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Eine Rechtfertigung

Text und Fotos: Gudrun Kaspareit

22.02.2018

Wildschwein
(c) Gudrun Kaspareit Wildschwein

Da dieses Thema ausgiebig und kontrovers in Politik und Medien diskutiert und vermutlich alles schon gesagt wurde, will ich nicht ebenfalls mit weiteren Fakten aufwarten. Allerdings möchte ich den ethischen Aspekt ein wenig mehr beleuchten. Ich finde an dieser speziellen „Treibjagd“ kann man sehr gut die schamlose Gesinnung der Lodenfraktion erkennen.

Obwohl man weiß, dass nicht die Wildschweine, sondern die Menschen für die Verbreitung der Seuche verantwortlich sind, denn ein krankes, hochfieberndes Schwein läuft keine langen Strecken mehr, und obwohl man weiß, dass eine hohe Abschusszahl gleichzeitig zu einer erhöhten Reproduktionsrate beim Schwein führt, ist man in der Jägerschaft einhellig der Meinung, man solle die Wildschweine mit allen Mitteln bekämpfen. Auch nachts mit Nachtsichtgeräten, auch Muttersauen, auch in der Schonzeit u.s.w. Das artet zu einem regelrechten Krieg gegen Wildschweine aus.Um die nötige Akzeptanz zu erlangen schürt man die Angst vor der Seuche in der Bevölkerung. Dabei ist diese Krankheit nicht auf den Menschen übertragbar, also für Menschen ungefährlich.

Die Mastschweine in den Tierfabriken, die durch diese Maßnahmen „geschützt“ werden sollen, würden sicher nicht von Wildschweinen angesteckt werden, denn in die Hochsicherheitstrakte aus Beton kann kein Wildschwein eindringen. Da geht die Gefahr eher von den Menschen aus, die z.B. mit nicht desinfizierten Gummistiefeln die Ställe betreten. Man will die Tiere auch nicht wirklich schützen, sondern nur die Investitionen, denn die Schweine werden ohnehin geschlachtet. Es geht also in keinster Weise darum Tiere zu schützen, man möchte nur vermeiden, dass man das Fleisch erkrankter Tiere nicht mehr verkaufen kann. Sollte die Seuche beim Mastvieh ausbrechen, müsste man alle Schweine töten, was einen hohen wirtschaftlichen Verlust zur Folge hätte. Es findet also ein Massentöten von gesunden Wildschweinen statt, um ein Massentöten des Mastviehs zu verhindern, jedenfalls bevor es die sog. Schlachtreife erlangt hat. Dieser ganze Aufwand dient dazu, eventuelle finanzielle Verluste einzuschränken oder, ich sage mal bösartig, um der Fleischlobby in den Anus zu kriechen. Dabei ist sattsam bekannt, dass ein zu hoher „Fleischgenuss“ zu Gesundheitsproblemen führt, wie Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Von den ganzen Umweltproblemen, die durch die Massentierhaltung entstehen, mal ganz zu schweigen.

Und die lieben Jäger, die den Nichtjägern bei jeder Gelegenheit ein Nichtverstehen der ökologischen Zusammenhänge unterstellen und die so stolz sind auf ihr grünes Abitur, tuten in das gleiche Horn, weil sie nun endlich mal ihr blutiges Hobby ohne lästige Beschränkungen, wie Gesetze und Vorschriften, ausleben können. All das ganze Gequatsche vom „edlen Waidwerk“, von Hege und Pflege, vom ökologischen Verständnis, nichts als Schall und Rauch.

Muttersauen mit Frischlingen
(c) Gudrun Kaspareit Muttersauen mit Frischlingen
Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Mittwoch, 07 März 2018 17:13)

    Wieviel schoener waere es, wenn die Jaeger sich singenderweise an der Jagd erfreuten. Meisterwerke in Miniatur von Schubert ,Schumann Brahms,oder musizierender- oder tanzenderweise waeren viele Werke der Barockzeit zu entdecken.

  • #1

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 01 März 2018 16:16)

    Bravo Gudrun! Du hast den Kern des Problems der irreführenden Propaganda, den fehlgeleiteten politischen Aktionismus genau getroffen! Statt der Hauptursachen wie intensivste Qualzucht und -haltung und transportbedingter Krankheitsverbreitung stehen die Wildschweine im Fokus, und Jäger sollen nun diese Bösewichte (ach wie schrecklich gern) eliminieren. Hierfür scheinen alle Mittel recht zu sein - bis zum Ignorieren des elementaren Tierschutzes. Aber letzteres sind wir ja schon aus der Massentierhaltung gewohnt...