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Nandus in Deutschland

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Sven Bieckhofe

11.11.2016

Nandus in Norddeutschland
(c) Sven Bieckhofe Nandus in Norddeutschland

 

In Deutschland gibt es tatsächlich wilde Nandus. Die südamerikanischen Strauße sind vor ca. 15 Jahren aus einer Zuchtanlage (Straußenfarm) in der Nähe von Lübeck (Groß Grönau) ausgebüxt und ließen sich nicht mehr einfangen, die schlauen Vögel. Wer will sich auch schon gerne zum Schlachten züchten lassen. Damals, ich erinnere mich noch, war die lokale Presse voll von Berichten der missglückten Einfangversuchen. Die Laufvögel ließen sich nicht wieder bekommen.

Inzwischen sind sie verwildert und haben sich gut vermehrt. Aus vier Hähnen und drei Hennen ist nun eine stabile Population von etwa 150 Tieren geworden. Sie leben östlich des Ratzeburger Sees und südlich der Autobahn 20. Sie überstehen sogar strenge Winter, brüten erfolgreich und expandieren nach Mecklenburg Vorpommern. Sie können gut schwimmen und haben problemlos die Wakenitz überquert. Sie rupfen friedlich Grünzeug und haben bisher keine nennenswerten Schäden angerichtet. Dennoch, Umweltschützer beäugen sie kritisch. Was, wenn sie sich noch weiter vermehren und sie dann dort im Naturschutzgebiet Wakenitz und Schalsee nicht nur pflanzliches ( 80 Prozent Rapsblätter, der Rest Mais, Beeren und Haselnüsse) fressen, sondern auch allerlei Kleintiere vertilgen? Zum Beispiel die seltene Blauflügeligen Ödlandschrecke, für die extra eine sehr teure Grünbrücke über die A 20 gebaut wurde. Die Herren Grünröcke stehen schon Gewehr bei Fuß und haben sich selbstlos erboten, das Problem zu lösen. Aber abschießen kommt derzeit nicht infrage. Und bis jetzt konnte man auch noch keine wirklichen Schäden durch die exotischen Vögel ausmachen. In Betracht kommen auch Maßnahmen zur Geburtenkontrolle, z.B. das Ausnehmen der Nester. Aber wer wollte das machen, der Straußenhahn, der für das Ausbrüten zuständig ist, kann schnell rennen und sehr kräftig treten. Er umwirbt mehrere Weibchen, die alle ihre Eier in ein Gemeinschaftsnest legen. .Dann gehen sie ihrer Wege. Der Vater ist dann für das Ausbrüten zuständig. Er beschützt die Eier und später die Küken, bis sie groß sind. Ich wünsche diesen Einwanderern, dass sie weiterhin unbehelligt und ohne Schaden anzurichten hier leben können. Schließlich hat sie die Dekadenz der Menschen, denen es nach exotischem Fleisch gelüstete, hierher gebracht.

Nandus in Norddeutschland
(c) Sven Bieckhofe Nandus in Norddeutschland

Bilderstrecke: Sven Bieckhofe

Kommentare: 2
  • #2

    Eva (Sonntag, 11 Dezember 2016 18:06)

    Wäre die Gier der Menschen nach immer neuen, abartigen "Fleischgenüssen", mit deren Verzehr man sich offensichtlich als innovativer Konsument darstellen möchte, hätte niemals ein Nandu europäischen Boden betreten. Nun müssen wir mit ihm leben, dürfen ihn nicht den Jägern überlassen, die - wie hier richtig beschrieben - immer und überall parat stehen, als sei Abschießen und Ausrotten die ultima ratio. Die "Umweltschäden", die evtl. durch diese Tiere angerichtet werden könnten, stehen wohl kaum im Verhältnis zu denen, die rund um die Nandus durch den Menschen angerichtet werden, ohne dass sie Erwähnung finden.

  • #1

    erika (Freitag, 02 Dezember 2016 07:50)

    Nur die Blaufluegelige Oedlandschrecke ist in Gefahr, gefressen zu werden. Ich vertraue der Anpassungsfaehigkeit dieser Insekten, dass sie sich vor Nandu-Gefahr zu retten lernen. Alles Andere laeuft gut, seit die Nandus blitzschnell entwichen. Ihre Schwimmkuenste werden ihnen weitere Gebiete erschliessen und Nahrung finden sie ueberall an den Blaettern von Raps und in Maisfeldern. Europa ist gross und grenzenlos.