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Keine feste Fehmarnbelt Querung

Text und Fotos: Gudrun Kaspareit

14.09.2016

Blaue Kreuze gegen die feste Beltquerung.

 

Der Fehmarnbelt ist die kürzeste Verbindung zwischen Deutschland (Insel Fehmarn in Ostholstein) und Dänemark (Insel Lolland)

Deshalb dachte man schon länger über eine feste Beltquerung nach. Tunnel oder Brücke. Der Bauherr Dänemark, präferierte den Tunnel. Diese Beltquerung wird die natürliche Fortsetzung der Vogelfluglinie sein, der schon die Brücke über den Fehmarnsund folgt. (Verbindung von Festland und Insel Fehmarn.) Dänemark übernimmt die überwiegenden Baukosten, Dänemark wird auch am meisten vom verstärkten Handel profitieren und wird seinen Tunnel durch Mautgebühren refinanzieren. Die Mautgebühren dürften höher sein,als die derzeitige Schiffspassage.

Durch die EU-Osterweiterung stieg der Verkehrsstrom im Ostseeraum deutlich an. Als jährliches Wirtschaftswachstum in der Ostseeregion werden vier bis sechs Prozent prognostiziert.. Der Fährbetrieb ist jetzt schon zeitweise an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Zur Hauptreisezeit im Sommer reicht der Rückstau vom Fähranleger Puttgarden bis auf das Festland zurück, mit Wartezeiten von über fünf Stunden.

Auch Schweden drängt seit langem auf eine feste Verbindung, da es sich eine bessere wirtschasftliche Situation erhofft.

Die schleswig-holsteinische Landesregierung hatte sich ebenfalls für eine feste Beltquerung ausgesprochen. Doch der Tourismusverband fürchtet Einbußen. Fehmarns Haupteinnahmequelle ist der Tourismus und der würde durch eine starke Verkehrslage vermutlich leiden.

Auch Umweltverbände melden Bedenken an, der Fehmarnbelt ist einer der wichtigsten Bereiche für den Austausch des Wassers zwischen Nord- und Ostsee . Man hofft, dass die Arbeiten und der Tunnel nicht die Strömungen beeinträchtigen werden.

Während der siebenjährigen Bauphase gibt es nicht zu unterschätzende Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt, unter anderem durch Sedimentaufwirbelungen oder Unterwasserlärm im Zuge der Ausbaggerung des Tunnelgrabens. Untersuchungen haben ergeben, dass Schweinswale ein Baugebiet bis zu zwei Jahre nach Bauende meiden.

Ein ganz großes Thema ist auch die Hinterlandanbindung. Um den erhofften vermehrten Güterverkehr aufnehmen zu können, müssten neue Bahntrassen gebaut werden. Diese würden vermutlich parallel zur Autobahn verlaufen und die Landschaft zerschneiden, durch sehr lange Wartezeiten an den Übergängen. Je nachdem, wie sie verläuft würde sie Höfe, Äcker oder Dörfer trennen, sie würde den Tourismus vom Meer abschneiden und sämtliche Anrainer sind auf das höchste besorgt. Der geplante Ausbau von Bahn und Straße zwischen Puttgarden und Lübeck führt durch teils dicht besiedeltes Gebiet mit einer vielfältigen touristischen Infrastruktur.

Die bestehenden Gleise sollen teilweise zurückgebaut werden. Damit verlören die Bahnhöfe an den Badeorten ihre Verkehrsanbindung an die Bahn. (Bisher fahren die Regionalzüge im Stundentakt zwischen Neustadt und Lübeck)

Auch die gute alte Fehmarnsund Brücke, das Wahrzeichen Fehmarns, müsste als zukünftiges Nadelöhr einem Neubau weichen.

Deshalb und wegen der Risiken für die Umwelt, hat sich auf deutscher Seite ein „Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung“ gegründet und hat im Falle einer Baugenehmigung – die bis dato (Stand: 11. August 2015) auf deutscher Seite – noch nicht erteilt wurde, Klagen angekündigt. Die Kritik am Tunnel betrifft hauptsächlich folgende Aspekte:

Gefahren für die Umwelt:

Das Aktionsbündnis gegen den Tunnel sieht die marine Ökologie durch Baggerarbeiten beeinträchtigt, sollte es zu ausgedehnten Sedimentfahnen durch die Ostsee kommen

Gefährdung der Ostseeküsten:

Eintrübung vor allem im Bereich Fischland-Darß

Havarierisiken:

Umweltkatastrophe bei einem möglichen Zusammenstoß eines vollbeladenen Öltankers mit schwimmend bereitgehaltenen Tunnelsegmenten

Rechtliche Mängel:

Klagen vom Aktionsbündnis und BUND bei der EU-Kommission, weil sie das Naturschutzrecht verletzt sehen.

Auch der NABU zeigt sich sehr besorgt. Der Fehmarnbelt ist eines der drei wichtigsten Schweinswalgebiete in der Ostsee. Durch die Baugrunduntersuchungen würden die Schweinswale aus diesem Gebiet vertrieben werden. Besonders betroffen sind die hier häufig nachgewiesenen Weibchen mit ihren Jungtieren. Wissenschaftler des dänischen Umweltforschungsinstituts NERI haben das Gebiet um den Fehmarnbelt erst vor kurzem als ganzjährig wichtigen Schweinswal-Lebensraum identifiziert. Der Belt ist demnach eines der drei wichtigsten Schweinswalgebiete in Deutschland und erfüllt zudem eine zentrale Korridorfunktion zwischen den im Bestand stark zurückgehenden westlichen und dem fast ausgestorbenen östlichen Schweinswalvorkommen. Wird das Gebiet über einen langen Zeitraum erheblich mit Lärm belastet, geraten junge Schweinswalkälber in Gefahr. Durch die Arbeiten wird das FFH-Gebiet "Fehmarnbelt", dessen wertgebende Art der Schweinswal ist, beeinträchtigt. In Meeresschutzgebieten sollten nach Ansicht des NABU lärmintensive Eingriffe grundsätzlich verboten werden.

Für Rückfragen steht Ingo Ludwichowski gerne zur Verfügung.

 

Rückfragen:

Ingo Ludwichowski, NABU Schleswig-Holstein, Tel. 0160-96230512

 

Schweinswal
Von AVampireTear - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3935343

 

Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt Querung

 

Was zunächst als Bürgerinitiative begann ist heute ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die feste Beltquerung zu verhindern und die Proteste auf eine solide rechtliche Grundlage zu stellen. Bürger aus ganz Deutschland können beitreten und sich den Protesten anschließen.

„Falls Sie uns unterstützen möchten und bei uns Mitglied werden wollen, finden Sie hier unsere Satzung und unser Anmeldeformular für den Vereinsbeitritt“

 

http://www.beltquerung.info/index.php?id=36

 

 Folgende Organisationen unterstützen den Verein Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung:

 

• Naturschutzbund Deutschland (NABU)

 

• Wasservogelreservat Wallnau

 

• Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

 

• Landesnaturschutzverband (LNV)

 

• Inselnaturschutzring Fehmarn (INR)

 

• Nautischer Verein Vogelfluglinie

 

• Gewerkschaft Transnet

 

• Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschland (GdED)

 

• Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG)

 

• Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Ostholstein (Ver.di)

 

• Verkehrsclub Deutschland, Schleswig Holstein (VCD)

 

• DIE LINKE, Kreisverband Ostholstein

 

• Bündnis 90 / Die Grünen, Kreisverband Ostholstein

 

• Sozialdemokratische Partei Deutschland, Ortsverein Fehmarn (SPD)

 

• Sozialdemokratische Partei Deutschland, Ortsverein Timmendorfer Strand

 

• Bürger für Fehmarn (BfF)

 

• Bürger für Großenbrode (BfG)

Es sind bis jetzt schon mehr als 4000 Kreuze angebracht worden

Stellungnahme einer betroffenen Anwohnerin der Region,

Betina Kaspareit

am 03.10.2018

 

Liebe Naturfreunde!
Heute möchte ich noch mal Stellung nehmen zu dem sehr
fragwürdigen Großprojekt direkt vor meiner Haustür.
Am 3. Sept. 2008  wurde ein Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark geschlossen, der die feste
Beltquerung zum Inhalt hat. Man entschied  sich für einen Tunnel von der Insel Lolland bis zum deutschen Fährhafen Puttgarden.
Für sage und schreibe 45 Min. Zeitersparnis gegenüber des Fährbetriebes sollen:
- 11,5 Milliarden Euro ausgegeben werden
- der Ostseeboden auf 18 km aufgerissen werden
- das Naturschutzgebiet "Fehmarnbelt" gefährdet werden
- unabsehbare Risiken in Kauf genommen werden (Gefahren durch starken Schiffsverkehr auf dieser
  Wassserstraße)
- das Hinterland durch eine neue Bahntrasse zerschnitten werden
Warum Deutschland diesem Vertrag zugestimmt hat,erschließt sich mir nicht. Seit mehr als 50 Jahren gibt es einen Fährbetrieb auf dieser Strecke, mit inzwischen klima- und umweltfreundlichen Hybridfähren
(dort sind 600 Menschen beschäftigt). Die gesamte Urlaubsregion Ostholstein wäre durch die Bahntrasse entwertet, über die dann Tag und Nacht endlose Güterzüge rollen sollen, die es hier seit Jahrzehnten
nicht gab.
Für den skandinavischen Schwerlastverkehr ist Deutschland ein Transitland in den Süden, da zählt vermutlich jede Minute.
Aber was haben wir davon?
Ich hörte den damaligen Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz  einst sagen, dass diese Beltquerung einen wirtschaftlichen Vorteil für die Stadt bringen würde, allein schon durch die steigenden ouristenzahlen.
Dass dieser Mann gelegentlich irrt, zeigte der G 20 - Gipfel (...ist nicht mehr als ein Hafengeburtstag).
Der Rücktritt von diesem Vertrag ist noch möglich. Siehe hierzu die Petition der Beltretter
www.beltretter.de, die ich wärmstens empfehle.
Danke an die Beltretter, von denen ich hier etliche Fakten übernommen habe.
Liebe Grüße Betina Kaspareit

 

Kommentare: 4
  • #4

    Eva Schmelzer (Mittwoch, 17 Oktober 2018 11:25)

    Dass es vernünftige Straßen-, Brücken- und Zugverbindungen geben muss bestreitet wohl niemand. Aber ich verstehe nicht, dass immer nur die Zeitersparnis der Benutzer Priorität haben soll, bei manchen Projekten geht es ja nur um Viertelstunden, auch wenn der Puttgarden-Fährberieb zu Stoßzeiten einmal länger ist. Dafür aber Landschaften zu zerstören und in diesem Fall zusätzlich weite Meeresgebiete, steht in keinem Verhältnis. Auch der eilige Bundesbürger und Tourist muss Abstriche machen zum Erhalt.
    Danke für diesen ausführlichen alles zusammenfassenden Artikel, der alle Probleme der festen Beltquerung aufzeigt.

  • #3

    Tina (Freitag, 30 September 2016 22:27)

    Kleine Ergänzung: Bahn-Güterverkehr findet eben nicht über die Fährschiffe von Puttgarden statt. Nur zwei Personenzüge werden verschifft.
    Deshalb ist es ja so schön ruhig in den Badeorten. Erst mit dem Tunnelbau würden die Güterzüge kommen, weshalb eine neue
    Bahntrasse gebaut werden müsste!
    Soweit ich weiß haben die "Beltretter" wwwbeltretter.de das blaue Kreuz ins Leben gerufen. Danke für den Beitrag.

  • #2

    Eva Schmelzer (Sonntag, 04 September 2016 14:47)

    Spontan würde ich sagen, dass Wirtschaftsinteressen wie fast immer und überall auch hier im Vordergrund stehen, unter denen Natur- bzw. Tierwelt wie immer und überall leiden. Da jedoch in diesem Fall Dänemark und Schweden die Hauptprofiteure sind, und andererseits sogar Nachteile für den Tourismus in diesem Gebiet auf deutscher Seite entstehen würden, wäre es immerhin möglich, dass die Schleswig-Holsteinische Regierung, trotz anfänglicher Befürwortung für eine feste Beltquerung, umschwenkt. Auch das gestiegene Umweltbewusstsein in der Bevölkerung (blaue Kreuze) setzt ein Zeichen und nicht zuletzt ist es heute dank der zahlreichen Organisationen, die weit mehr tun als Petitionen zu sammeln, zumindest in den Bereich des Möglichen gerückt, dass das Projekt doch noch aufgegeben wird. Und es werden sich in den Reihen der EU auch wohl kaum Gegenargumente finden lassen, wenn das Naturschutzrecht verletzt wird, wie es der BUND sieht.

  • #1

    Erika (Freitag, 02 September 2016 15:24)

    Ich fand das symbolische Aufstellen von 'Blauen Kreuzen' hoch interessant. Jeder kennt das 'Rote Kreuz', das 'Blaue Kreuz' dagegen wurde 1877 in der Schweiz von Louis-Lucien Bochat gegruendet. 1885 kam die deutsche Abstinenz Bewegung durch Arnold Bovet im christlichen Sinne hinzu. Alkoholsuechtige Menschen galt es zu bekehren katholisch waren es 'Guttempler'.
    Im Fall des Fehmarn-Belt Mega Projektes aber wuerden (mit einer deutschen Genehmigung, die es nicht gibt), 600 Arbeitsplaetze fehlen. Man installierte Rahmen vo der Sundbruecke, um auf Holsteins Schoenheit hinzuweisen und, um die Sundbruecke noch beruehmter zu machen. Es stellte den Verlust der Heimat von Holstein als wichtiges Gegengewicht heraus und verwies auf den untragbaren Tourismus Verfall.
    Noch haelt Daenemark daran fest.aber die Kostenberggrenze ist ebenso illusorisch wie der Baubeginn. Es gibt keine deutsche Baugenehmigung, kein gruenes Licht und der Widerstand mit Hilfe blauer Kreuze waechst staendig.