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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

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Kanwan

Das Marmarameer ist tot

Text: Gudrun Kaspareit

18.09.2021

Meeresschleim
Meeresschleim

Das Marmarameer ist tot, titeln die Zeitungen. Im Juni war das Meer mit einer dicken Schleimschicht bedeckt. Experten forderten schnelle Hilfe. Nur drei Monate später heißt es, das Marmarameer bei Istanbul ist jetzt ein totes Meer.

Eine eklige Schleimschicht bedeckt die Meeresoberfläche. Dieser Schleim wird von gewissen Algen ausgeschieden, die sich stark vermehren durch ungeklärte Abwässer, die Erwärmung der Meere und Düngemitteleintrag. Zwar sinkt der Schleim langsam auf den Meeresboden, doch dort erstickt er Bodenmikroben, Muscheln und Korallen. Auch nehme durch den fehlenden Sauerstoff das Zooplankton im Wasser ab, von dem sich viele Fische ernähren, sagte Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der türkischen Odtü-Universität. Schon 60% der Spezies im Marmarameer sind verschwunden, so der Hydrobiologe Levent Artüz. „Nach drei Jahrzehnten intensiver Verschmutzung ist das Marmarameer jetzt ein totes Meer“, so der Meeresbiologe. Solange die Verschmutzungen nicht aufhören, tritt diese Algenplage regelmäßig wieder auf.

Auch wenn der Schleim seit August nicht mehr sichtbar an der Oberfläche treibe, sei die Katastrophe keineswegs vorüber, sagte Mustafa Sari, Professor für Wasserressourcenmanagement an der türkischen Universität Bandirma Onyedi Eylül. Die Schichten seien abgesunken und begännen, sich zu zersetzen. Bei der Zersetzung des Meeresschleims werde unter anderem Sauerstoff im Wasser verbraucht, was wiederum die Bildung von neuem Meeresschleim befördere.

Im Oktober seien die Bedingungen für eine neue Ausbreitung besonders günstig, sagte Sari und Artüz befürchtet, die Schleimkatastrophe könnte sich auf das Schwarze Meer und die Ägäis ausbreiten.

Im Mai war der Schleim von der Oberfläche abgesaut worden, aber im August zeigten sich neue Schlieren. Im Oktober wird eine neue Ausbreitung befürchtet.

Das Wachstum der Algen wurde in den vergangenen Jahren vor allem durch Düngemittel und Abwässer aus den Städten und der umliegenden Industrie beschleunigt. Das Abwasser ist unbehandelt, nur Feststoffe werden herausgefiltert. Das Binnenmeer wird als Kloake missbraucht. Eine große zusätzliche Belastung ist auch die Umleitung des Ergene-Flusses in das Marmarameer. Der Fluss gilt als schmutzigster Abwasserkanal der Region. Außerdem ist das Wasser im Zuge des Klimawandels um bis zu 2° wärmer geworden. Das liegt auch daran, dass der Schmutz Wärmeableitung verhindert.

Istanbul war für Makrelen, Thunfisch und Schwertfisch bekannt. Die diesjährige Fangmenge ist allein gegenüber dem vergangenen Jahr um 90% eingebrochen.

 

 

„Die Regierung reagierte auf den Ausbruch im Mai und ließ Teile des Schleims abschöpfen. Auf lange Sicht brauche es neben einer globalen Klimapolitik, die dem Temperaturanstieg entgegenwirke, vor allem aber eine bessere Verarbeitung von Abwasser in der Türkei. Außerdem werden Schutzzonen gefordert, durch die sich das Meer und seine Bewohner erholen könnten. Zudem würden solche Zonen eine intensivere Ursachenforschung ermöglichen. Es bleibt zu hoffen, dass umliegenden Gewässern nicht das gleiche Schicksal droht.“ (DPA/VOL.AT)

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Freitag, 15 Oktober 2021 16:13)

    Welche Katastrophe! Und drei Jahrzehnte lang wurde tatenlos beim Sterben zugesehen?! Selbst wenn jetzt daran gearbeitet wird, die Verschmutzung einzudämmen, wird die spürbare Wirkung viel zu lange dauern. Und es besteht ja auch keine Hoffnung auf Erholung, weil das Ökosystem des Marmarameeres bereits irreversibel beschädigt ist. Unvorstellbar, wenn sich die Algenplage jetzt auch noch ausbreitet in die Ägäis und das Schwarze Meer!
    Das Menetekel, wohin es mit diesem Planeten geht, könnte nicht drastischer sein. Und der Präsident? Reibt sich die Hände, ein Weltkulturgut, die Hagia Sophia, re-islamisiert zu haben.