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Meeresplastik recyclen

Text: Gudrun Kaspareit

20.05.2015

Das Ergebnis nach einer Stunde Müllsammeln am Strand
Das Ergebnis nach einer Stunde Müllsammeln am Strand

Ist dies vielleicht endlich ein guter Ansatz, das Plastik wieder aus dem Meer zu fischen, oder wieder nur eine neue Form des Greenwashings? Plastik in den Meeren ist ein riesiges Problem. Nun will Adidas dazu übergehen neue trendige Sportkleidung aus recyceltem Meeresplastik herzustellen.

G-Star hat in Kooperation mit dem Recycling-Modelabel Bionic Yarn des Musikers Pharrell Williams vergangenes Jahr eine Ozean-Kollektion präsentiert, nun will auch Adidas einsteigen. Auf lange Sicht möchte der Konzern bestehende Plastikelemente seiner Sportsachen durch Meeresplastik ersetzen. Zudem sind Spezialkollektionen geplant.

Die Meeresschutzorganisation Parley for the Oceans (Verhandlung für die Ozeane) hatte diese Initiative angeregt. Sie versucht Menschen, verschiedener Branchen zum Schutz der Meere an einen Tisch zu bringen; Produktentwickler, Künstler und Wissenschaftler. Plastikmüll ist ein wertvoller Rohstoff, den es zu nutzen gilt und den es vor allem aus den Meeren zu entfernen gilt, wo er extreme Schäden anrichtet. Natürlich ist Plastik in Kleidung nicht unproblematisch, doch derzeit hat sich die Textilindustrie auf Synthetikmaterial spezialisiert. Es gibt kaum Stoffe ohne Synthetik. Und Materialien aus recyceltem Material hat eine bessere Ökobilanz.

Adidas und Parley for the Oceans haben sich auch schon Gedanken gemacht. Es gibt ein weltweites Netz von Freiwilligen die an den Stränden das menschengemachte Plastiktreibgut wieder einsammeln. In Hawaii, Amerika, Australien ebenso in Europa und demnächst auch auf den Malediven. Das Plastik soll dann in Containern mit Speditionsfirmen, die ohnehin Leerfahrten hätten, in Recyclinganlagen nach Amerika oder China transportiert werden. Dort wird es aufbereitet (gewaschen, sortiert, zu Flocken verarbeitet und zu Synthetikfäden und Garn versponnen )

Adidas verwendet schon länger recyceltes Plastik, nur bisher nicht aus den Meeren. Aber das könnte demnächst das Augenmerk, auch der Konsumenten, auf die Meeresproblematik lenken. Dies kann und soll nur ein erster Schritt eines langen Weges sein, an dessen Ende keine weitere Verwendung von Plastik und die Reinhaltung der Meere stehen muss. Damit kein neues Plastik in die Meere gelangt hat Adidas ebenfalls die Plastiktüte aus seinen Filialen verbannt. Auch dies ein löblicher, erster Schritt in Richtung saubere Meere, der hoffentlich Signalwirkung hat.

Adidas scheint es mit dem Umweltschutz ernst zu sein. 2014 hat der Konzern aufgrund einer Kampagne von Greenpeace „Detox“ gefährliche Chemikalien aus seinen Produkten verbannt.

Gutsch, der Chef von Parley for the Oceans, ist der Auffassung, <Die Firma, die heute nicht den Umweltschutz zum Kern ihrer Produkte macht, hat morgen keine Existenzberechtigung mehr.>


Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Dienstag, 02 Juni 2015 11:28)

    Sehr interessante Ansätze wie ich finde. Eine gesunde Skepsis ist natürlich immer geboten, jedoch sehe ich hier trotz der allgegenwärtigen Gefahr des „greenwashing“ eine saubere Richtung, um dem Plastikmüll Herr zu werden. Der Kunststoff-Abfall, den Adidas schon jetzt wiederverwertet, auch wenn er nicht aus den Meeren kommt, kann aber auch gar nicht erst hineingeraten. Ich sehe in diesen Aktionen ein ehrliches Interesse von fast allen Seiten, das Problem zu bekämpfen. Und sei es auch in erster Linie deswegen, sich ein sauberes Image zu verschaffen, nachdem sie in schlechten Ruf geraten waren wegen Kinderarbeit und Hunderlöhnen für das Nähen von WM-Trikots. Ich sehe der Entwicklung in der Bekämpfung gegen Plastikmüll in den Meeren und auch an Land aufgrund dieses Artikels zuversichtlich und hoffnungsvoll entgegen.
    Die angeregten positiven Vorhaben zeigen aber auch einmal mehr auf, dass es immer NGOs, in diesem Fall Parley for the Oceans, sind, die die wahren Weltveränderer sind. Erst durch ihre Bemühungen wird dann von staatlichen Seiten oder Konzernen reagiert, auch weil sie unter Druck der Öffentlichkeit geraten. Und ganz selten vielleicht auch, weil sie ehrliche Einsicht zeigen.

  • #1

    Martina Sparfeld (Montag, 01 Juni 2015 10:49)

    Danke Gudrun für diesen Hoffnung machenden Beitrag.