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Mikroplastik im Meer

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Wikipedia

07.09.2016

Flussbarschlarve
Larve des Flussbarsches: Von Kat1100 - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48268072

 

Es gibt im Meer keinen Ort mehr, der vom Müll verschont ist. Selbst wenn man in der Arktis einen Eisklumpen in die Hand nimmt und ihn schmilzt, finden sich darin Plastikteilchen. Plastikmüll unserer Zivilgesellschaft. Selbst wenn man ihn nicht mehr sieht ist er da. Durch UV Strahlen zerfallen und zerrieben zu Mikroplastik. Leider nehmen ihn alle Tiere des Meeres auf, egal ob Wurm oder Wal, und bringen ihn so in die Nahrungskette. Es ist nicht nur die achtlos weggeworfene Plastiktüte, auch Recyclingpellets, Kunsttstoffkügelchen aus Kosmetik, Fasern von Synthetikkleidung und der Abrieb von Autoreifen aus dem Straßenverkehr gelangen auf vielfältige Weise in die Meere.

 

Eine große Zahl der Meeresbewohner nimmt das Mikroplastik statt Nahrung auf, weil sie es mit Plankton verwechselt. Das führt zu Mangelernährung und Hungertod, aber auch zu diversen Erkrankungen, ausgelöst durch Additive wie Weichmacher oder Farbstoffe.

 

Studien ergaben laut Wikipedia, dass 2013 der Sandstrand mancher Meeresbuchten zu drei Prozent aus Mikroplastik bestand; man vermutet eine weitere Zunahme dieser Quote.Im Lebensraum der Wattwürmer an der Nordsee macht der Kunststoff PVC mehr als ein Viertel der Mikroplastikpartikel aus. Auf der Nordseeinsel Juist wurden in allen untersuchten Muscheln, Austern, Speiballen, im Kot von Seemöwen und Seehunden, in Kegelrobben und in Totproben von Schweinswalen Mikroplastikteile gefunden. Rund um Großbritannien wurden mittels feinmaschiger Netze durchschnittlich 12.000 bis maximal 150.000 Mikroplastik-Partikel pro Quadratkilometer gefunden; im Mittelmeer kommt Schätzungen zufolge auf zwei Plankton-Lebewesen ein Teil Mikroplastik bzw. es wurden bis zu 300.000 Teilchen pro Quadratkilometer gefunden. Anfang 2016 wurden nach über sechs Monate dauernden Messungen an 18 Stellen für das Meer vor New York 165 Mio. Plastikteile hochgerechnet (bzw. mehr als 250.000 / km²) - zu 85 % mit einer Größe von unter 5 mm.

 

Plastik bedroht zunehmend die Ökosysteme in den Meeren.

 

Um herauszufinden, ob und wie Fischlarven unter dem Mikroplastik leiden, haben Forscher in Uppsala in großen Becken die Lebenssituation von Flussbarschen im Brackwasser der Ostsee nachgestellt; mit 10.000 Mikroplastik-Partikeln pro Kubikmeter Wasser, wie es sich auch durchschnittlich im Meer befindet. Es gab drei Versuchsanordnungen. Ein Becken ohne Mikroplastik, eines mit wenig Plastik und ein drittes mit eben jener hohen Plastikkonzentration.

 

Die Fischlarven in dem Becken mit dem hohen Mikroplastikanteil waren erwartungsgemäß kleiner, als die Genossen im Becken ohne Plastik. Was jedoch auffiel, war die Tatsache, dass die Fischlarven mit der hohen Plastikkonzentration viel weniger aktiv waren, als die anderen. Sie standen im Durchschnitt eine Minute still im Wasser, außerdem wurden sie zu leichter Beute für Raubfische, da sie ihre natürlichen Instinkte zu verlieren schienen. Aber was die Forscher wirklich verblüffte, war die Tatsache, dass die kleinen Fische fast nur noch das Plastik fraßen und nicht mehr die ebenfalls angebotenen kleinen Salzkrebse. In den Becken mit dem meisten Mikroplastik, fanden sich in den Mägen der Larven nur Plastikteilchen und kein einziger Salzkrebs. Die Forscher vermuten, dass chemische Verbindungen aus dem Plastik die Sinne der Fischlarven täuschen und verändern.

 

Schon ist der Bestand an Flussbarschen in der Ostsee stark zurück gegangen. Die Forscher wollen sich nun auch andere Fische genauer ansehen, um einen Trend erkennen zu können. Eines ist aber schon klar, auch die Larven anderer Spezies wachsen schlechter, wenn sie sich in Wasser mit einem hohen Mikroplastikanteil befinden.

 

Kommentare: 3
  • #3

    Friedrich (Dienstag, 04 Oktober 2016 19:05)

    Dass die Mikroplastik große Schäden im Meer und bei seinen Bewohnern anrichtet, steht für mich außer Frage. Die Wissenschaft bestätigt das ja auch. Aber was geschieht, um dem Problem praktisch entgegenzuwirken? Kann man das überhaupt noch bei solch kleinen zerriebenen Teilchen? Plastik ist allgegenwärtig, aber so kann es doch nicht weitergehen! Ich lasse mir im Laden schon lange keine Plastiktüten mehr geben, aber damit wird das Problem ja noch lange nicht gelöst.

  • #2

    erika (Samstag, 01 Oktober 2016 20:31)

    Welche ersten Erfolge konnten durch Boyan Slat und sein Team seit Mai 2016 erreicht werden? Es ist vermutlich noch zu frueh, um ueber die ersten Ergebnisse zu sprechen, besonders , da sie vor Japan unter schwierigsten Bedingungen erprobt werden sollten.
    Solche Forscher und es gibt weitere Teams die in gleichem Sinne arbeiten,waeren die einzigen lichteren Punkte einer Welt, die wir unseren Enkeln, bisher noch, als ungeloeste Probleme hinterlassen.

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 Oktober 2016 15:37)

    Dieser Artikel hat mich sehr erschreckt! Ich hatte bei der Verunreinigung der Meere durch Plastik eigentlich immer den sichtbaren Müll vor Augen. Sicher kannte ich auch den Begriff „Mikroplastik“, dachte dabei aber nur an die Kunststoffkügelchen aus der Kosmetik, dem ja durch ein Vermeiden oder Verbot beizukommen wäre, so wie es ja nun auch langsam mit der Tüte geschieht. Ich sehe aber nun nach dem Lesen des Berichtes, dass die Problematik so vielschichtig und umfassend ist, dass es fast ausweglos erscheint, der Plage Herr zu werden, selbst wenn man sich weltweit inständig bemühen würde! Es müssten völlig neue Kunststoffe geschaffen werden, die biologisch abbaubar sind!
    Aber das Plastik-Problem im allgemeinen ist ja nun keine plötzliche Entdeckung: Warum ist es bei allen technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte nicht gelungen, einen nicht die Umwelt in dem ungeheuerlichen Ausmaß schädigenden Kunststoff zu entwickeln? Hat man sich nicht genügend bemüht? Lohnt sich die Investition in die Forschung nicht, weil es am Ende nicht genug Profit bringt? Das ist mir bis heute nicht klar, weil ja nichts deutlicher auf der Hand liegt als dass die Welt ein solches Produkt dringendst braucht!
    Hoffen wir, dass aus den Kindern von heute, die durchweg ein größeres Umweltbewusstsein haben als frühere Generationen, Wissenschaftler, Politiker – oder einfach nur verantwortungsvolle Weltbürger werden, die sich der Tragweite der Dramatik bewusst sind und etwas ändern wollen und können. Und wünschen wir ihnen, dass es dann nicht schon zu spät ist...