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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

Ressourcen schonen, die Natur entlasten, Chancengleichheit fördern, das alles kann die Menstruationstasse Ruby Cup

Ihr wollt endlich ernst machen mit dem nachhaltigen Lebensstiel? Kein Plastik mehr, keine Naturzerstörung? Dann gibt es hier neue Produkte, welche Ihr auf Eure Liste setzen könnt.

Tropical Freaks

Die Kaffee-TrinkerInnen entscheiden darüber, ob die 100.000 km² Kaffee-Anbaufläche ein naturnaher Lebensraum für Kolibris und viele andere Tiere ist -- oder Monokultur, die ohne Rücksicht auf die Umwelt billigen Kaffee produziert.

Kanwan

Die Elster

Karl-Friedrich sinniert über "seine" Elster im Speziellen und über das Leben im Allgemeinen

Junge Elster
(c) Karl-Friedrich Weber junge Elster

 

Die kleine Elster hat Hunger und sperrt, als ihre Mutter aufgeregt über sie hinwegfliegt. Natürlich weiß ich, dass sie nur deswegen fast flügge geworden ist, weil ihre Eltern fleißig Regenwürmer, aber auch Eier anderer Vögel und auch mal ein Junges ins überdachte Neste gebracht haben. Das muss so sein, weil es ihre elterliche Fürsorge ist.

 

Warum ist ihr Nest überdacht? Weil Elstern bevorzugte Beute von Habichten sind und sie sich deshalb nach oben schützen. 80% aller Jungelstern sterben im ersten Lebensjahr. Das ist so vorgesehen, genau so, wie ihr Nahrungsverhalten. Räuberische Elster. Nur wir Menschen werten so. Fast jeder will schon einmal gesehen haben, wie eine Elster ein Vogelnest mit Singvogeljungen ausgenommen hat. Wir bezeichnen das als Plündern. Warum belegen wir diesen natürlichen Vorgang mit einem so negativ besetzten Begriff? Weil wir voller Vorurteile stecken und voller Unwissenheit dazu ...

 

Nachmittags sehe ich die Jungelster am Zaun unseres Nachbarn. Ob sie die nächsten Stunden oder Tage überleben wird, ist ungewiss. Dann ist es auch so bestimmt. Elstern leben vorwiegend von ganz anderem als Jungvögel. Zum Beispiel Regenwürmer, die sie frühmorgens von den englischen Rasen ausgeräumter Gärten sammeln, wenn noch alles schläft. Die naturfernen Blaufichtenlandschaften unserer Siedlungen machen die Amsel zum häufigsten Vogel. Elstern nehmen deren Gelege gern mit, auch die der Ringeltauben - beide Vogelarten sind keineswegs bestandbedroht. Keine Vogelart ist durch Elstern bedroht, sondern vielmehr durch monotone Gärten und strukturarme Ackerlandschaften.

 

Warum also dieser Hass auf einen unserer schönsten und klügsten Vögel, der nirgends überhand nehmen kann und dessen Siedlungsdichte stets an das nachhaltige Nahrungsangebot angepasst ist. Warum wird auf Elstern geschossen, obwohl die Feldforschung längst bewiesen hat, dass sie bestens in unsere Ökosysteme eingefügt sind und ihre Bestände nicht wachsen? Ist es immer wieder der Glaube, dass ohne unsere Fummelei in der Natur nichts funktioniert?

Vielleicht ist es auch Eifersucht auf deren Intelligenz und die unterschwellige Erkenntnis, dass wir selbst oft so dumm sind. Vielleicht reden wir nur unhinterfragt nach, was andere Behaupten, weil es so schön einfach ist, Vorurteile zu haben und so schwer, sie zu kontrollieren oder gar zu überwinden.

 

Kleine Elster, ich mache mir Sorgen um Dich, weil Du gefressen zu werden drohst in Deiner Hilflosigkeit, von unserem Kater noch dazu. Da regt sich mein menschliches Sittengefühl, was ich mir auch nicht nehmen lasse, wenn andere meinen, das sei Natur. Natürlich ist das Natur, aber mir tut auch der kleine Singvogel leid, der dran glauben musste, damit du lebst. Und selbst der Regenwurm hat es eigentlich verdient zu leben und nicht von Deiner Mutter in die Länge gezerrt zu werden, bis er das Erdreich loslässt und die Mücke, die ich heute im Reflex totgeschlagen habe.

 

"Habt Ehrfurcht vor dem Leben, auch der kleinsten Kreatur", hat Albert Schweizer gesagt. Besser kann man es wohl nicht in Worte fassen, um was es geht.

 

Ist es nicht wunderbar, dass wir menschlich denken dürfen, auch wenn die natürlichen Abläufe das so nicht vorsehen. Aber vielleicht gibt es über die elterliche Fürsorge hinaus doch so etwas wie mitempfinden unter Tieren. Wer weiß das schon ... Wenn das ein Vorurteil ist, dürfen wir es gern pflegen.

 

Treffe ich die kleine Elster morgen früh lebend an, werde ich glücklich sein.

(Text und Foto Karl-Friedrich Weber)

 
Fraßspuren 8im Holz
(c) Karl-Friedrich Weber

Wir können es Waldschaden nennen. Das wäre der höchste anzunehmende Unsinn ... wir können es aber auch als einen natürlichen Vorgang erkennen - es kann aber auch einfach Kunst im Wald sein ... der Wald stirbt nicht an diesen Fraßgängen hinter einer Eichenrinde - sicher ist, er wird uns in unserem begrenzten Horizont überleben und für seine Begleiter Lebensbasis bleiben, auch wenn der letzte Helikopter seine Giftsprüherei ergebnislos abgebrochen hat ...
Text und Foto: Karl-Friedrich Weber

Kommentare: 2
  • #2

    RZ (Dienstag, 28 Februar 2017 18:15)

    Ein guter Beitrag!!!

  • #1

    Stern (Montag, 01 Juli 2013 09:59)

    schoener Text