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Blumenuhr

Text und Scherenschnitte: erika Bulow-Osborne

24. 10. 2015

Pflanzen haben eine 'Innere Uhr'


Prof Peter Ruoff beobachtete Pilze des roten Brotschimmels,Neurospora crassa, welche sich mit großer Genauigkeit, immer eine Stunde vor Sonnenaufgang bildeten.Dieser frühe Beginn ist ihre Chance im starken Sonnenlicht überleben zu können, denn sie haben einen UV Schutz. Die Wahl der besten Zeit bringt das Überleben.

Ich las mit Staunen über das Interesse, (324 vor Christi) von Androsthenes von Thassos (der sich auf einem Erkundigungs-Feldzug für Alexander den Großen in Bahrain befand), welcher die Fiederblättchen der Tamarinde beobachtete, die sich abends schlossen.

Der franzoesische Physiker Jean-Jaques d'Ortous de Mairan machte ein Experiment mit Mimosen, die er in einer dunklen Kiste hielt, um festzustellen, ob sie ohne Sonnenlicht ihren natürlichen Rhythmus einhielten und ja, sie taten genau das. Er ahnte, dass es einen inneren Sinn haben musste.

Carl von Linnaeus 1707-1778 legte in Uppsala 1751 ein 'Horologium Florae', eine Blumenuhr an mit 12 Unterteilungen und Ziffern, sowie Pflanzen, bei denen er genaue Zeiten beobachtet hatte. In etwa konnte er von den sich öffnenden oder schließenden Blüten der Pflanzen die Uhrzeit ablesen, wenn er aus dem Fenster schaute, aber all seine und spätere Versuche von Blumenuhren in anderen Ländern,litten unter den verschiedenen Breitengraden, dem Klima, an Wetter und Jahreszeiten, welche die Pflanzen zu eigener Vorzeitigkeit oder verspäteter Blüte oder Schlafenszeit anregten.

Pflanzen haben eine 'innere Uhr' wie wir, doch müssen sie sich, um nicht von ihren Fressfeinden vernichtet zu werden, auf deren Lebensrhythmus einstellen. Wenn sie im gleichen Rhythmus der Feinde leben, geht es besser.

Die Raupen des Nachtfalters Trichoplusia sind in der Dämmerung am hungrigsten. Man trainierte Acker Schmalwand Pflanzen so, dass ihr Rhythmus demjenigen der Raupen angepasst war. Es zeigte sich daraufhin, dass diese trainierten Acker Schmalwand Pflanzen kurz vor der Dämmerung ihre größte Abwehrkraft entfalteten und so die Hälfte der Blätter unversehrt blieben.

Tagsüber reichern Pflanzen ihre durch Photosynthese gewonnene Energie an und speichern sie als Stärke und Protein. Nachts werden diese dann für Wachstum, Stickstoff und Kohlenstoff bereitgestellt.


Kommentare: 3
  • #3

    Marion Hartmann (Mittwoch, 04 November 2015 16:03)

    Hier beweist sich wieder einmal.., je mehr wir in die heutige Forschung hineingehen, so wie sie in der modernen, technologisierten Welt vertreten wird.., desto mehr wir uns entfernen vom Wissen unserer Vorfahren, das auf der reinen Beoachtung aller Zusammenhänge beruhte.
    Mit ihrem Einfühlungsvermögen in die Tier- und Pflanzenwelt versucht Erika speziell mit diesem Bericht, uns wieder zurückzuführen zum Ursprünglichen. Grossartig auch, wie sie künstlerisch vermag, dies zu untermauern.
    Dank und Respekt!

  • #2

    Eva Schmelzer (Sonntag, 01 November 2015 15:37)

    Ich übertreibe nicht, wenn ich Erikas Bericht als „atemberaubend“ bezeichne – so habe ich es zumindest empfunden. Wie fein gefügt, wie unendlich perfekt hat die Natur doch alles bis ins Kleinste eingerichtet. Ich wusste zwar, dass einige Pflanzen Blüten oder Blätter schließen, habe aber nie über den tieferen Sinn nachgedacht.
    Und das Betrachten der anmutigen Formen der Scherenschnitte ist immer wieder aufs neue eine Freude. Sie wirken beruhigend auf mich in ihrer Klarheit.

  • #1

    Hans-Dieter Wiesemann (Sonntag, 01 November 2015 11:21)

    Liebe Erika, wie schon gewohnt von dir hast du auch hier eine kompetente Recherche in älteren Quellen angestellt und mit deinen schönen Scherenschnitten illustriert. Danke dir!
    Carl von Linnaeus war ein genialer Mensch von dessen Forschung wir heute noch profitieren (könnten, wenn wir es wollten), wir ach so gebildeten und alles wissenden/könnenden Menschen der Moderne. Oder wissen wir vieles einfach nicht mehr? Nichts über die weitgehenden Erkenntnisse der Altforderen? Nichts über die Natur unserer Pflanzen- und Tierwelt? Nicvhte darüber, dass wir nur überleben werden, wenn auch die Natur überlebt?

    Das Nicht-Wissen über Natur i.w.S. verbreitet sich mit unglaublicher Geschwindigkeit unter den Menschen, während wir den Mars und das Universum mit schwarzen Löchern erforschen....
    Danke dir, dass du mit deinen beeindruckend präzisen Scherenschnitten unseren Blick immer wieder auf den Boden -, auf die Erde, auf der wir leben lenkst! Hans-Dieter Wiesemann