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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

Ressourcen schonen, die Natur entlasten, Chancengleichheit fördern, das alles kann die Menstruationstasse Ruby Cup

Ihr wollt endlich ernst machen mit dem nachhaltigen Lebensstiel? Kein Plastik mehr, keine Naturzerstörung? Dann gibt es hier neue Produkte, welche Ihr auf Eure Liste setzen könnt.

Tropical Freaks

Die Kaffee-TrinkerInnen entscheiden darüber, ob die 100.000 km² Kaffee-Anbaufläche ein naturnaher Lebensraum für Kolibris und viele andere Tiere ist -- oder Monokultur, die ohne Rücksicht auf die Umwelt billigen Kaffee produziert.

Kanwan

Rettet den Naturwald im Naturschutzgebiet Rieseberg

Text: Karl-Friedrich Weber

Quelle: Waldwahrheit

Diese Widersprüche zwischen Lippenbekundungen und Wirklichkeit dürfen nicht verborgen bleiben.

Kahlschlag im Wald
(c) Karl Friedrich Weber

Die Niedersächsischen Landesforsten beginnen in einem Altbestand des Naturschutzgebietes Rieseberg im Forstamt Wolfenbüttel mit Holzeinschlag, nachdem Forstleute diesen Wald in vier Forsteinrichtungszeiträumen über fünfundvierzig Jahre lang von jedem Eingriff freigestellt haben - wegen seiner unberührten mystischen Schönheit und ökologischen Bedeutung.

Was sich im Rieseberg anbahnt, ist ein Desaster für die Glaubwürdigkeit des behördlichen Naturschutzes in Deutschland und den Verwaltern des öffentlichen Landeswaldes, den Niedersächsischen Landesforsten.
Noch während die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und das Bundesamt für Naturschutz die Ergebnisse ihrer bundesweiten Erfassung der nutzungsfreien Wälder vorgelegt haben, um daraus das bundesdeutsche Strategieziel nutzungsfreier öffentlicher Wälder auf zehn Prozent der Waldfläche zu entwickeln (hot-spot-Konzept), werden durch die Landesforsten systematisch Tatsachen geschaffen.
Wälder, die wie im Rieseberg seit Jahrzehnten nutzungsfrei sind, gehören selbst in Naturwaldreservaten zu den Seltenheiten.
Was geht in den Köpfen und Herzen von Forstbeamten vor, die Hand an derartige Waldjuwelen legen?
Wer kann es mit seinem ethischen Empfinden vereinbaren, auf jungfräulichen Waldböden zu beginnen, mit schweren Bringungsgeräten in unberührte Waldsysteme einzugreifen, um Brennholz zu produzieren? Denn darum geht es augenscheinlich.
Wer hat eigentlich eine Spur von Bewusstsein darüber, was er anzurichten beabsichtigt?
Weder gibt es eine waldbauliche, noch betriebswirtschaftliche Begründung.
Der Rieseberg ist FFH-Gebiet mit zahlreichen streng geschützten Tier- und Pflanzenarten und wegen seines Wertes als Lebensraum im ganzen Land bekannt.
Jahrzehntelang haben Naturschutzverbände und das Forstamt gemeinsam diesen Schatz gehütet. BUND und Stiftung Naturlandschaft haben außerhalb des Waldes große Flächen Ackerland erworben und zu artenreichen Mähweiden und Gebüschen entwickelt, um die Feld-Wald-Konfliktzone aufzuheben.
Bürger haben gespendet und sich ehrenamtlich eingesetzt. Dass die Hauptgefahr für den Erhaltungszustand dieses Gebiet von einer staatlichen Forstverwaltung ausgeht, hat sich niemand mehr vorstellen können. Der Rieseberg war zu einem Modellfall modernen Naturschutzverständnisses geworden.
Und es beweist sich einmal mehr:
Greenpeace hat Recht mit seinen mahnenden Aktionen, und Naturschutzverbände wie BUND und NABU fühlen sich in ihrem Bemühen um einen Dialog einmal mehr eines Besseren belehrt.
Die Bringungstrassen und die zu fällenden Bäume sind bereits markiert. Wird dieses Vorhaben nicht noch durch das Forstamt oder die Rechts- und Fachaufsicht abgewendet, werden die Verantwortlichen einen langen Folgeprozess in Kauf nehmen müssen.
Am Beispiel Rieseberg wird dann festgemacht werden, ob deutsches und europäisches Naturschutzrecht, politische Ziele der Bundesrepublik und internationale Verlässlichkeit Substanz haben oder sich als Farce erweisen.

Zitat aus der Internetseite der Niedersächsischen Landesforsten "Unternehmen Naturschutz": "In den Niedersächsischen Landesforsten findet Naturschutz auf allen Flächen statt."

gefällte Eichen
(c) Karl Friedrich Weber

Totholznutzung (stehende Alteichen) zu Brennholzzwecken in einem FFH- und Vogelschutzgebiet des Forstamtes Wolfenbüttel, Januar 2013. Das Stammholz wurde systematisch aus den Flächen gezogen, die stärkeren Teile des Kronenholzes an Selbstwerber abgegeben. Neue Feinerschließung durch Rückegassen im Abstand von 16 bis 20 m. diese Erschließung der letzten noch unbelasteten alten Waldflächen hat Methode. Gesetzlich geschützte Biotope und Flächen die von der Forsteinrichtung als Biotopsonderflächen aus der Nutzung genommen sind, werden ebenso Erschlossen und durch Großmaschinen zerfahren. Ein demnächst zu erwartender Runderlass des Umweltministeriums fordert ein Einvernehmen mit der zuständigen Naturschutzbehörde "bei der Neuanlage" von Rückegassen unter 40 m Abstand. Da müssen die Herren noch schnell vorher vollendete Tatsachen schaffen. Vom Rückbau des fast vollständig vorhandenen 20-m-Netzes auf 40 m ist in dem Erlassentwurf keine Rede.

Zitat aus der Internetseite der Niedersächsischen Landesforsten "Unternehmen Naturschutz": "Die Wälder der Landesforsten werden seit fast 300 Jahren nachhaltig bewirtschaftet. ... Aktuell sind übe

markierte Bäume
(c) Karl Friedrich Weber

Die Landesforsten haben korrekt informiert: Es handelt sich um eine Kulisse.

In einem FFH- und Vogelschutzgebiet des Forstamtes Wolfenbüttel

Kahlschlag vor der Hiebsreife von Eichen, Kiefern und Fichten auf 0,6 ha weit unter Zieldurchmesser. Maschinengang mit Schredder und Nivellierung des Standortes bis 25 cm Tiefe einschließlich der Stuken, Zerfahren von Nassgallen in der Fläche, Entzug der gesamten Biomasse einschließlich Feinreisig im Laub, Verbringen an den Forstweg.

Dort Belassen der nicht verwendbaren Feinstäste und Knospen unter Akkumulation der darin konzentrierten Nährstoffe in Wällen am Wegeseitenbereich. Begründung: Erhalt des Lebensraumyps Eichen-Hainbuchenwald.

Ein Managementplan existiert nicht. Die Naturschutzbehörde wurde nicht informiert.

Hierzu ein weiteres Zitat der NLF:

"Es gibt zwar ausgewiesene Natur-, Trinkwasser-, Landschafts- und Naturschutzgebiete, Europäische Schutzgebiete des Natura 2000-Netzes sowie eine Vielzahl von gesetzlich geschützten Biotopen. Das bedeutet aber nicht, dass außerhalb dieser Gebiete kein Naturschutz betrieben wird.

Im Gegenteil: Jeder Wald hat Orte, an denen besondere Pflanzen und Bäume wachsen oder seltene Tiere leben.

Aus diesem Grund setzen die Niedersächsischen Landesforsten nicht nur auf den Schutz in gesetzlich festgelegten Gebieten, sondern leisten mit der Umsetzung des Landesprogrammes zur Langfristigen ökologischen Waldentwicklung (LÖWE) auf ganzer Fläche einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Wald."

Mit freundlicher Genehmigung von Karl Friedrich Weber und Waldwahrheit

Kahlschlag
(c) Karl Friedrich Weber

Die Landtagswahl in Niedersachsen hat ein Ergebnis gebracht, dass den einen fröhlich und den anderen traurig stimmt. So läuft es nun einmal in einer Demokratie.
Die noch amtierenden Landwirtschaftsminister Lindemann und Umweltminister Birkner haben noch kurz vor der Wahl eine Verordnung und mehrere Runderlasse auf den Weg gebracht, die in einer Gesamt- und Einzelbetrachtung europarechtswidrig sind weil deren Auswirkungen den Erhaltungszustand der Natura 2000-Wälder drastisch verschlechtern würde.
Insbesondere die Landesfrosten erhalten durch den Runderlass "Schutz, Pflege und Entwicklung von Natura 2000-Gebieten im Landeswald" einen Freibrief; in einer Form, die für Beamte, die in Pflichten denken, unfassbar ist. Bisher ist dieses Erlasspaket noch nicht im Ministerialblatt veröffentlicht und damit in Kraft getreten.
Die Frage war und ist für viele Beobachter, ob das noch in Erwartung des baldigen Regierungswechsels geschehen werde.
Sie werden es tun.
Wo es um knallharte Interessen geht, gibt es weder fair play, noch Rechtstaatlichkeit. Es wird in Kauf genommen, dass die Folgeregierung diese Erlasslage nicht bestehen lassen kann und in rechtlich geeigneter Form korrigieren muss. Warum dann das alles noch? Die Frage erübrigt sich für mich inzwischen.
Wer so handelt, vorausgesetzt, es kommt tatsächlich so, verhält sich hochgradig staatsschädigend. So werden Demokratien von innen heraus zerstört - durch die Institutionen des Staates selbst.

Karl-Friedrich Weber

 

BUND-Pressemitteilung vom 31.01.2012

Klage mit Erfolg

Landesforsten werden BUND an Planungen beteiligen

 

In der heutigen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Hannover hat der BUND Niedersachsen aufgrund seiner Klage vom August 2012 erreicht, dass in Zukunft eine Verbandsbeteiligung bei den Erhaltungs- und Entwicklungsplänen für FFH-Gebiete im Deister gewährleistet wird.

Dr. Marita Wudtke, Leiterin Naturschutz/Umwelt des BUND Niedersachsen erklärt dazu:

„Damit sind wir einen wichtigen Schritt bei der Beteiligung an forstlichen Plänen weitergekommen. Mögliche Auswirkungen von forstlicher Nutzung auf die FFH-Gebiete können wir uns nun sehr genau ansehen und uns gezielt dafür einsetzen, dass keine

erheblichen Beeinträchtigungen für Natur und Umwelt stattfinden.“

Noch strittig ist allerdings die Übermittlung von Unterlagen aus dem so genannten Forstbetriebswerk, in dem zum Beispiel die Orte des Holzeinschlags oder der Standort besonders alter und damit wertvoller Bäume verzeichnet sind. Für eine ordnungsgemäße Beteiligung, wie sie die Landesforsten jetzt vornehmen wollen, sind die Unterlagen aus dem Forstbetriebswerk aber zwingend erforderlich.

 Wudtke: „Nähere Details zu den aus dem Betriebswerk erforderlichen Unterlagen werden in direkten Gesprächen mit der Forstverwaltung festgelegt werden. Der BUND Niedersachsen geht derzeit davon aus, dass es dauerhaft zu einer hinreichenden Information der Naturschutzverbände kommen wird.“

Sollten die Landesforsten diese wichtigen Unterlagen aber nicht beibringen, wird sich der BUND den rechtlichen Weg weiter offenhalten und auch in Zukunft als Anwalt von Natur und Umwelt für die natürliche Vielfalt in den niedersächsischen Wäldern streiten.

Geschlagenen Eichenstämme
(c) Karl Friedrich Weber

Aber bis es soweit ist, wurden erst mal Tatsachen geschaffen

Die Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher (AGR) bezweifelt die amtliche Holzstatistik und Biomassepotenziale.

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes betrage der Holzeinschlag 2011 in Deutschland über alle Holzarten 56 Mio. Kubikmeter. Die AGR schätzt dagegen den Einschlag auf mehr als 70 Mio. Kubikmeter. Damit wäre das jährlich in Deutschlands Wäldern nutzbare Rohholzpotenzial zu über 90% ausgeschöpft.

 

Das entspricht auch der Aussage des Sachverständigenrates für Umweltfragen bei der Bundesregierung.

 

Die AGR sieht deshalb im weiteren Ausbau der Biomassenutzung, wie von der Bundesregierung forciert, eine drastische Fehlentwicklung.

 

Bei der Zwischeninventur für den Zeitraum von 2002 bis 2008 wurde festgestellt, dass ca. 18% der Nadelholz-, 29% der Eichenholz- und 39% der tatsächlichen jährlichen Buchenholznutzung nicht in die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes einfließen. Allein 50% des Brennholzes dürften laut AGR von keiner Statistik erfasst werden.

 

Damit erhärtet sich die seit Jahren geäußerte Vermutung erfahrener Forstleute im praktischen Walddienst sowie von Naturschutzverbänden, dass die Angaben der Holzzuwächse und möglichen Nutzungspotenziale durch die Forstwirtschaft auf nicht haltbaren Zahlen fußen.

Schlimmstenfalls gleicht alles, was zurzeit an Nutzungsintensivierung in den vergangenen zehn Jahren geschehen ist, einem betriebswirtschaftlichen und nationalökonomischen Blindflug. Es wird sicher interessant werden, mit welchen Argumenten diese sich abzeichnende Fehleinschätzung durch die Verantwortlichen begründet werden wird.

 

gefällte Bäume
(c) Karl FriedrichWeber

Texte und Fotos von Karl Friedrich Weber. Herzlichen Dank für die freundliche Genehmigung, sie hier abdrucken zu dürfen!

Kommentare: 1
  • #1

    Schorsch (Freitag, 06 Juni 2014 14:04)

    "unberührten mystischen Schönheit"; "jungfräulichen Waldböden" ? Sagen Sie mal, Herr Weber, in diesem Bewusstseinszustand sollten Sie nicht Autofahren...