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Wir müssen lernen mit dem Wolf zu leben

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Olivier Fiechter und Gudrun Kaspareit

23.03.2015

Wölfe
(c) Olivier Fiechter Wölfe

Inzwischen gibt es wieder an die 300 Wölfe in Deutschland. Sie sind nach und nach aus dem Osten eingewandert, haben inzwischen 31 Rudel gebildet und leben nun hier. Und ob es uns passt oder nicht, wir werden Koexistenz mit ihnen lernen müssen. Laut den Wolfsexperten vom Nabu wäre ausreichend Platz für die Wölfe, so dass man hypothetisch mit bis zu 200 Rudeln rechnen könnte.

Die Menschen müssen die alten Märchen vom bösen Wolf aus ihren Köpfen verbannen. Der Wolf ist ein Wildtier. Er lebt nach seinen Regeln. Er reißt Rehe, auch schon mal ein Schaf , wenn der Schäfer nicht aufpasst, aber er meidet den Menschen. Er kann mitten unter uns leben, dennoch wird ihn kaum jemand zu Gesicht bekommen. Wann immer er kann wird er sich unsichtbar machen.

Schafe und Ziegen gehören, anders als der Mensch zum Beuteschema des Wolfes. Doch sie können recht gut geschützt werden durch Stromzäune und Herdenschutzhunde, die noch dazu bezuschusst werden. Selbst in Sachsen, wo es die meisten Wölfe gibt, hört man kaum noch von Wolfsrissen, wenn die Haustiere mit Stromzäunen geschützt werden. "Die Höhe ist nicht entscheidend, weil Wölfe nicht springen wollen, sie wollen graben. Euronetzzäune kann man bodennah mit Strom versehen, so dass ein Wolf bei dem ersten Versuch, statt ein Reh mal ein Schaf zu reißen, einen kräftigen Schlag auf die Nase bekommt." So der Wolfsexperte Bathen vom Nabu.

Ein Nationales Kompetenzzentrum ist gefordert, welches die Bürger umfänglich über den Wolf aufklärt, sobald dieser ein neues Bundesland erobert, um den Menschen Angst und Unsicherheit zu nehmen. Derzeit findet in der Presse eine regelrechte Panikmache statt, nachdem immer häufiger von Wolfssichtungen in der Nähe menschlicher Siedlungen die Rede war. Aufklärung tut also dringend Not.

Hierzu gibt es auch ein wunderbar unaufgeregtes Interview von DEM Wolfsexperten Günther Bloch.

Er erklärt uns das Wesen der Wölfe, das so ganz anders ist, als ihr Image vom verschlagenen, blutrünstigen Untier, welches in den meisten Köpfen immer noch herum geistert. Der Wolf ist zwar neugierig, aber letztlich nicht interessiert an den Menschen und er ist ein Kulturfolger, der recht gut mit unserer Kulturlandschaft zurecht kommt, ähnlich wie der Fuchs. Dieses Interview bietet sehr interessante Einblicke und kann definitiv helfen, die Einstellung zum Wolf zu verbessern.


http://www.atn-ag.de/magazin/redaktionelles/woelfe-in-deutschland-werden-sie-zum-problem

Wolf
(c) Gudrun Kaspareit Wolf
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 02 April 2015 13:02)

    Ich hab nicht viel Hoffnung, das aus den Köpfen herauszukriegen. Die meisten Menschen WOLLEN auch gar nicht. Wolf = gefäääährlich. Basta. Und Teile der Jägerschaft freuen sich auf die Aussicht, mal ein neues Opfer vor die Flinte zu kriegen. So einen schrecklich gefährlichen Wolf zu erledigen ist ja imposanter als ein Feldhäschen. Hinzu kommt natürlich die Billigpresse und dementsprechende Boulevardmagazine im TV. DAS wird gelesen und gesehen von der Mehrheit und nicht aufklärerische Dokumentationen. Bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber rigoros die Linie des Wolfschutztes vertritt und eines Tages der Wolf so selbstverständlich dazugehört wie Reh, Fuchs und Hase. Viel Glück, Isegrim: Du bist eine willkommene Bereicherung.