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Rumäniens Urwälder schwinden

Text und Foto: Gudrun Kaspareit

26.05.2015

Wald
(c) Gudrun Kaspareit Wald

In Rumänien gibt es die letzten echten verbliebenen Urwälder Europas. Man nennt die Karpaten auch das grüne Rückgrat Europas. Diese Wälder bergen einen ungemeinen Artenreichtum. Allein die Hälfte der Europäischen Bären Population lebt dort. Doch die Naturparadiese schwindet in rasantem Tempo. Zurück bleiben kahle, erodierte Hänge. Es ist zum Verzweifeln. Seit 2000 sind 280100 Hektar Wald verschwunden. Auch Urwälder, Naturschutzgebiete, Nationalparks und als Natura 2000 ausgewiesene Gebiete werden nicht verschont. Dazu kommen bis zu 50 illegale Vorfälle und Holzdiebstähle pro Tag. Die Strafen sind keine echte Abschreckung. Greenpeace macht sich dafür stark, das die verbliebenen, einzigartigen Wälder in Nationalparks umgewandelt und als UNESCO Naturerbe geschützt werden.

Hauptverantwortlich sind ausländische Firmen, z.B. aus Österreich. Den Löwenanteil der gefällten Bäume verarbeitet z.B. Schweighofer. So landen Urwaldriesen aus Rumänien als Holzpellets in deutschen und österreichischen Öfen. Der Raubbau, auch der illegale, wird vorangetrieben. Schweighofer zahlt sogar Boni für illegal geschlagenes Holz. (Das geht aus einem Undercover Video der Umweltschutzorganisation Enviromental Investigation Agency hervor) Fingierte Verkäufe machen deutlich, dass es Schweighofer mit der Herkunft der Stämme nicht so genau nimmt. Kontrolle oder gar Verfolgung findet kaum statt. Das mag auch daran liegen, dass Schweighofer über das Land verteilt, mehrere Sägewerke und Möbelfirmen betreibt. Es fällt der Regierung in Bukarest schwer, ein neues Forstgesetz auf den Weg zu bringen, denn Schweighofer droht im Falle der Durchsetzung von mehr Waldschutz mit Massenentlassungen. Das neue Forstgesetz soll die Monopolstellung von Schweighofer und dem anderen österreichischen Holz Großkonzern Egger brechen. Anfang diesen Jahres wurde das neue Gesetz auf den Weg gebracht, aber letztendlich nicht von Präsident Klaus Johannis unterschrieben.

Ein kleines Dorf in Transsylvanien wehrt sich und will seinen Wald schützen.

Im November wurde es durch das Kreischen und Wüten der Motorsägen aufgeschreckt. Sie waren nicht informiert worden und glauben nun, dass ihr Wald dem Kahlschlag zum Opfer fallen wird.

Aber schon am nächsten Tag blockierten sie die schweren Maschinen der Rodungsmannschaft.

Niemand hier glaubt den falschen Versprechungen, dass anschließend weder aufgeforstet werden soll.

Nirgendwo sonst gibt es noch so viele Bären, Luchse und Wölfe wie in den wilden Wäldern der Karpaten. Doch ob legale Rodung oder illegaler Kahlschlag, die Verlockung, die größte Ressource des Landes zu Geld zu machen ist stark und 90% der illegalen Abholzung bleibt ungestraft.

Unablässig donnern die Holzlaster über die Bergstraßen von Transsylvanien. Vor allem die Ostkarpaten sind berüchtigt für eine starke Holzmafia. Die Kämme der Berge werden zunehmend kahl, die Hänge erodieren. Wo grüne Paradiese waren, wird es still. Hänge geraten ins Rutschen. Regen stürzt ungebremst ins Tal und verursacht Überschwemmungen. Naturkatastrophen nehmen zu. Selbst kleine Bäche können zu reißenden Strömen werden, die ganze Häuser wegspülen.

Nur in unserem kleinen Dorf in Transsylvanien zwitschern vorerst noch die Vögel. Denn die Bürger des Dorfes Panet haben mit einer Unterschriftensammlung ein Einschlag-Moratorium bis zum Januar 2016 durchgesetzt. Es sei schlimm, das mit dem Segen der Bürgermeister und Politiker vielerorts die Wälder ausgeplündert werden. Sie sind ein Hotspot der Biodiversität und sie bilden, oder muss man bald sagen, bildeten einen grünen Korridor von Mitteleuropa bis zum Schwarzen Meer.

Kommentare: 6
  • #6

    Jürgen Engelmann (Donnerstag, 22 November 2018 22:07)

    Dein Bericht, liebe Gudrun ist vor über drei Jahren geschrieben worden. So wie ich das verfolge, auch bei EuroNatur, hat sich bis heute nicht viel geändert. Rumänien steht in der Rangliste der korruptesten Länder Europas seit je her ganz weit oben. Die EU hätte Macht und Mittel dort hart einzugreifen. Tut sie nur halbherzig. Sie überlässt ihre Aufgabe den Umweltorganisationen, schiebt damit allle Verantwortung ab. Man hätte Rumänien erst nach Erfüllung strengster Auflagen in die EU aufnehmen sollen. So auch die Länder, in denen Roma unter unwürdigsten Bedingungen leben. Ich habe das in der Slowakei selbst sehen können. Diese großen Chancen wurden verpasst, weil nur der Blick durch die ökonomisch-militärische Brille von Wert ist. Alles Menschliche, Natürliche ist Nebensache. So lange kein Druck auf die Regierungen ausgeübt wird, wird weiter geraubt, gemordet, bestochen, erpresst werden. ...und sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen...

  • #5

    Martina Sparfeld (Dienstag, 01 Dezember 2015 09:39)

    Überall Raubbau an der Natur und kaum jemand wehrt sich.Respekt den Leuten in dem kleinen Ort Widerstand zu leisten.Ich hoffe sie haben die Kraft und vielleicht nehmen sich noch mehr Menschen ein Beispiel an ihnen und stellen sich der Holzmafia in den Weg.Korruption ist glaube ich das größte Problem in Rumänien ,jeder hält die Hand auf,egal was morgen ist..........

  • #4

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Juni 2015 11:50)

    Ich sehe es so, dass Rumänien seinen Waldschatz so lange erhalten konnte, weil es im Vergleich zu den westlichen EU-Ländern ein eher rückständiges Land war, was die Wirtschaft betrifft. Nach 8 Jahren Mitgliedschaft greifen nun die Krakenarme zu. Ich begreife nur nicht, dass das so ungehindert geschehen kann, wie z.B. durch die kriminelle Holzverarbeitung Schweighofer. Diese tarnt sich übrigens mit ihrem sozialen Engagement. Die Schweighofer Privatstiftung unterstützt bestehende karitative Projekte in Österreich, Rumänien und Indien. In Rumänien konzentriert sich die Schweighofer Privatstiftung vor allem auf EIGENE Projekte in direkter Umgebung der dort angesiedelten Werke! Diese Projekte umfassen u.a. die Finanzierung und Unterstützung von Kinderheimen, Krankenhäusern, mobiler Altenbetreuung, Kinderspielplätzen und Katastrophenhilfe. So was kann man auch Korruption nennen, und so kann man auch über manche kriminellen Machenschaften hinwegtäuschen. Und da überlegt dann auch ein Klaus Johannis ob er ein Gesetz unterschrieben soll. Und damit, dass die EU eingreift, ist ja wohl kaum zu rechnen.
    Danke an das mutige kleine Dorf in Transsylvanien, mögen die Vögel dort noch lange in alten Baumwipfeln zwitschern.

  • #3

    Martina Sparfeld (Montag, 01 Juni 2015 10:34)

    Es ist zunehmend unerträglich was auf der ganzen Welt passiert.Für mich sind solche Merthoden mafiös.Verhaften sollte man das ganze "Pack".Aber wer traut sich,der Druck ist groß und immer geht es um Arbeitsplätze.Aber was ist mit den Arbeitsplätzen wenn der Wald weg ist und der Rest auch noch weggeschwemmt wird?Komisch das da nicht dran gedacht wird oder?Leid tun mir die vielen Tiere die ihre Heimat verlieren!Menschen wehrt euch so wie die mutigen in diesem kleinen Dorf!

  • #2

    Sybille (Donnerstag, 28 Mai 2015 18:19)


    Wer Umweltprobleme nicht ernst nimmt, ist selber eines.
    unbekannter Verfasser

  • #1

    Ursula Jakobs (Donnerstag, 28 Mai 2015 13:11)

    Es ist eine Schande was da passiert,alles wird zu Geld gemacht und auch du Schweighofer lass Dir gesagt sein,das letzte Hemd hat keine Taschen.Ich frage mich vermehrt.wo ist der liebe Gott???weshalb straft er nicht?jeder der einen Baum fällen will soll einen Schlag bekommen.Es ist supertraurig was manTieren und der Umwelt antut,was bleibt fuer die nachfolgenden Generationen?traurig.