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Jagdethik

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Olivier Fiechter

09.11.2015

Rehe
(c) Olivier Fiechter Rehe

Jagdethik,

das ist ein relativ neuer Begriff , um das schießen auf Lebewesen etwas zu verbrämen. Neuerdings heißt es, die Jagd ist angewandter Tierschutz und dient u.a. der Biodiversität . Im nächsten Absatz wird erklärt, dass Arten und ihre Lebensräume erhalten werden sollen. Gleichzeitig sollen eingewanderten Arten sowie heimische Beutergreifer "reguliert " werden. ( hm, ich dachte ja, dass die Beutegreifer zum Regulieren da sind , aber was weiß ich schon )
Des Weiteren heißt es dort, dass die Jagd flächendeckend statt finden muss, ohne Rücksicht auf private Grundstücke. O Ton : " Die Erhaltung biologischer Vielfalt lässt vom Menschen gesteuerte, einseitige Entwicklung nicht zu. " ( Das kann man jetzt so oder so auslegen)
Weiter heißt es, " Pflanzen und Tiere sind Bestandteil der Schöpfung. Jagd bedeutet deshalb Respekt vor der lebenden Kreatur. " ( und ich Dummi dachte, Jagd bedeutet totschießen)
In einem anderen Artikel über Jagdethik wird geschrieben, man müsse kein Psychologe sein, um zu wissen, dass man,  um sein Ziel zu erreichen, tödliche Waffen einsetzten muss. Wenn "kill for cash" allerdings jagdliche Zukunft wird, sei das eine bedenkliche Entwicklung.  Der Artikelschreiber wünscht sich mehr Respekt und Empathie bei der Jagd. Ich allerdings glaube, dass empathische Menschen kein Gewehr anfassen.
Anderer Schauplatz, Jahreshauptversammlung der Jägervereinigung:  Gatterjagd, Fehlschüsse, Schießen mit Nachtsichtgerät seien indiskutabel, aber auch übertriebene Tierliebe. (Da ist es wieder, Tiere lieben und Tiere töten geht nun mal nicht zusammen )
So weit die Theorie, wie sieht es aber in der Praxis aus?
Vielerorts werden, Fasane eigens für die Gesellschaftsjagd gezüchtet und dann zum Abballern frei gelassen. Bei uns im Dorf werden Hunderte von Stockenten gezüchtet, für die Entenjagd im Herbst.
Die Frage nach der Ethik stelle ich hier mal lieber nicht.
Es ist seit Jahrhunderten üblich, fremde Tierarten auszusetzen, um die Palette des jagdbaren Wildes zu erweitern. Damhirsch, Mufflon, Fasan, Truthahn. Ob das mit "Biodiversität erhalten " gemeint ist? Ethisch ist es jedenfalls nicht.
Damit diese Tiere sich auch hübsch vermehren, werden Raubtiere, wie der Wolf und der Luchs eher nicht so gerne gesehen, ( und notfalls auch illegal abgeschossen oder  vergiftet )
Die Gesellschaftsjagd, ein Relikt aus dem Mittelalter hat für die Jäger nichts von ihrer Faszination verloren. Man möchte als bedeutend,  wenigstens aber als betucht gelten und dazu gehören. Dafür zahlt man auch gerne. Es geht nicht um Ethik und nicht um Erfordernis sondern nur um den Spaß am Jagen. Damit auch alle auf ihre Kosten kommen, selbst die Blindesten hat man mancherorts die Gatterjagd eingeführt.

Nun war viel über den Respekt des Lebens zu lesen, doch eher wenig davon im realen Jagdleben zu finden . Und als ob das nicht reichen würde, werden für Schießwütge Jagdreisen angeboten. Das in Deutschland renommierteste Unternehmen, K&K Premium Jagd z.B. fragt in seiner Broschüre Drückjagden betreffend :" Nennen Sie uns Ihre Wünsche und Termine und wir finden für Sie das passende Revier. " Hier macht sich hoffentlich niemand mehr Illusionen über die Jagdethik, hier geht es nur noch um den Spaß am Töten.
Es werden auch Jagdreisen auf Bären, Elche und Wölfe angeboten, in Kamtschatka, Rumänien, Alaska oder Kanada. Dazu Posen stolze Jäger mit ihrer toten Beute auf den Seiten des Unternehmens zu Werbezwecken.
Es werden ebenfalls Jagden auf Auerwild und Birkwild in Österreich offeriert,  obwohl diese Wildhühner eigentlich bedroht sind und unter Schutz stehen. Ethik? Biodiversität? Wohl eher nur das Vergnügen am totschießen.
Und immer wenn man denkt "schlimmer geht nimmer " muss ich enttäuschen "schlimmer geht immer" denn das kundenorientierte Unternehmen wirbt auch für Jagdreisen auf die "big five" (Löwen, Elefanten, Büffel,  Leopard, Großantilope ) in Tansania, Namibia, Simbabwe und Südafrika . "Aber auch Krokodil, Flusspferd, Tüpfelhyäne, und Warzenschwein gehören zur Palette bejagbarer Wildarten. "heißt es weiter im Werbetext von K&K Premium Jagd Reisen, dazu Fotos von glücklich strahlenden Jägerinnen und Jägern mit den erschossenen Tieren.
Man kann sich mit genügend Geld das Recht erkaufen geschützte oder auch symbolträchtige Tiere zu töten, wie jüngst  den Löwen Cecil. Irgendein Löwe oder irgendein Elefant genügt nicht,  es darf gerne der Größte und Schönste im Revier sein. Wer jetzt meint, der ehrliche deutsche Jäger, der nur die Erhaltung der Biodiversität im Sinn hat, würde mit diesen Sonntagsjägern und Trophäen Jägern nichts im Sinn haben, muss sich aber die Frage gefallen lassen, weshalb dann in deutschen Jagdzeitschriften, die zum einen über Ethik schwadronieren, auch Werbung für diese und andere Jagdreisen gemacht wird.
Falls Ihr, liebe Leser auch mal Lust habt Euch als Freunde der Jagd auszugeben, um an einer Jagdreise auf Großwild teilzunehmen, aber leider keinen Jagdschein habt, fragt doch mal bei dem Reiseanbieter nach. Ich hab es getan und man versicherte mir, dass sei nicht schlimm, in den meisten Ländern würden kaum Kontrollen stattfinden. Für einen kleinen Obolus könne man Kontrollen und Gesetzte auch leicht umgehen.

Hier könnt Ihr anfragen oder aber auch Eure persönliche Meinung kundtun.

http://www.premium-jagdreisen.de/index.php?cPath=4


K&K Premium Jagd GmbH,  Mettmanner Straße 25, D-40699 Erkrath


Tel.: +49 (0) 211 544 131 70


info@premiumjagd

Gemse
(c) Olivier Fiechter Gemse
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