Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Halsbandsittiche

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Sven Bieckhofe

11.11.2016

Halsbandsittich
(c) Sven Bieckhofe Halsbandsittich

 

Schon vor 2300 Jahren hat Alexander der Große Halsbandsittiche aus Asien nach Griechenland mitgebracht. Ich sah selbst große Scharen von ihnen bei meinem Besuch in der Türkei durch Istanbul fliegen. Aber auch in Paris, den größeren Städten von Belgien und den Niederlanden fliegen sie seit den 1930iger Jahren herum. In Deutschland wurden sie zum ersten Mal 1969 in Köln gesehen, vermutlich Ausbrecher aus dem Kölner Zoo. Heute leben ca. 85000 von ihnen in den Städten entlang des Rheins. Sie bevorzugen die Städte, weil das dortige Mikroklima ihnen hilft, den Winter zu überstehen. Sie besiedeln Parks und Friedhöfe, ziehen in großen Scharen herum, um Früchte zu finden und versammeln sich abends zu Tausenden in ihren Schlafbäumen, gerne große, alte Platanen. Halsbandsittiche sind Fruchtfresser, Höhlenbrüter, Kolonienbilder und da liegen auch schon die Probleme. Kritiker befürchten, dass sie einheimischen Höhlenbrütern den Brutraum nehmen. Ebenso glaubt man, dass sie als Futterkonkurrenten auftreten an den Beerensträuchern. Andere Menschen fürchten sich vor dem Vogelkot unter ihren Schlafbäumen oder vor dem lärmenden Gekrächze der Sittiche. Und schon wird wieder vom Ausrotten gesprochen. Sie nehmen Spechten, Kleibern und Fledermäusen den Wohnraum und richten in Obst und Weinplantagen große Fraßschäden an. In London gibt es inzwischen 30000 Sittiche und dort dürfen sie geschossen werden. Aber die Expertisen widersprechen sich, während die Einen die Vögel am liebsten vergiften würden, halten die Anderen sie für harmlos. Bisher sei nicht bewiesen, dass sie schädlich sind und andere Arten verdrängen. (Von anderen Neozoen kann dies nicht behauptet werden)

Wäre es nicht eine Option, um allen Höhlenbrütern gerecht zu werden, viel mehr Nistkästen und Fledermauskästen zu installieren? Ich kann mir vorstellen, das es viele kreativere Ideen gibt, als einfach nur umzubringen. Ich habe ohnehin schon häufig gedacht, dass es Pflicht werden müsste für JEDEN Hausbesitzer, ob Mietskaserne oder Eigenheim, dass genügend Nistmöglichkeiten für Schwalben, Mauersegler und Spatzen angebracht werden sollten. Ebenso wie jeder Park, jeder Friedhof und jeder kleine Stadtwald mit reichlich künstlichen Bruthöhlen ausgestattet werden müsste. Das würde nicht nur den Sittichen helfen, sondern auch Spechten, Fledermäusen, Gänsesägern und sogar den exotischen Mandarinenten, die ebenfalls Neozoen sind und Höhlenbrüter. Nun rächt es sich bitter, dass man jeden Habitatbaum und jedes stehende Totholz entfernt hat. Ich würde mir wünschen, dass die eher harmlosen Neubürger, eine Chance bekommen und etwas Hilfe, damit alle friedlich zusammen leben können.

 

Bilderstrecke: Sven Bieckhofe, Halsbandsittiche

Kommentare: 1
  • #1

    Eva (Sonntag, 11 Dezember 2016 18:05)

    Ich höre den Begriff „Plage“ im Zusammenhang mit Tieren sehr, sehr ungern, aber auch in Düsseldorf spricht man mittlerweile so. Sie bevölkern die Parks und Grünanlagen der Stadt, auch außerhalb sind sie überall zu sehen und vor allem zu hören. Besonders kurios ist: Wer zur Zeit der Abenddämmerung ausgerechnet unter den Platanen und Kastanien der ca. 1 km „Prachtmeile“ Königsallee entlang geht, fühlt sich wie im Dschungel. In den Bäumen sitzen Hunderte Halsbandsittiche, denn ausgerechnet an der Königsallee haben viele ihre Schlafplätze. Das sind nicht nur Tiere aus Düsseldorf, sondern aus der ganzen Region, auch die Sittiche aus Krefeld oder aus anderen Nachbarstädten kommen abends zur Königsallee. Es ist für manche Menschen fast schon beängstigend, wenn die Vögel abends einfallen, die Tiere machen in der Dämmerung so viel Krach, dass es schwer ist, eine normale Unterhaltung zu führen.
    Habe ich die Situation vor einigen Jahren noch interessiert und amüsiert betrachtet, sehe ich sie jetzt mit Besorgnis. Für die Tiere, denen Nahrung und Wohnraum durch die Sittiche genommen oder streitig gemacht werden, aber auch für die Sittiche selbst. Gudrun hat völlig recht, dass es nun ganz dringend am Menschen ist, dem Neubürger eine Chance zu geben, in Frieden mit den Alteingesessenen leben zu können: Am den Sittichen liegt es sicher nicht, wenn ihnen nur Überlebensraum gegeben wird.
    Übrigens: Dass es Sven geschafft hat, so schöne Fotos zu machen ist toll, denn sie haben ein Talent, sich hervorragend zu verbergen, man sieht sie kaum einmal aus der Nähe.