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Die Nachtschwalbe

Text und Scherenschnitt: Erika Bulow-Osborne

Foto: Wikipedia

17.10.2017

Scherenschnitt Nachtschwalbe
(c) Erika Bulow-Osborne Scherenschnitt Nachtschwalbe

 Die Nachtschwalbe

Caprimulgus europaeus,

Nightjar

Sie ist ein in Deutschland gefährdeter Vogel, der in der Abenddämmerung und Morgendämmerung am häufigsten unterwegs ist. Ihre Nahrung besteht aus Nachtfaltern, welche die Nachtschwalbe im Flug fängt, ferner aus Käfern, Schnecken und Schlupfwespen. Zwei Eier legt das Weibchen in eine kleine Vertiefung, direkt auf den Boden. Nachtschwalben haben einen breiten Schnabel, der von Borsten umgeben ist, die Füße sind kurz, die mittlere Zehe stark verlängert, Putzkralle genannt. Ihre Tarnfarbendeckung ist graubraun mit einer weißen Binde auf Flügeln und unterm Schwanz, sowie schwarzen kurzen Strichen.

Sie lieben übersichtlichte Landschaft aus Heidekraut, knorrigen Kiefern und Wacholdern. Ihr Brutplatz liegt zwischen Heidekraut.Größenmäßig entsprechen sie einem Kuckuck.. Wegen nächtlicher Beleuchtung und Viehhaltung, welche Fluginsekten anlocken, scheuen sie auch nicht die menschliche Nähe.

Ins Brutgebiet kehren sie aus der Sahel Zone und von der Guinea Küste in ihr Brutgebiet Mitte April-Mai zurück. Sie brauchen eine Singwarte. Tagsüber dösen oder schlafen sie gern in der warmen Sonne, oder genießen ausgiebige Staubbäder. Außerhalb der Brutzeit sind sie gern allein.

Sie fauchen, zischen, schnurren und sie fliegen Angriffe aus der Luft.

 

Eine im ersten Moment erschreckende Attacke, weil sie so unvermittelt kam, erlebte der Ornithologe, Jürgen Kaatz aus Dranse im Wald bei Groß Hasslow am 27. Mai 2014, bei seiner abendlichen Forschungstätigkeit als er ein Fangnetz aufgestellt hatte von 4x9 Metern. Er wollte Waldlaubvögel erforschen. "Wie ein geölter Blitz schoss ein großer Vogel die Waldschneise entlang und direkt auf mich zu." Er erstarrte vor Schreck. Als er aber den Ruf hörte,erinnerte er diesen von Truppenübungsplätzen, denn er hatte schon mal 5 Junge beringt. Schnell veränderte er das Netz und schon hing die aufgeregte, verärgerte Nachtschwalbe im Netz. Es war ein Männchen , dass sein Revier, den Brutplatz verteidigen wollte. Jürgen Kaatz hatte unwissentlich das Brut-Revier betreten. Er reagierte sofort. Schnell kehrten Freude und Begeisterung zurück. Zum ersten Mal hatte er einen großen, erwachsenen Vogel in Händen, der ihn zu beißen versuchte, als er ihn beringte.

 Er war richtig beglückt über diesen unerwarteten Fund, denn ein Brutpaar von Nachtschwalben bedeutet, wenn es um das Erstellen oder nicht Erstellen von Windkraftfarmen geht, sehr hohe Extrakosten und genaueste Auflagen für deren Betreiber! Er erinnerte sich an den Südosten Brandenburgs, wo wegen einer geringen Zahl von Nachtschwalben, extra eine 9 Hektar große Waldfläche passend gestaltet werden musste, denn Nachtschwalben leiden besonders unter den Geräuschen und ihre Seltenheit macht sie zu Prima Donnen oder Ballerinen.

Ihr Flug ist falkenähnlich, etwas schaukelnd. Am Boden dreht sich der Körper bei kleinen Trippelschritten. Die Männchen beeindrucken ihre Weibchen durch das Weiß in ihren Flügeln und dem gefächertem Schwanz. Das Weibchen wählt ihren Brutplatz dort, wo es den besten Tarnschutz gibt. Das Weibchen hudert, beide Eltern füttern 4 Tage lang und würgen jeweils ganze Insektenbälle, die aus 150 Insekten bestehen, hervor.

Nur spaßeshalber eine kurze Erwähnung von Plinius dem Älteren in seiner Naturalis historia, liber xi vi195: der weitere, früher volkstümliche Name der Nachtschwalbe ist 'Ziegenmelker,' was dem deutschen Namen von 'capra' Ziege und 'mulgere' melken ganz entspricht, aber natürlich war es ein falsches Gerücht, Ziegen ziehen Insekten an, deshalb wollten die Nachtschwalben dort sein.

In Minsmere und Thetford Forest in Suffolk, England und mehreren anderen Naturschutzgebieten ist die Nachtschwalbe gut vertreten. 

Nachtschwalbe
Von Dûrzan cîrano - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11116145
Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Freitag, 03 November 2017 16:03)

    Wieder einmal eine Überraschung: Die Nachtschwalbe war mir unbekannt. Und nachdem ich den Artikel gelesen habe, bin ich sehr froh, dass ich diesen doch in vielen Punkten außergewöhnlichen Vogel kennen gelernt habe, der so mutig ist wie ein wehrhafter Raubvogel. Sehr überrascht hat mich sein Aussehen, auf den ersten Blick scheint er ein kleines Kunstwerk, zusammengesetzt aus Mosaiksteinchen zu sein. Sehr schön aber auch der Scherenschnitt der Schwalbenfamilie in seiner natürlichen Umgebung. Nur leider ist auch bei dieser Art wieder die Bedrohung durch den Menschen da, die vielerlei Ursachen hat...

  • #1

    Marion Hartmann (Freitag, 03 November 2017 10:27)

    Dein Bericht über die Nachtschwalbe, liebe Erika, ist, wie man es von Dir gewohnt ist im Zusammenhang auch mit Deiner künstlerischen Umrahmung, äußerst bereichernd.
    Ich will Rudolf Steiners Worte hier verwenden:
    "Je mehr wir in die Natur hineingehen, umso mehr wachen wir auf.
    Dass wir mehr und mehr aufwachen müssen, wird die Notwendigkeit der Zukunft sein. Denn nichts anderes will die Natur in der Welt sein als ein König, verstreuend Hunderttausende Gaben an den Menschen, der herauskommt aus seinen niedrigen Begierden, verführt von den Geistern der Habsucht und Respektlosigkeit!"
    Dank an Dich mit diesem Gedicht von Hermann Hango (österreichischer Archivar und Schriftsteller/ 1861 - 1934)

    Nachtschwalbe

    Dich lieb ich, geisterhafter Schatten,
    der mich begleitet ohne Scheu
    durch Wald und abendliche Matten,
    so wie Erinnerung, so treu;

    so lind, wie ohne ein Verlangen
    das Denken ist an einst'ge Lust –
    so dunkel wie das dunkle Hangen
    an einem ewigen Verlust.