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Ein Tag im Meer

Text und Fotos: Yasmin Kaspareit

Yasmin´s Reiseblog https://www.facebook.com/ReistDurchDieWelt/

04.06.2018

Manta
(c) Yasmin Kaspareitr Mantarochen

 

Jana und ich charterten uns ein Boot von einer Tauchschule, weil wir unabhängig von anderen Besuchern und Reisegruppen einen Tag auf dem Meer verbringen wollten. Insbesondere wollten wir uns die wahnsinns Küste und atemberaubenden Steilufer von Nusa Penida auch nochmal von unten anschauen. Mit dabei waren der Transport von und zur Unterkunft,der Bootsführer, der Guide für´s Wasser, Schnorchelequipment, frisches Wasser, Handtücher und eine GoPro, die zwar nicht voll geladen war, aber immerhin konnten wir sie nutzen. Wir haben hart gehandelt und haben das ganze Paket für knapp 90€ bekommen.
Morgens um 7:30 Uhr wurden wir abgeholt, tranken noch einen Kaffee, warteten auf das Laden der GoPro und ca 1 Stunde später ging es dann auf´s Boot von der Nord- Richtung Südwestküste. Bestes Wetter, angenehmer Wind und viel Glück mit dem Wellengang – das alleine war schon toll. Wir fuhren zunächst mit Vollspeed bis zum Felsen, der aussieht wie ein Ring, und schipperten von dort langsam an den riesigen Steilküsten entlang zurück. Der nächste Punkt war Kelingking, der Felsen, der aussieht wie ein kleiner Finger (jedenfalls behaupten das die Einheimischen). Da die Wellen sich tatsächlich heute zu unserem riesen Glück zurückhielten, konnten wir in die Bucht hineinfahren und von dort an den weißen Traumstrand schwimmen. Vom Boot aus sahen wir die ersten Mantarochen, unsere Guides zeigten sie uns. Das Wasser war kristallklar, so dass es sehr flach aussah und ich dreimal fragte, ob es wirklich tief genug sei um rein zu springen. Es war tief genug. Und frisch. Und einfach perfekt. Kein Müll wie vorher als Horrosszenario im Internet gesehen. Nichts anderes als Wasser. Es war ein Genuss. Schnorcheln lohnte sich hier nicht, es gab gar nichts zu sehen, und direkt nach den Felsen fing der weiße Sand an, der das Wasser so herrlich türkis färbte. Jana war vor mir am Strand von Kelingking und obwohl die Wellen heute sehr zahm waren wurde sie am letzten Stück herumgewirbelt und untergespült und kam mit einer Sandpanade am Strand an. Ich musste so lachen und blieb vorsichtshalber im Wasser. Besonders lustig war, wie sie wieder ins Meer kam ohne noch einmal so herumgewirbelt zu werden: Sie suchte sich den günstigsten Zeitpunkt und rannte dann wie von der Tarantel gestochen hinein. Mit Erfolg. Wir schwammen zurück zum Boot und fuhren dann ein Stückchen weiter. Am Manta Point hielten wir an. Dort waren bereits 3 oder 4 Boote mit kleinen Schnorchelgruppen und man konnte die riesigen Mantas unter und um sie herum schwimmen sehen. Natürlich stürzten sich alle wie verrückt auf die Rochen, schwammen ihnen hinterher und machten Fotos, viele fassten die Tiere auch an. Die Mantas schien das nicht im geringsten zu stören, sie zogen unbeirrt ihre Bahnen und hielten auch mit einer Seelenruhe auf die bizarren Schwimmergruppen zu. Allerdings fand unser Kapitän es nicht so geil, dass alle Leute die Fische antatschen wollten und so rief er ziemlich böse den anderen Bootsführern zu, dass sie gefälligst ihre Gruppen im Zaum halten sollen! Fand ich klasse. Und dann sprang ich in die Fluten. Und war in einer anderen Welt. Ich hielt mich immer ein wenig abseits von den hysterischen Idioten, die wie wahnsinnig versuchten, den Mantas hinterher zu schwimmen – was sie eh nicht schafften – und wurde mit immer wieder vorbeiziehenden Riesen belohnt. Es waren 2 Tiere, die hier ihre Bahnen zogen. Weit geöffnete Mäuler, schwarze Schwingen, weiße Bäuche. Sie schienen durchs Wasser zu fliegen; ruhig, gemütlich, mit aller Zeit dieser Welt im Hier und Jetzt, sich nicht stören und beirren lassend. Das Meer war auch hier klar und sauber, kein Müll, nur hier und da etwas Seegras. Meine GoPro klickte und klickte. Nach und nach mussten die Gruppen aus dem Wasser und fuhren weg, auch Jana war schon wieder im Boot, nur unser Guide und ich schnorchelten noch dort herum. Und dann kamen sie wieder, die Mantas, hielten abwechselnd direkt auf mich zu, denn auch sie waren gerne ganz nah unter der Wasseroberfläche. Es sind die Momentaufnahmen, die ich nie wieder vergessen werde: Das große Maul und die schwarzen Augen, mit denen er mich direkt ansieht. Das unbeirrte Draufzuhalten. Die Größe dieses Giganten. Das kleine mulmige Gefühl...was würde passieren? Er ist direkt vor mir, Nase an Nase. Im letzten Moment taucht er gelassen unter mir hindurch, so dicht, dass er mich fast berührt. Ganz flach bleibe ich beinahe reglos unter der Wasseroberfläche und bewege mich erst wieder, als er unter mir hindurch ist.
Dieses unglaubliche Szenario wiederholte sich mit den beiden mehrere Male. Ich bekam nicht genug davon. Die Mantas und ich und das Meer. Es war atemberaubend, es war unglaublich, es war magisch. Irgendwann kletterte ich aus dem Wasser, begeistert wie ein Kind mit leuchtenden Augen.
Wir fuhren langsam zum nächsten Punkt, der Crystal Bay. Verdienter Name, denn das Wasser war hier noch klarer und ein wenig frischer. Da die GoPro nicht mehr ganz so viel Akku hatte ließ ich sie im Boot. Wie blöd. Ich schnorchelte so vor mich hin, als unser Guide uns auf eine Schildkröte aufmerksam machte. Sie schwamm gemütlich herum, biss hier und da etwas vom Felsen ab, ließ sich ganz entspannt von der Brandung hin und her wabern und wann immer die Meeresströmung ihr die Unterstützung gab, machte sie einen kräftigen Zug nach vorn. Jana wohnte dem Spektakel nur kurz bei, ich aber folgte der großen Schildkröte fasziniert. Zwischendurch schnorchelten zwei Typen heran, ich glaube, Vater und Sohn, DIE hatten eine Kamera mit und fotografierten fleißig. Allerdings musste der eine unbedingt die Schildkröte anticken, was diese ziemlich doof fand und ganz schön flott vorwärts schwamm. War direkt anstrengend hinterher zu kommen. Schließlich ließ sie sich wieder treiben. Inzwischen waren die anderen beiden auch wieder weg und ich war mit der Schildkröte alleine unterwegs. Wann sie wohl endlich Luft holen würde? Ich glaube, so nach 20 Minuten hielt sie dann ihren Kopf über Wasser, atmete, tauchte kurz unter um kurz darauf noch einmal richtig Luft zu holen und sank dann wieder auf Fresshöhe zu den Felsen der Bucht ab. Es war so toll! Da das Wasser so klar war, konnte ich jede Einzelheit der Schildi erkennen. Es wären mega coole Fotos geworden... Aber so schwimmt sie eben in meinen Erinnerungen weiter durch die Crystal Bay.
Weiter ging es zum buddhistischen Unterwassertempel. Schon von Weitem sah ich all die bunten Schwimmwesten und viele Leute, die sich mit dem Gesicht im Wasser an einer merkwürdigen Konstruktion festhielten. Ich musste grinsen und fand das albern...aber bekanntlich soll man ja nicht voreilig urteilen. Wir sprangen mit unserem Guide ins Wasser und der Fahrer fuhr das Boot schonmal woanders hin. Der Wassertempel war von Seilen umzäunt. Wir tauchten drunter hinweg und schwammen über dem Tempel. Sah cool, war aber gar nicht so spektakulär. Jana wollte dann gerne, dass ich Fotos von ihr und dem versunkenen Buddha mache, deshalb schwammen wir zurück. Wir versuchten es. Wir mühten uns ab. Wir hatten nicht mitbekommen, wie stark die Strömung hier war. Ich schnorchel im übrigen nicht mit Flossen, ich mag Flossen nicht und fühle mich agiler ohne. Ich hätte mir an dieser Stelle allerdings Flossen gewünscht. Die Strömung dort war so krass, dass wir tatsächlich mit aller Kraft gerade mal auf der Stelle schwammen. Wir legten uns so ins Zeug, dass wir nach einer gefühlten Ewigkeit keuchend an dem Seil ankamen, dass dem Buddha am nähsten war. Mittlerweile lachte ich auch nicht mehr über die Schwimmwestenleute. Mit einer Hand bediente ich die Kamera, mit der anderen hielt ich mich fest. Jana tauchte auf 3 ab, ich klickte los, und dann hatte sie die Strömung auch schon wieder viel zu weit weggezogen. Einen derartigen Sog habe ich noch nie im Meer erlebt. Ich ließ das Seil los und ließ mich einfach treiben. Ruckizucki kam ich auf der anderen Seite an einem Seil an, hielt mich auch dort wieder fest und schoss noch ein paar Fotos. Mir wurde dabei fast mein Arm ausgerissen! Es war eine sehr interessante Erfahrung, mit was für Kräften man es im Meer zu tun bekommen kann.
Schließlich fuhren wir weiter. Unser Bootsführer entdeckte einen Schwarm riesiger Fische. Giant Trevallys, Dickkopf-Stachelmakrelen. Er fragte, ob wir ins Wasser wollten. Ja logo! Jana nicht, die hatte genug, aber ich verschwand wieder im Blau und war echt erstaunt, was für Brocken sich da im Meer herumtummelten. Wenn man sonst immer mit tropisch kleinen und bunten Fischchen im Wasser ist und einen aufeinmal ein ganzer Schwarm schwarzer Riesen umgibt, dann ist das auf jeden Fall ein kleines bisschen respekteinflössend. Im Gegensatz zu den Mantas hatten die hier Zähne. Ich habe nachgelesen: Dickkopf-Stachelmakrelen werden bis zu 170cm lang und bis zu 80kg schwer. Es war auf jeden Fall ein mega Erlebnis.
Schließlich und endlich fuhren wir wieder zurück. Am Diving Center angekommen bekamen wir sogar noch ein warmes Mittagessen und man zog uns die Bilder der Kamera auf einen Stick. Es war der Tag meines Lebens! Es war unglaublich faszinierend und vielfältig, es war sonnig und schön und perfekt. Es war schlichtweg wie in einem Traum, nur viel viel besser. Was uns unsere Erde an Schönheiten bietet ist mit Dankbarkeit eigentlich gar nicht aufzuwiegen. Und so sage ich mehr denn je: Lasst uns unsere Erde erhalten, lasst uns ihr mit Respekt und Liebe begegnen und lasst uns im Einklang mit ihr Leben. Es lohnt sich 

 

Einfach die Bilder betrachten und genießen

Alle Fotos Yasmin Kaspareit

Kommentare: 4
  • #4

    Eva Schmelzer (Sonntag, 15 Juli 2018 18:12)

    ... und ich lese solche Erlebnisberichte unheimlich gern und wegen Autoren wie dir gleich nochmal mehr ;)
    Danke Yasmin für deine lieben Worte

  • #3

    Erika (Mittwoch, 27 Juni 2018 08:03)

    Ein so persoenlich geschriebener Artikel ueber Euren unvergesslichen Tag, ist etwas Besonderes. Mein einziger Zugang zu Meeresbewohnern ist, dass ich sie in Scherenschnitten festhalte.So sind mir die Mantas voellig vertraut. Ihre wundervollen langsamen Bewegungen, wie 'durchs Meer fliegend' und die Schildkroete,welche auf geeignete Meeresstroemungn wartet,um vorwaerts zu kommen, hast Du,liebe Jasmin, fantastisch beschrieben. Das Erleben der fast hautnahen grossen Kreaturen wird weiterhin Dein Leben bereichern. Sicherlich war es schwieriger, die gewaltigen 170cm langen und 80 kg schweren Giant Trevally in einem Schwarm nah zu erleben, aber auch diese, mit Stacheln und Zaehnen bewappneten Fische, hinterliessen gewaltige Eindruecke. Ich wuensche Euch viele weitere wertvolle Exkursionen unter Wasser und bedanke mich fuer die grossartigen Photographien.

  • #2

    Yasmin (Freitag, 22 Juni 2018 09:46)

    Liebe Eva, wie wunderbar ich deinen Kommentar finde. Ganz lieben Dank für's Lesen, für's Verstehen und für deine Freude an den Worten und Ereignissen ❤ Ich schreibe unheimlich gerne, und wegen Lesern wie dir gleich nochmal mehr. Deine Worte und Reaktionen motivieren mich und lassen mich sehr viel beschwingter durch den Tag gehen :) Danke dafür! Viele liebe Grüße an dich.

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 18 Juni 2018 16:11)

    Die Geschichte dieses einen Tages, vollgepackt mit großartigen Eindrücken, liest sich spannend wie ein Krimi oder ein Science-Fiction-Roman in dem die Begegnung mit Wesen ferner Welten beschrieben ist. Sehr, sehr ansprechend geschrieben mit einem teilweise humorvollen Unterton. Es ist keine statische informative Abhandlung über die Unterwasserwelt dieser Gegend, sondern man lernt auf unterhaltsame, lockere Art dazu, fühlt sich irgendwie dazugehörig, erlebt mit.
    Sehr sympathisch finde ich Yasmins Dank an die Natur, die ihr diesen “Tag meines Lebens” (Zitat Yasmin) bereitet hat, und den Appell an uns alle, sie zu lieben und zu respektieren.
    (Tipp an alle: Die Bilder unbedingt einzeln anklicken und so groß wie möglich betrachten.)