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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

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Kanwan

Jagdkritik

Text: Gudrun Kaspareit

28.05.2020

Von Morten Schultz - Hunting and wildlife - https://www.youtube.com/watch?v=utkRJ8lfoN4, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81590972
Von Morten Schultz - Hunting and wildlife - https://www.youtube.com/watch?v=utkRJ8lfoN4, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81590972

Ein Patient hatte in unserer Klinik  einige Jagdzeitschriften liegen gelassen. Ich wollte sie schon wegwerfen, als ich neugierig doch darin blätterte. Ich muss sagen, Jägerbashing ist gar nicht nötig, in diesen frei verkäuflichen, für Jedermann lesbaren Blättern, überführt sich die Jägerschaft selbst der Heuchelei. Da wird zum Beispiel seitenlang lamentiert, warum der Besatz mit Hasen so schlecht ist. Der Autoverkehr sei Schuld und die angebliche Überpopulation von Füchsen. Die Monokulturen in der Landwirtschaft und die frühe Wiesenmahd werden eher nicht angeprangert. Dann wird ausführlich geschildert, was man dagegen machen könnte, nämlich das Abschießen sämtlicher Kleinräuber, vor allem der Füchse. Ich denke noch, denen liegt wirklich was an den Hasen, wenn ich die Methoden auch für fragwürdig halte und blättere weiter. Da springt mir ein Artikel entgegen, ein Rezept: Hasenrücken mit Kastanien und Sahnesoße. Jetzt verstehe ich die Sorge um den schlechten Hasenbesatz.

 

Mindestens ein Drittel der Zeitschrift befasst sich mit Jägergejammer. Die Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung ist so schlecht, die Jagdgesetze sind so streng, normale Bürger dürfen leider auch im Wald herum laufen, wie Spaziergänger, Pilzesammler, Jogger und Radfahrer, Nachtsichtgeräte und Schalldämpfer sind immer noch verboten, die Grünen und die Tierschützer sind doof u.s.w.

 

Ein weiteres Drittel besteht aus Tierportraits und ob diese Tiere schädlich oder nützlich sind. Bären in Rumänien z.B. die sich unverhältnismäßig vermehrt hätten und dringend bejagt werden müssten. Es hätte schon Angriffe auf Menschen gegeben. Ihr werdet es nicht glauben, ein paar Seiten weiter, wird Bärenfleisch als sehr lecker propagiert mit passendem Rezept. Oder Wölfe, die hätten sich ebenfalls zu stark vermehrt in unserer deutschen Kulturlandschaft und hätten hier nichts zu suchen. Der hohe Schutzstatus sei nicht mehr gerechtfertigt. Dann freut man sich, dass Kofferfallen in Deutschland wieder erlaubt sind und gibt Tipps, wie man am besten Füchse fängt, aber auch andere Tiere wie Nutrias, Waschbären, Dachse und Biber. Es wird die Frage aufgeworfen, ob man Uhus wieder jagen können sollte.

 

Das letzte Drittel ist der Werbung gewidmet. Jagdausrüstung, Schusswaffen und vor allem Jagdreisen.

 

Dann fand ich noch einen interessanten Artikel mit der Überschrift: Medienleitfaden

Hier werden Tipps gegeben, wie man mit Interviewpartnern reden sollte. Beim Thema Töten sollte man folgende Begriffe vermeiden: Adrenalin, Spaß, Anerkennung, Zeitvertreib, Hobby, Wettbewerb. Für das Thema Freizeitjäger sollten folgende Begriffe tabu sein: Hobby, Spaß, Freizeit, Schießtourismus. Beim Thema Trophäen, sollten folgende Aussagen nicht fallen: Futterhirsch, Jagdreisen, Auslandsjagd, Sozialprestige. In dem Stil ging es weiter. Aber schon, dass man gewissen Personen bittet, gewisse Begriffe nicht zu verwenden, legt doch nahe, dass genau diese Begriffe normalerweise gebraucht werden und das es wichtig ist, sich nicht zu verplappern.

Und wiederum ein paar Seiten weiter in meiner Lektüre, die ich eher angewidert gelesen habe, fragte der Journalist: „Sie haben schon immer von einem reifen Hirsch in der Brunft geträumt?“ und gibt dann Hinweise, wie billig die Jagd in Osteuropa sei. Reifer Hirsch bedeutet übrigens, dass der Hirsch ein gewisses Alter hat und ein riesiges Geweih besitzt.

Abermals ein paar Seiten weiter, im Veranstaltungskalender: „Vorbereitung zur Landestrophäenschau“ Soviel dazu, dass niemand wegen der Trophäe jagt, sondern die Geweihe nur als Andenken behält, wie in obigen „Medienleitfaden“ beschrieben.

 

Also, liebe Freunde, wenn ihr mal nicht so richtig kotzen könnt, kauft Euch eine Jagdzeitschrift, dann klappt`s auch mit dem Brechen.

 

Ich möchte dem Beitrag noch ein paar selbst erlebte Episoden anfügen.

 

Mein Onkel, leidenschaftlicher Jäger, hatte sich eine Lizenz für einen Rothirsch in Bayern erworben, irgend einen Mehrfachender. Sein eigener Sohn rückte im olympischen Kader auf, da ein Sportkamerad verletzungsbedingt ausscheiden musste und startete auf der Olympiade in Seoul. Meinem Onkel wurde angeboten als Betreuer mitzufliegen. Dieser lehnte jedoch ab, da ihm sein Hirschabschuss wichtiger war als sein Sohn. Sein Sohn errang olympisches Mannschaftsgold. Mein Onkel erfuhr erst am nächsten Tag aus der Presse davon.

 

Ein Nachbar im Dorf, Bauer und Landbesitzer und natürlich Jagdscheininhaber, schoss ein paar Kraniche. Auf die Frage nach dem Warum, antwortete er: "Nicht das das hier noch Naturschutzgebiet wird."

Sein Sohn schoss mitten im Dorf eine Katze und verlor tatsächlich seinen Jagdschein. Viele, viele Schweinereien zuvor blieben ungesühnt.

 ( Schüsse auf Kraniche, Seeadler, Bussarde, selbstgebastelte Schlagfallen für Kleinräuber u.s.w.)

 

 

Ich bin passionierte Reiterin und meinen Kindern konnte ich die Liebe zum Pferd ebenfalls vermitteln. So oft es ging, ritten wir mit unseren Hunden querfeldein. Einmal saß eine Jägerin auf dem Hochstand. Ohne Ansprache und ohne lange zu fackeln legte sie an , zielte über unsere Köpfe hinweg und schoss in die Luft. Pferde und Hunde blieben erfreulicherweise vollkommen gelassen, aber ich bin schier ausgeflippt. Das kann man bei Jägern erleben, wenn man mit Kindern ausreitet.

Da ich viele Reiter kenne, kenne ich auch viele ähnliche Geschichten. Auch Jogger können ein Lied davon singen.

 

Eine Facebook Bekannte ließ sich neulich als Kitzretterin feiern, da sie Rehkitze rettet mittels Drohne und Wärmebildkamera. Ich fand das ganz toll und wollte ihr gratulieren, als ich an ihrer Chronik ein Bild entdeckte, auf dem sie freudestrahlend ihren ersten selbst erlegten Hirsch präsentierte  und sich ihr Gesicht mit seinem Blut beschmiert hatte. Ich werde nie verstehen, wie man seine eigene Seele so aufspalten kann. Entweder ich liebe Tiere oder ich töte sie, beides zusammen geht nicht.

 

Ein guter Bekannter, der sich im Naturschutz engagierte, aber auch Jäger war, überlegte laut, wo er denn noch ein Biotop anlegen könnte. Die Wiese xy wäre ja sowieso zu feucht, da könnte man doch ein Biotop für Amphibien einrichten. Ich wollte ihm schon anerkennend auf die Schulter klopfen, als er hinzufügte: "da gibt es ordentlich Subventionen für. "

Dieser Mann erkrankte schwer an Krebs. Als es mit ihm schon zum Ende ging, wollten seine Jagdkameraden ihm noch einmal eine Freude bereiten und ihn mit zur Entenjagd nehmen. Da er weder laufen noch stehen konnte, stellten sie ihm einen Stuhl an den Entenweiher. Die Enten flogen auf, er riss sein Gewehr hoch und schoss. Er fiel hinten über und blieb auf dem Rücken liegen, unfähig sich selber wieder zu erheben. Nur eine Woche später verstarb er.

Was hatte ihn getrieben, selber im Angesicht des Todes , noch schnell einem anderen Wesen das Leben zu nehmen?

 

Ich werde es nie begreifen. Was treibt diese Menschen an? Not und Hunger sind es nicht. Warum macht es ihnen solchen Spaß, Gottes Schöpfung zu zerstören?

 

Hirschkuh
(c) Gudrun Kaspareit
Kommentare: 5
  • #5

    Petra Herbers (Samstag, 20 Juni 2020 13:26)

    Danke für diesen Artikel, denn er entspricht der Wahrheit. Ich selber kann nur sagen, es wird wirklich Zeit, die Jagd abzuschaffen. Jäger sind keine Naturschützer! Ich habe etliche Jäger kennengelernt und bin entsetzt. Was da läuft im Wald.. grausam! Es gibt Studien zu Jägern und warum sie jagen.. sehr interessanten. Es ist wirklich ein krankes Hobby!

  • #4

    Gudrun (Donnerstag, 18 Juni 2020 19:16)

    Hallo Jäger-Nichtjäger,
    schade, dass Du anonym unterwegs bist. Das hat immer so ein Geschmäckle. Bei diesem Artikel handelt es sich um die Widergabe von dem was in Jagdzeitschriften steht, wenn Du das als Hetze empfindest ... lies doch selber mal so ein Blatt.
    Zu Letzt empfiehlst Du, dass wir dort anpacken sollen, wo es wichtig ist. Wenn Du Dich auf dieser Website umsiehst, wirst Du feststellen, dass wir keinen Brennpunkt ausgelassen haben.
    Mit besten Empfehlungen,
    Gudrun

  • #3

    Gerhard Kuenl (Mittwoch, 17 Juni 2020 17:36)

    Jäger sind kriminell, pervers und bösartig! Das ist die einfache und richtige Erklärung! Jagd gehört rigoros verboten und alle Jäger entwaffnet! Bei Zuwiderhandlungen müssen hohe Geld- und Gefängnis-Strafen drohen! In Deutschland steht Tierschutz nur auf dem Papier - die TIERSCHUTZGESETZE müssen DURCHGESETZT werden!

  • #2

    Kein jäger, auch kein Gegner (Mittwoch, 17 Juni 2020 15:56)

    Ich finde es schade zu sehen, dass das ihr sog. Tierschützer euch mit der Jagd in DE beschäftigt, obwohl es deutlich grausamere Dinge gibt. Die Jäger die ich kenne, sind mehr Tierschützer als eigentlich angenommene (Todes-)Schützen.
    Die Akzeptanz bzw. diese ewige hetze gegen Dinge die man nicht versteht oder auch nicht verstehen will, geht mir gegen den Strich.
    Packt dort an, wo es wichtig ist!
    Ohne die Jagd, gäbe es keinen Wald in dieser Form! Macht die Augen auf

  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 16 Juni 2020 17:04)

    Was für ein reichhaltiger, streckenweise schockierender Artikel, der sehr viel über die Psyche eines Jägers aussagt, denn natürlich habe ich mich immer und immer wieder gefragt, was einen Menschen dazu bewegt, Freude am Töten zu haben. Ist der Jagdtrieb etwa ein archaisches Überbleibsel aus vergangener Zeit? Dieser Bericht hat mich darin bestärkt, dass das Töten von Tieren der Hobby-Jäger aus Spaß und „Passion“ etwas Primitives und Barbarisches ist, zu dem sich eine kleine militante Minderheit der Gesellschaft hingezogen fühlt. Ethisch entwickelte Naturfreunde machen aktiv schöne Erlebnisse in der Natur, ohne Wildtiere zu exekutieren, damit sie sich wohl fühlen. Keinem von denen käme es in den Sinn, dafür ein Opfer in der Form eines Lebewesens zu fordern, wie dies die Hobby-Jäger tun.