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Moose und Flechten

Texte: Sybille Waibel und Wikipedia; Gedicht: Friedrich von Vegesack

Fotos: Karl Friedrich Weber, Olivier Fiechter, Michael Gehlen

20. 2. 2014/ 09.09.2016

Moose und Flechten
(c) Karl Friedrich Weber

Siegfried von Vegesack
Moos  
Hast du schon jemals Moos gesehen?
nicht bloß
so im Vorübergehen,
so nebenbei von obenher,
so ungefähr -
nein, dicht vor Augen, hingekniet,
wie man sich eine Schrift besieht?
O Wunderschrift! O Zauberzeichen!
Da wächst ein Urwald ohnegleichen
und wuchert wild und wunderbar
im Tannendunkel Jahr für Jahr,
mit krausen Fransen, spitzen Hütchen,
mit silbernen Trompetentütchen,
mit wirren Zweigen, krummen Stöckchen,
mit Sammethärchen, Blütenglöckchen,
und wächst so klein und ungesehen -
ein Hümpel Moos.
Und riesengroß
die Bäume stehen ...
 
Doch manchmal kommt es wohl auch vor,
daß sich ein Reh hierher verlor,
sich unter diese Zweige bückt,
ins Moos die spitzen Füße drückt,
und daß ein Has' vom Fuchs gehetzt,
dies Moos mit seinem Blute netzt ...
Und schnaufend kriecht vielleicht hier auch
ein sammetweicher Igelbauch,
indes der Ameis' Karawanen
sich unentwegt durchs Dickicht bahnen.
Ein Wiesel pfeift - ein Sprung und Stoß -
und kalt und groß
gleitet die Schlange durch das Moos ...
Wer weiß, was alles hier geschieht,
was nur das Moos im Dunkeln sieht:
Gier, Liebesbrunst und Meuchelmord -
kein Wort verrät das Moos.
Und riesengroß die Bäume stehen -
Hast du schon jemals Moos gesehen?

Moose und Flechten
(c) Karl Friedrich Weber
Moose und Flechten
(c) Karl Friedrich Weber

Moose sind grüne Landpflanzen, die in der Regel kein Stütz- und Leitgewebe ausbilden. Nach heutiger Auffassung haben sie sich vor etwa 400 bis 450 Millionen Jahren aus Grünalgen der Gezeitenzone entwickelt. Die Moose sind durch einen Generationswechsel gekennzeichnet, bei dem die geschlechtliche Generation (Gametophyt) gegenüber der ungeschlechtlichen (Sporophyt) dominiert. Der haploide Gametophyt ist die eigentliche Moospflanze, er kann lappig (thallos) oder beblättert (folios) sein. Kennzeichen der Moose sind die Photosynthesepigmente Chlorophyll a und b, Stärke als Speichersubstanz und Zellwände aus Zellulose, aber ohne Lignin. Es gibt rund 16.000 bekannte Arten. Die Wissenschaft von den Moosen heißt Bryologie. Die drei klassischen Sippen Hornmoose, Lebermoose und Laubmoose bilden einzeln jeweils natürliche Abstammungslinien, die Moose insgesamt sind jedoch keine natürliche Verwandtschaftsgruppe.

Dort, wo Moose häufig sind, wie in Bergwäldern und Mooren, haben sie eine wichtige ökologische Rolle im Nährstoffkreislauf, da sie die Nährstoffe aus dem Niederschlag filtern, ferner für den Wasserkreislauf, da sie zum einen Nebel ausfiltern können und zu einem gewissen Grad auch den Niederschlag speichern können.

Als Lebensraum spielen Moose eine Rolle für die Kleintierwelt, und als Keimbett für Blütenpflanzen. Einige Moose bilden Symbiosen mit Cyanobakterien (Blasia, Hornmoose) und Pilzen (Mykorrhiza, bei vielen Lebermoosen). Eine Gattung (Cryptothallus) ist obligat saprophytisch unter Moosdecken. Einige Lebermoose (etwa Colura zoophaga) fangen in ihren Wassersäcken Wimpertierchen und andere Kleintiere. Da ihnen jedoch Verdauungsproteasen fehlen, liegt keine echte Carnivorie, sondern nur Zoophagie vor.

(Wikipedia)

Moos
(c) Olivier Ornis Moos

Als Flechte (Lichen) bezeichnet man eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz, dem so genannten Mykobionten, und einem oder mehreren Photosynthese betreibenden Partnern. Diese Photobionten, auch Phytobionten genannt, sind Grünalgen (Chlorophyta) oder Cyanobakterien. Die Eigenschaften der Flechten setzen sich deutlich von jenen der Organismen ab, aus denen sie sich zusammensetzen. Erst in der Symbiose bilden sich die typischen Wuchsformen der Flechten heraus und nur in Lebensgemeinschaft mit einem Photobionten bilden die Mykobionten die charakteristischen Flechtensäuren. Die Wissenschaft von den Flechten ist die Flechtenkunde oder Lichenologie.

Ein sehr interessanter Artikel bei Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Flechte

Flechte auf Fels
(c) Karl Friedrich Weber Flechte auf Fels
Moose und Flechten
(c) Michael Gehlen
Flechten und Moose
(c) Michael Gehlen

 

Wie die Flechte können auch Moose extreme Standorte besiedeln und sind seit Urzeiten Pionierpflanzen bei der Besiedlung neuer extremer Lebensräume wie z.B. Lehmboden, felsiger Untergrund oder verbrannter Boden.

Bestimmte Moose können sogar über mehrere Jahre hinweg extreme Trockenheit (z.B. bei Kälte) überdauern, indem sie in eine Art Trockenstarre fallen.

Sobald wieder Feuchtigkeit in der Umwelt verfügbar ist, erwacht das Moos (wie Dornröschen) wieder zum Leben und setzt sein Wachstum fort.

Moose sind außerdem Pionierpflanzen, weil sie im Unterschied zu Gefäßpflanzen auch bei sehr niedrigen Temperaturen und wenig Licht Fotosynthese betreiben können.

Die Eigenschaften als Bodenpionier teilt sich das Moos mit der Flechte, die als Pionierpflanze sogar extreme Standorte wie Felsen in großer Höhe besiedeln und diese mit ihrer Flechtensäure zersetzen kann.

Ferner mit der Kiefer, einem tief wurzelnden Pionierbaum, der besonders widerstandsfähig gegen Stürme ist. Oder auch der flach wurzelnden Birke und der Sal-Weide, die speziell auf trockenen, nährstoffarmen oder lehmigen Böden als Pionierbäume wachsen können. (Sybille Waibel)

Moos
(c) Karl-Friedrich Weber Moos
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 Oktober 2016 14:49)

    Mit dem Moos habe ich mich noch gar nicht so ausgiebig beschäftigt. Ich fand es halt immer nur sehr schön und irgendwie geheimnisvoll, wenn ich mal an Orten war, wo es mir begegnet ist. Dasselbe gilt für die Flechten. Deshalb vielen Dank für diesen informativen Artikel und die wunderschönen Fotos, die aus einer anderen Welt zu sein scheinen: Eine solche Vielfalt an Moosen und Flechten hätte ich nicht erwartet.
    Nachdem ich so umfangreich informiert war, habe ich Siegfrieds Gedicht noch einmal gelesen, und erst dann so richtig verstanden. Denn ich war auch eine von denen, die das Moos „so im Vorübergehen, so nebenbei von obenher, so ungefähr“ betrachtet hat. Nun erst verstehe ich, dass da „ein Urwald ohnegleichen“ wächst.