ihr
den Tropfen Blut, der solches Wesen nährt ?
Den leichten Schmerz, den mir der Stich gewährt ?
Sie handelt, wie sie muss. Bin ich ein Tier ?

So stich nur zu, du kleine Flügelseele,
solang mein Blutgefäß dich nähren mag,
solang du sorgst um deinen kurzen Tag !

Stich zu, dass es dir nicht an Kräften fehle !
Wir sind ja beide, Mensch und Mücke, nichts
als kleine Schatten eines großen Lichts.

 

Albrecht Haushofer 1903 - 1945
von der SS ermordet.

Teich und blühende Bäume

Was ich dir wünsche


Nicht, dass du der schönste Baum bist, der auf dieser Erde steht.
Nicht, dass du jahraus, jahrein leuchtest von Blüten an jedem Zweig.
Aber dass dann und wann an irgendeinem Ast eine Blüte aufbricht,
dass dann und wann etwas Schönes gelingt, irgendwann ein Wort der Liebe ein Herz findet,
das wünsche ich dir.

Nicht, dass du so groß wirst wie ein Baum, so stark und reglos.
Aber dass du hin und wieder nach oben schaust, wo die Kronen sind und der Himmel.
Dass du stehen bleibst und nicht weiter rennst.
Dass du stehen lernst und wachsen wie ein Baum.
Denn du bist nicht am Ziel.
Du hast die Kraft in dir, die auch im Baum ist:
Die Kraft zu wachsen.
Du bist noch zu etwas berufen.
Bleib stehen. Schau nach oben
und fühle die Kraft aus Gott,
die wachsen will in dir.

Ich wünsche dir nicht,
dass du "frei" bist und ohne Menschen allein im weiten Land.
Ich wünsche dir Freunde, hilfreiche und störende,
solche, die du brauchst und solche, die dich brauchen.
Ich wünsche dir,
dass du Halt findest wie ein Efeu, an einem festen Stamm,
und die Kraft hast, ein Stamm zu sein für die, die du tragen sollst.

(aus Jörg Zink, Was ich dir wünsche)

Apfelbaum mit Äpfeln

1.Bei einem Wirte wundermild,

Da war ich jüngst zu Gaste.

Ein goldner Apfel war sein Schild

An einem langen Aste.

 

2. Es war der gute Apfelbaum

Bei dem ich eingekehret;

Mit süßer Kost und frischem Schaum

Hat er mich wohl genähret.

 

3. Es kamen in sein grünes Haus

Viel leichtbeschwingte Gäste,

Sie sprangen frei und hielten Schmaus

Und sangen auf das Beste.

 

4. Ich fand ein Bett zu süßer Ruh'

Auf weichen grünen Matten:

Der Wirt, der deckte selbst mich zu

Mit seinem kühlen Schatten.

 

5. Nun frag' ich nach der Schuldigkeit:

Da schüttelt' er den Wipfel;

Gesegnet sei er allezeit

Von der Wurzel bis zum Gipfel.

(Ludwig Uhland)

 

Holz

Mein Freund der Baum ist tot.....

 

Der gefällte Baum

 

Verstümmelt und geschändet stöhnt der Wald,

Dem sie die Edeltannen niedermachten.

In das Geschwefel, das über Reisigflammen

Gerötet züngelt, ringeln Nebelschlangen.

Beilschläge, rauhe Rufe, Tritte schallen,

Die Sägenzähne zischen hin und her,

Aufächzend knarren Winden, Ketten klirren.

Ein Ruck! Ein Krach! Schwer schwirrend stürzt die Tanne,

Auf hartgefrornem Grund den Leib zerschlagend.

Der Rauhreif, vom geschütteltem Gezweig

Der Schwesterkronen abgefegt, stäubt schaumweiß

Und blitzt und schauert ruckweis aus dem Lüften.

Da springt der Tod aus dürrem Busch und lässt sichs

Wolllustig über Haupt und Schultern perlen.

Das Spätrot drängt sich durch den dünnen Nebel

Und wirft die grelle Fackel in den Rauhreif,

Der knisternd an dem Tod herunterrieselt

Und wie ein Feuerschleier niederrauscht –

Er stäubt zu Boden, und die Glut erlischt.

Und wieder steht er nackt und bleich und beinern.

 

Adolf Frey

Aus der Sammlung Totentanz

 

Kommentare: 6
  • #6

    poidlsepp (Montag, 11 Juni 2018 15:34)

    als waldpädagoge konnte ich mir hier viele Ideen und anregungen holen.
    vielen, vielen herzlichen dank für diese Sammlung!

  • #5

    ursula J, (Freitag, 01 Mai 2015 19:56)

    danke von Herzen fuer die Gedichte und LIeder, von denen ich einige in der Schule gelernt habe ,die mir nun wieder gegenwaertig sind.Danke vielmals dafuer.

  • #4

    Marion Hartmann (Donnerstag, 27 Februar 2014 20:28)

    Eine sehr schöne Idee, liebe Gudrun! Ganz herrlich, daß Du an Dichter erinnerst und solch wunderbare Fotos hinzufügst. Ich werde gern immer wieder hier hereinschauen! Dank!

  • #3

    Gudrun Kaspareit (Samstag, 01 Dezember 2012 16:26)

    Ihr Lieben,
    ich freue mich sehr, dass ich diese Leidenschaft mit Euch teilen kann!
    Gudrun

  • #2

    christinefiedler@yahoo.de (Samstag, 01 Dezember 2012 13:20)

    Guddi, wie liebevoll du die Gedichte ausgewählt und mit den Fotos kombiniert hast! Besonders bin ich von "Die Mücke" begeistert - auch aus dieser Zeit kommt eines vor.
    Danke Christine

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 Dezember 2012 12:19)

    Eine wunderbare Idee, diese Lyrik-Seite. Für mich ganz persönlich auch in der Advents- und Weihnachtszeit mindestens ebenso stimmungsvoll wie typische Weihnachtsgedichte.