Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Genug ist genug

Text und Foto: Jürgn Engelmann

29.12.2018

(c) Jürgen Engelmann
(c) Jürgen Engelmann

Genug ist genug

 

Endlich hatte sich der Lenz gegen den Winter durchgesetzt. Das fade Grau verwandelte sich in ein liebliches Grün. Die Sonne legte an Kraft zu. Überall erwachte wieder das Leben.

Auch die Eichhörnchen waren nach der Winterruhe damit beschäftigt, ihre Kobel zu pflegen.

Es war herrlich anzusehen, wie emsig sie Moos und alte Blätter in den Wipfel einer uralten Fichte trugen. Die Jungen sollen gut gepolstert heranwachsen.

Erstaunlich, wie geschickt sie in hohem Tempo, in Sprüngen, allen Hindernissen ausweichend, in kurzer Zeit in die Höhe klettern.

Noch bewundernswerter der Abstieg. Kopfüber, sich mit den scharfen, spitzen Krallen der kräftigen Hinterbeine an der Rinde festhaltend, kommen sie genau so schnell wieder herunter, wie sie hinauf gelangten. Bei allen Bewegungen dient der buschige Schwanz als Stabilisator, als Ruder, als Stütze. Kletterkünstler auf höchstem Niveau.

Hin und wieder legen sie eine Pause ein, um nach Fressbarem zu suchen. Im Herbst hatten sie Nüsse, Eicheln, Kleinsamen im Erdboden in Rindenspalten in Baumstubben als Wintervorrat versteckt, von dem sie auch jetzt noch zehren.

Vorausschauend hatte ich mir ein paar Hände voll Haselnüsse in die Jackentasche gesteckt.

War ein Eichhörnchen wieder einmal am Erdboden, warf ich ihm ein, zwei Nüsse entgegen,  die es gern annahm. Das waren nicht die an Menschen gewöhnten "Parkeichhörnchen" die einem aus der Hand fressen. "Meine" beiden fleißigen Tiere hatten zuvor wohl noch nicht viel  Menschen gesehen. Um so glücklicher war ich über ihre Zutraulichkeit.

Ja, Essen überwindet Grenzen, nicht nur bei Tieren.

Und so verbrachte ich eine gute Stunde damit, sie zu füttern, zu beobachten und sie zu fotografieren.

Dann aber wurde ich wohl zu aufdringlich. Es reichte ihnen. Meine Anwesenheit war nicht mehr erwünscht. Eines der beiden Wilden kam auf mich zu, stellte sich vor mir auf, sah mich mit stechendem Blick an, stampfte mit dem rechten Bein kräftig auf und gab mir damit zu verstehen, dass ich verschwinden solle. Und so blieb mir keine Wahl, als dieses unvergessliche Schauspiel zu verlassen.

Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Samstag, 31 August 2019 10:27)

    Frei lebende, nicht an Menschen gewoehnte Eichhoernchen, waren diesmal Dein Ziel im Wald. Ihre Art , auch kopfueber von Baeumen herabzusteigen, ist mir immer ein kleines Wunder, aber die starken Hinterzehen mit den Krallen halten sie, ebenso wie der steuernde Schwanz.
    Du warfst ihnen manchmal eine extra Haselnuss zu, welche sie ohne Angst annahmen. Dann aber kam ein Punkt, wo die freien wilden Eichhoernchen klar zu verstehen gaben: genug ist genug.
    England hat leider ueber Jahrzehnte Abschied nehmen muessen, von den Rotbraunen Europaeischen Eichhoernchen, weil invasive, grosse Graue Amerikanische Eichhoernchen ihnen den Garaus machten.Eine erfolgreiche Wiedereinfuehrung der kleinen Rotbraunen Europaeischen Eichhoernchengelang nur nach 40 jaehrigem, erbitterten Kampf auf der Insel , Isle of Wight. Deine Erzaehlungen sind klassisch,hab grossen Dank

  • #1

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 15 August 2019 14:38)

    Es ist einfach herrlich, über Jürgen Engelmanns Begegnungen mit Tieren zu lesen. Er hat eine ganz verzaubernde Art, die Tiere zu sehen, einen Charakter zu erkennen. Er weckt mit seinen Geschichten Emotionen, die traurig machen können, aber auch solche, die einen so richtig zum Lachen bringen, wie der letzte Absatz dieser Geschichte von den wilden Kerlchen.