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Christchurch Park in Ipswich

Text und Scherenschnitte: Erika Bulow Osborne

25. 07. 2016

Erika beschreibt uns den Christchurch Park ihrer Wahlheimat Ipswich in Suffolk England. Ipswich ist eine der ältesten Städte in England und ebenso alt und ehrwürdig ist der Park mit seinen fantastisch alten Bäumen. Die Muntjaks sind mal aus einem Zoo ausgebüxt und nun verwildert.

Scherenschnitt Chinesisches Muntjak
(c) Erika Bulow-Osborne Chinesisches Muntjak

 

Pflanzen und Tiere im Christchurch Park und Arboretum Ipswich'.

Der erste Eindruck von Christchurch Park ist der schöne Blick über eine große Rasenfläche auf Christchurch Mansion. Links ein hoher Bestand an Rosskastanien und gleich ein Juwel, der älteste Baum des Parks : eine über 600 Jahre alte Eibe. In der Ferne ein Cenotaph für die Gefallenen. Zwei große Teiche, 'Round Pond' und 'Wilderness Pond', in dessen Mitte eine künstlich angelegte Insel hohe Bäume und Büsche trägt. Am 'Wilderness Pond' führen Wege an einem dicht bestandenen Wald vorbei, auch sachte ansteigend, oder auf steil nach oben führender Treppe zu einer Aussichts-Hütte auf einer Streuobstwiese. Schulkindern soll ein Vogelbeobachten geboten werden und man weist auf die vielen Fledermauskästen hin. Es geht weiter bergauf, man befindet sich im Teil der ältesten noch erhaltenen Esskastanien, alle 300 bis 400 Jahre alt. Es ist erstaunlich , dass sich diese Bäume so gut halten konnten, denn der Boden ist sehr dürftig, eigentlich besteht er nur aus Sand. Erstaunlich sind die Stämme der geschneitelten Esskastanien und der alten Eichen. In einer dieser Eichen lebt 'Mabel', die berühmte Waldkäuzin.

Auf den zahlreichen Führungen von 'Dawn-Chorus' oder auf den 'Bat-Walks' erfuhr ich mehr über Biodiversität entlang der Gebüsche, durch das Stehenlassen von Grassflächen und Totholz, das den Kleintieren, Vögeln und Insekten allein gehört. Christchurch Park hat eine kleine Herde von Muntjaks.

Als wir unseren Besuch aus Deutschland hatten, kamen wir 38 Meter höher in das Arboretum und sahen den letzten noch überlebenden Monkey Puzzle Tree, über 15 Meter hoch, mit einem Durchmesser von 66 cm und einem Umfang von 208 cm. Monkey Puzzles haben essbare Nüsse wie eine Brazilnuss. Sechs genauso alte Bäume wurden Opfer des gewaltigen Hurrikans, der am 15.Oktober 1987 wütete. Stiel-Eichen und Esskastanien fielen gegen Wellingtonia und Deodar, welchen fast alle Äste abbrachen. Das Arboretum verlor 48 Bäume und der Christchurch Park als Ganzes 187 Bäume. All unsere Parks waren sechs Monate total geschlossen. Meine Kinder waren 5 und 4 Jahre alt. Es gab kaum Spielplätze, ein Segen war dann ein eigener Garten.

Man pflanzte im Arboretum 5 kleine Monkey Puzzles.

Ganz dicht dabei ist ein Most Gummi Eukalyptus, er hat eine mostartige Flüssigkeit und wächst schnell. Ein mächtiger Ast brach 2009 ohne Vorwarnung ab, deshalb musste seine Höhe von 22 Metern auf 17,3 Meter reduziert werden. Blauglocken Baum, Cotonäster-Baum, Ananas Broom wachsen gleich daneben. Der Catalpa Trompetenbaum wurde schon 1726 eingeführt. Seine langen herzförmigen Blaäter können bis zu 30cm Länge und 15cm Breite betragen. Ein Geweihbaum, Schirmtanne, Hopfenbuchen und das Amerikanische Gelbholz, der seltenste Baum in Ipswich und selbst in Südost Amerika kaum noch erhalten. Stiel-,Rot-, Türken-,Zerr-und Kork Eichen sind reichlich vorhanden.Die Stein Eiche(Holm Oak) hat Blätter mit Stacheln wie bei einer Stechpalme. Ipswich besitzt 162 solcher Bäume. Eine besonders schöne Steineiche hat einen Umfang von 645 cm und einen Durchmesser von 205cm, aber am eindrucksvollsten sind ihre Wurzeln. Die Tränenkiefer kam 1820 nach England. Im September 2011 musste aus Sicherheitsgründen dicht bei Christchurch Mansion ein solcher Baum gefällt werden. Die Wollemia Kiefer wurde 2010 gepflanzt. Sie ist wie Ginkgo, Monkey Puzzle und Tulpenbaum ein lebendes Fossil.

Wenn alte Kiefern durch Stürme gefällt werden müssen, bilden sich sofort Büsche. Holunder und Kastanien kommen und Schmetterlinge werden angelockt. Das Waldbrettspiel konnte sich etablieren, ferner das Große Ochsenauge, das Rotbraune Ochsenauge und der Mauernfuchs.

Alle drei Arten des Buntspechtes sind vertreten. Der Spindelstrauch, Buche und Sal-Weide, Jelänger-Jelieber, Rhododendron- und Efeuhecken entstehen. Brennnesseln gedeihen, die gemeine Strauchschrecke fühlt sich dort wohl und Fledermäuse, Sperber und Waldkauz finden reiche Beute.

Im Grunde gibt es immer noch negative Auswirkungen aus der Kriegszeit, als man viel Ackerbau betrieb, selbst in Parkanlagen. Das soll nun wieder ganz der Natur zurückgegeben werden. Das wollige Honigras (Yorkshire Fog), Knäuelgras (Cocksfoot), Lolchsind vertreten. Schafgarbe, Kleiner Sauerampfer, Spitz-Wegerich, Glatthafer, Schachbrettblume,Gilbweiderich, Scharbockskraut und Aronstab (Lords &Ladies) kamen langsam zurueck.

Durch Quellen waren Nasswiesen und Überflutung naturgegeben. So findet man dort Kriechenden Hahnenfusß, Wiesenschaumkraut, Nordamerikanischen Ehrenpreis und Zottiges Weidenröschen bei Erlen und Eschen.

In den beiden grosßen Teichen gibt es kleine Fische. Eisvogel, Kanadagans, Rotwangen- Schmuckschildkröte und Mandarinente locken viele Familien mit Kindern an, aber es ist überall verboten, die Vögel zu füttern. Höchstens mit Spezialfutter, das kostenpflichtig ist. Auf der künstlichen Insel wachsen Kastanie Eibe, Haselstrauch, Fingerhut, Knoten Braunwurz, Wasser Iris und Wurmfarn.

Gänseblümchen, Löwenzahn und Wiesen Kerbel sollen einer Wespenart, dem stark gefährdeten Bienenwolf genug Nahrung bieten. Er steht in England auf der 'Roten Liste'. Dass er an zwei Stellen im Christchurch Park vorhanden ist, gilt als Seltenheitswert. Grauschnäpper und Kleiber hofft man wieder zurück-zu-gewinnen. Man möchte vor allem die Fledermäuse durch abendlichen Wanderungen bei Kindern und Jugendlichen beliebt machen und hofft, den großen Abendsegler und die Zwergfledermäuse den zahlreichen Kindern ans Herz zu legen.

 

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Montag, 01 August 2016 15:23)

    Den Christchurch Park von Ipswitch habe ich schon vor diesem Beitrag kennen gelernt, dank Erika und ihres Besuchs, leider nur theoretisch durch Wort und Bild. Aber er wurde hier so anschaulich und detailliert beschrieben, dass er mir so vertraut wurde, als sei ich da gewesen.

  • #1

    sybille (Montag, 01 August 2016 11:45)

    einfach großartig so eine Artenvielfalt in einem Park erleben zu dürfen, herzlichen Dank für deine Mühe liebe Erika.
    Immer wieder informativ und lesenswert dein Newsletter, liebe Gudrun.