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Die Ostsee, das ausverkaufte Paradies

Text: Betina Lehmann

Fotos: Gudrun Kaspareit

07.02.2020

Bay Side Hotel
(c) Gudrun Kaspareit Bayside Hotel

"Die Ostsee, das ausverkaufte Paradies"
So titelte vor einiger Zeit eine Reportage über den Bauboom an unserer Küste, der vehementen Suche nach den besten und schönsten Plätzen mit unverbautem Blick auf`s Meer, durch zahlungskräftige
Investoren (Heuschrecken?), denen nichts heilig ist und bei denen Bürgermeister und Gemeindeoberste schwach werden.
Das "Bayside" in Scharbeutz ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein ursprünglich, durch Familienurlaub geprägter Urlaubsort mit noch entfernt dörflichem Charme, bei dem die Hauptsaison auch irgendwann
endete, zu einem der angesagtesten Urlaubsorte für Strand-Events, Massen- und Ganzjahrestourismus mutierte.
Dieses Hotel ist sehr gut gebucht und hat auch schon einen Touristenpreis gewonnen, denn es steht nicht in der 1. Reihe, nein vor der 1. Reihe! Es steht mit der Meer-Seite bündig am Sandstrand.
Inzwischen verbietet dies ein Gesetzt, (150 Meter Abstand zum Küstenstreifen schreibt das Landeswassergesetz vor). Aber alles was davor schon genehmigt war, bleibt davon unberührt.
Leider werden touristische Großprojekte von der Landesregierung großzügig subventioniert. Das besagte Hotel mit 3 Mio €.
Die Grundstückspreise im Ort sind für Familien und Normalverdiener unbezahlbar, die Einheimischen gehen unter. Wer Geld hat investiert in Eigentumswohnungen.
Das zahlende Urlaubsvolk will unterhalten werden. Es wird viel geboten entlang der Seebäder. An den Wochenenden kommen noch unzählige Tagesgäste dazu.
Beim vorjährigen Neujahrsempfang ließ man wissen:
Für die Entwicklung unserer Gemeine kann ich feststellen, dass wir auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken können und wir uns auch weiterhin nach oben bewegen werden. Der Jahresabschluss wies
einen Überschuss von über 3 Mio € aus.
Doch wer beschert denn den Gemeinen diese Gewinne? Ohne die Ostsee käme kein Mensch hierher. Das Meer wird gnadenlos vermarktet und ausgebeutet aber niemand gibt ihm etwas zurück.
Währen der angespülte Seetank eifrig von Lohnunternehmern weggekarrt wird, liegen Plastikteilchen vom Silvester-Feuerwerk noch im Sommer herum.(Dieses Jahr gab es allerdings an einigen
Orten ein Böllerverbot).
Neben Plastikmüll liegen Zigarettenkippen auf Platz zwei der häufigsten Verunreinigungen. Dieser oft verkannte, hochgiftige Sondermüll, ist nicht nur für Kinder und Tiere gefährlich. Ins Salzwasser
geweht, dauert die Zersetzung mehrere 100 Jahre, zudem verschmutzt ein Zigarettenstummel bereits 40 Liter Wasser.
Außerdem verwechseln Fische die Filter oft mit Nahrung bis ihre Mägen verstopfen. Die Giftstoffe aus den Filtern (Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd und das Nervengift Nikotin)
gelangen so in unsere Nahrungskette (Stefani Sudhaus, Meeres-
schutz-Referentin vom BUND). In Neustadt fand jetzt erstmals eine Kampagne zu diesem Thema statt "Tippen statt Kippen" (eine Art
Abstimm-Aschenbecher), vielleicht ein Anfang. Auf freiwilligen Verzicht oder Rücksicht zu setzen bringt aber nicht genug, sonst hätte ich nicht über 40 Jahre lang passiv geraucht.
Die Reinigung der Strände und des Meeres sollte nicht auf Privat-
initiativen abgewälzt werden während entlang der Küstenorte
futurische Seebrücken mit einem Gesamtvolumen von 7,3 Mio €
geplant sind.
Was also ist uns allen die Ostsee wert?
Ich wünsche mir, dass auch in dieser Hinsicht die neue Klima- und
Umweltbewegung siegt.

Grüße an alle, denen diese Thema am Herzen liegt,

Tina

Teehaus auf der Seebrücke
(c) Gudrun Kaspareit Teehaus auf der Seebrücke
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 17 Februar 2020 16:38)

    „ Der Jahresabschluss wies einen Überschuss von über 3 Mio € aus“. Solche Kriterien dürfen einfach nicht mehr Priorität haben! Nachdem nun in den letzten Jahrzehnten so manches Fleckchen Erde weltweit dem Massentourismus zum Opfer gefallen ist, geht es auch Deutschland an den Kragen. An der See und in den Bergen. Deutschland ist als Reiseland so beliebt wie nie zuvor. Der Tourismus zwischen Ostsee und Alpen nimmt 2020 Kurs auf das 11. Rekordjahr in Folge. Die Notbremse muss jetzt gezogen und der weitgehende Erhalt der Natur mit einbezogen werden. Ich bin auch sicher, dass viele Urlauber gern mitziehen würden.