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Bali, vom Inselparadies zum Müllparadies

 Bali, die „Insel der Götter“ hat inzwischen ein extremes Müllproblem. Täglich sammeln 700 Reinigungskräfte und 35 Laster rund 100 Tonnen Abfälle ein und laden sie in einer nahe gelegenen Mülldeponie ab. Das Problem hat mittlerweile derartige Ausmaße angenommen, dass die Behörden im November über einen sechs Kilometer langen Küstenstreifen den „Müllnotstand“ ausgerufen haben. Dazu gehören die Strände von Jimbaran, Kuta und Seminyak. Am Schlimmsten ist es in der Monsunzeit, wenn Wind und Strömungen den Müll aus dem Meer anspülen. Tagsüber wird der Müll entfernt, doch am nächsten Tag ist der Strand erneut übersät. Die Balinesen fühlen sich unschuldig am Müllproblem und zeigen mit dem Finger auf Java. Dort gerate der Dreck ins Meer und werde dann auf Bali angeschwemmt. Doch auch auf Bali gibt es so gut wie kein Plastik-Recycling. Acht Millionen Tonnen Plastikabfall landen, der Umweltbehörde der Vereinten Nationen zufolge, jährlich in den Ozeanen der Welt. Im Jahr 2050, so lauten Expertenprognosen, wird es mehr Plastikabfall als Fische in den Weltmeeren geben. Zwei Drittel des schwimmenden Plastikmülls stammen aus den asiatischen Staaten China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam.

Noch in den 60ziger Jahren, war dort das Bananenblatt das Verpackungsmittel der Wahl. Das konnte man problemlos wegwerfen. Doch mit den Touristen kam auch die multinationalen Großkonzerne und ihre in Plastik eingeschweißten Billig-Nahrungsmittel, ebenso wie Trinkwasser in Plastikflaschen. Das Müllproblem explodierte. Es überrannte die Menschen dort, die zuvor noch im Einklang mit der Natur gelebt hatten. Neben den hinlänglich bekannten Gefahren für die Meere und ihre Bewohner durch den Plastikmüll, langsam ersticken die Meere an dem Plastik, ist in Indonesien und speziell auf der wunderschönen Insel Bali der Tourismus bedroht. Man kann kaum noch schwimmen, tauchen oder surfen in all dem Dreck. Doch ganz Bali ist auf Tourismus ausgelegt, es lebt davon. Die heutige Generation weiß kaum noch, wie es sich ohne Coca Cola, Instantsuppen und Chips leben lässt und natürlich ohne die unsäglichen Plastiktüten. Bali ist durch den Tourismus reich geworden, dennoch ist kein Geld da, für Infrastruktur, öffentliche Verkehrsmittel, Nationalparks oder gar eine geregelte Müllentsorgung.

Interessanterweise sind die Initiativen, die sich gegen das Müllproblem stemmen privat und finanzieren sich aus Spenden. Wie z.B. ecoBali. Mit der Devise „Zero Waste“ bietet ecoBali sowohl Privatleuten, als auch Firmen und Hotels eine wöchentliche Müllabfuhr an. Die verschiedenen Müll-Sorten werden dabei voneinander getrennt und wenn möglich recycled. Alles Andere wird zu den offiziellen Mülldeponien der Regierung gebracht. Außerdem gehen sie an Schulen, um schon den Kindern die Mülltrennung und die 5R`s ( Reduce, Recycle, Reuse, Refuse, Rethink) nahezubringen. Die Organisation Gaia Oasis hält sog. „Grüne Unterrichtsstunden“ ab, aber eines der bekanntesten Projekte ist wohl das „Project Clean Uluwatu“. Uluwatu ist DER Surfer Hotspot auf Bali. Ca. 500 Touristen besuchen den Ort täglich. Es entstanden Restaurants und Geschäfte, allerdings ohne Infrastruktur, ohne Abwasser, ohne Toiletten ohne Mülleimer, geschweige denn Müllentsorgung. So entstand ein See aus Müll, Fäkalien und alten Speiseölen, die nicht ordentlich entsorgt werden konnten. Bei Regen gelangte das mit E´Coli Bakterien verseuchte Wasser ins Meer und machte Mensch und Ökosystem krank. 2011 gründeten Freiwillige, Surfer, Locals das Komitee „Clean Uluwatu“ um ihr geliebtes Uluwato zu retten. Es wurden öffentliche Duschen und Toiletten gebaut, man sammelte 30 t. Abfall aus dem Bereich hinter den Restaurants, alle Restaurants bekamen Mülltonnen, die regelmäßig von ecoBali geleert wurden. 2013 kamen ein Tank hinzu, in dem Abwässer und andere Flüssigkeiten gesammelt werden, die nicht ins Meer gelangen sollen. Dieser Tank wurde von Fundraising Aktionen und privaten Spenden finanziert. Ein weiters Projekt, das Peduli Alam Projekt hat es geschafft in Ost Bali ein funktionierendes Müllsystem zu etablieren mit einer richtigen Müllabfuhr. Auch hier gibt es Recycling Shops und Unterricht an Schulen.

Und so gibt es viele kleine NGO`s die sich bemühen, das Müllproblem in den Griff zu bekommen. Vielleicht ist Bali doch noch nicht ganz verloren.

Kommentare: 3
  • #3

    Erika (Samstag, 21 April 2018 18:11)

    Die Konzentration der Kinder in der Schule auf fuenf Woerter,
    sie memorieren zu koennen, ist ein guter Ansatzpunkt.
    Es sind Woerter die etwas wegnehmen “reduce”,
    dann aber etwas Neues ergeben “recycle”,
    sie wollen es aendern, und ”refuse”
    sie moechten es benutzen “reuse”
    neue Ideen kommen “rethink.”

  • #2

    Eva Schmelzer (Montag, 16 April 2018 13:49)

    Dass es sich so entwickelt hat, also vom Bananenblatt bis zur Plastikverpackung, ist traurig, aber wohl in kaum einem Teil der Welt rückgängig zu machen, natürlich auch nicht auf Bali. Doch diese Entwicklung hat sich nicht über Nacht vollzogen. Viel früher hätte man von staatlicher Seite aus Maßnahmen ergreifen müssen. Es ist ja nicht Bali allein betroffen. Indonesien verteilt sich auf ca. 17.500 Inseln! Da ist der Müll natürlich ganz, ganz schnell im Meer! Man kann eine Umweltzerstörung dieses Ausmaßes doch nicht den NGOs und dem guten Willen von Privatleuten überlassen! Skandalös: Der seit 4 Jahren amtierende Präsident Joko Widodo (ein studierter Forstwirt) war vor der Präsidentschaft Bürgermeister und als solcher und vor allem für seine Programme gegen Korruption und für Umweltschutz bekannt.

  • #1

    Marion Hartmann (Montag, 16 April 2018 11:51)

    Ich hatte gerade kürzlich darüber gelesen und in eigentlich zutiefst erschüttert, wie man auch schon wieder froh sein kann, dass sich kleine NGO`s engagieren.
    Aber auch wenn man versucht, durch ein funktionierendes Müllsystem, ec. das Problem in den Griff zu bekommen.., der Müll wird davon nicht weniger, er verschwindet lediglich besser von der Bildfläche. Was die Welt braucht, ist ein gut funktionierendes Anti- Müll- System. Vielen Dank für diesen Bericht.