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Weshalb wir Haie brauchen

Text und Foto: Gudrun Kaspareit

25.03. 2016

Hai
(c) Gudrun Kaspareit

 

Seit 450 Millionen Jahren, regulieren die Haie das Gleichgewicht in den Meeren. Als Hauptprädatoren sind sie für die Ausgewogenheit in den Meeren verantwortlich. Sollten sie ausfallen, hat das katastrophale Folgen. Schon jetzt kann man das in Gebieten, wo die Haie dramatisch überfischt sind, beobachten.

Eine Studie aus den USA machte das Verschwinden der Haie für den Untergang der dort ansässigen Meeresfrüchteindustrie verantwortlich. Da die Haie fehlten, hatten sich die Kuhnasenrochen massiv vermehrt und diese fraßen die gesamten Jacobsmuschelbestände auf.

Eine andere Studie aus Belize bestätigte das Absterben ganzer Riffsysteme. Da die Haie fehlten und nicht mehr die Zackenbarsche fraßen, vermehrten sich diese und vertilgten alle Papageifische, die ihrerseits die Algen von den Korallen abgeweidet hätten. Da sie das nicht mehr taten, erstickten die Korallen. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie fragil die einzelnen Ökosysteme sind.

Das komplette Verlöschen der Haie könnte zum Kippen der Ozeane führen. Die Meere produzieren die größte Menge Sauerstoff, mehr als alle Wälder der Erde. Sie sind die größte Senke für CO2, sie regulieren das Klima und sie spenden einen großen Nahrungsvorrat in Form von Meerestieren. All das können sie, weil die Haie das empfindliche Gleichgewicht aufrecht erhalten.

Obwohl die Menschheit dies alles weiß, führt sie einen Vernichtungsfeldzug gegen Haie, u.a. der Flossen wegen. 11 Haiarten stehen unmittelbar vor dem Aussterben. 70 weitere Arten gelten als gefährdet. Bei vielen der untersuchten Haiarten wurde ein Rückgang um 50% festgestellt. Beim Hammerhai waren es sogar 90%. Die sich in den letzten 20 Jahren explosionsartig vergrößerte Fischereiindustrie wird dafür verantwortlich gemacht. Vor allem die Langleinenfischerei. Dazu kommt, dass die meisten Haiarten oft 30 Jahre brauchen, um zur Geschlechtsreife zu gelangen. Das heißt, Haie reproduzieren sich nur langsam. Bei einer jährlichen Menge von 200 Millionen gefangenen und getöteten Haien, wird klar, dass sie keine Chance haben zu überleben. Und so bescheinigen Wissenschaftler denn auch, dass die meisten der auf der roten Liste befindlichen Haiarten für immer aus den Meeren verschwinden werden. Die Haie werden gezielt für den Verzehr gejagt, hauptsächlich für den asiatischen Markt, (ca. 70 Millionen) doch der weitaus größere Teil endet elendig als Beifang in den Schleppnetzen oder an den milliardenfachen Haken der Langleinenfischerei.

In sehr vielen Meeresregionen sind die Haibestände dramatisch eingebrochen.

Hai
(c) Gudrun Kaspareit
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 02 April 2016 10:15)

    Dass alle der mehr als 500 Arten Haie für das Gleichgewicht der Meere wichtig sind (so wie auch alle anderen Bewohner ihren ganz besonderen Sinn haben) war mir schon irgendwie klar, aber dass sie eine so große Rolle spielen, dass ihr Aussterben bzw. besser ihre Ausrottung zum Kippen der Ozeane führen würde, habe ich erst durch diesen Artikel gelernt. Ist es nicht dasselbe Drama, das sich auch an Land und in der Luft abspielt? Der Mensch zerstört um des vermeintlich eigenen Nutzen wegen die Systeme, die so fein aufeinander abgestimmt sind, und vergisst dabei, dass auch er ein Teil dieses Systems ist und sich längerfristig dabei selbst zerstört.