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Der Wald - meine Heimat

Text und Foto: Jürgen Engelmann

29.12.2018

(c) Jürgen Engelmann
(c) Jürgen Engelmann

Der Wald – meine Heimat

 

Meine Liebe zum Wald ist nicht erst mit der Fotografie entstanden. Nein, sie war schon viel früher da. Umgekehrt ist es richtig, aus der Liebe zum Wald habe ich mich für die Naturfotografie entschieden.

Bin ich im Wald unterwegs, bin ich glücklich. Er gibt so viel Gutes, wenn man alle Sinne  „auf Empfang“ gestellt hat, wenn man sich dem Wald hingibt, sich ihm unterordnet, ihn respektiert.

Ich werde begleitet von Tönen, Geräuschen, Bildern und Gerüchen.

Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich meine Touren mit der Kamera mache.

Da sind die uralten Baumriesen, die Generationen vor uns gepflanzt worden sind.

Gepflanzt mit Hilfsmitteln, die heute in Museen zu sehen sind.

Gepflanzt unter schwierigen Lebensbedingungen, als Armut weit verbreitet war, die Familien groß waren und viele hungrige Mäuler gestopft werden mussten.

Manchmal wünsche ich mir, dass so ein Baum erzählen könnte. Wir würden Dinge zu hören bekommen, von denen heute niemand etwas weiß. Auch Bäume sind Geschichte.

Sie bieten Pflanzen und Tieren Schutz, Unterkunft und Nahrung. Und sterben sie eines natürlichen Todes, ist dieser die Grundlage für neues Leben.

Hin und wieder treffe ich unterwegs auf einen Bach oder einen Weiher, setzte mich nieder und träume. Das Plätschern des Baches beflügelt meine Gedanken. Wie viel Wasser mag hier wohl schon vorbeigeflossen sein. Wie ergeht es den Bewohnern des Baches in extremen Trockenzeiten, wenn das Flussbett ausgetrocknet ist. Wie und wohin retten sie sich. Und wo kommen sie her, wenn der Bach wieder Wasser führt.

Da sind die vielen unterschiedlichen Pflanzen, die den Lauf des Wassers eskortieren und auf denen sich Insekten aller Art und Größe tummeln.

Alles gehört zusammen. Alles ist von allem abhängig. Die Natur funktioniert nur lückenlos.

Auch deshalb ist alles Natürliche schützenswert.

Ich bleibe vor Himbeersträuchern stehen und gönne mir ein paar dieser schmackhaften Waldfrüchte.

Auch Brombeeren verschmähe ich nicht und am liebsten esse ich die Walderdbeeren mit ihrem hocharomatischem Geruch und Geschmack.

Dann bin ich zurück in meiner Kindheit. Meine Mutter, in den Karpaten aufgewachsen, hat mich mitgenommen in die hiesigen Wälder und mich gelehrt, welche kulinarischen Schätze uns der Wald bietet. Sie hat alles Essbare gesammelt und zuhause in Marmelade, Saft oder Tee verwandelt, denn im Herbst waren, nach den Himbeeren und Brombeeren die Hagebutten dran.

Ja, früher waren die Menschen auf die Früchte der Natur angewiesen. Die bereicherten den kargen Speiseplan. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Pilze. Die wurden selbst verwertet und der Überschuss wurde auf dem Markt verkauft. Aber das alles ist bei uns Vergangenheit.

Ich hatte die Möglichkeit oft und dann stets für einige Wochen das Landleben in Litauen kennenzulernen. Dort gehen heute noch ganze Familien, ja das ganze Dorf zur Ernte der Waldfrüchte in die Wälder. Es wird konserviert und verkauft, so, wie bei uns vor einhundert Jahren.

Das Wissen um die Früchte selbst und ihre Verarbeitung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Bei uns scheint das, bis auf Ausnahmen, versiegt zu sein. Schade.

Zuweilen treffe ich an lichten Stellen oder an Bachläufen auf Kräuter. Auf Brunnenkresse am Wasser und auf Pfefferminze, auf Arnika im freien Rasen, auf Thymian wenn es steinig, sandig wird. Alles wertvolle Pflanzen, die nur noch von Spezialisten gesammelt werden.

Ich bedaure zutiefst, dass so viel Wissen über die Schätze der Natur, des Waldes, verlorengegangen ist und immer noch verloren geht. Hoffentlich holt uns unser Unwissen nicht eines Tages auf schmerzliche Weise ein.

Auf meinem Weg begegnen mir Vögel, die immer emsig unterwegs sind, immer etwas zu tun haben.

Ich höre den Eichelhäher seine Warnsignale aussenden, in weiter Ferne pfeift ein Mäusebussard  seine schrillen Töne, der Rotmilan verbreitet mit seinem langgezogenen Ruf Angst und Panik unter den kleinen Vögeln und zwischendurch lacht mal ganz laut der Buntspecht, während Meisen und Buchfinken die Begleitmusik machen.

Zur Musik des Waldes gehört auch das quälende Geheul der Motorsägen, das von weit entfernt, gedämpft von Bäumen und Sträuchern, erträglich an mein Ohr dringt.

Wälder müssen auch bewirtschaftet werden. Holz ist ein wichtiger und begehrter Rohstoff.

Aber diese Bewirtschaftung sollte vernünftig und mit Bedacht gemacht werden.

Riesige Flächen auf einmal kahlzuschlagen, bringt zwar Geld, schadet aber letztlich der Natur, weil ein gewachsenes Gefüge zerstört wird und damit der Lebensraum angestammter Pflanzen und Tiere.

Es ist zu wünschen, das Ökonomie und Ökologie gleichsam Beachtung finden.

Meine Tour endet an einem Waldsee, der von Schilf und Rohrkolben eingerahmt ist, auf dem Stockenten und Reiherenten schwimmen, an dessen Ufer im knietiefen Wasser der Graureiher auf Beute lauert und in den ich meine Hand tauche, um mir zur Erfrischung das klare, kühle Wasser ins Gesicht zu werfen.

Die Speicherkarte ist gut gefüllt. Jetzt geht es nach Hause um die Bilder zu sichten.

Und schon auf dem Heimweg freue ich mich auf die nächste Begegnung mit meinem geliebten Wald.

(c) Jürgen Engelmann
(c) Jürgen Engelmann

Ein ganz anderer Waldspaziergang

 

Ein ganz anderer Waldspaziergang

 

Ich hab' geträumt...

 

Ich geh' begleitet von den Tageszeiten
durch einen Wald, mit altem Baumbestand.
Hab' meinen Kompass ins Gepäck verbannt
und lass' mich nur vom Stand der Sonne leiten

 

Winkend grüßt mich die Eiche mit den Zweigen.
Der Fliegenpilz lüftet zum Gruß den Hut.
Aus Vogelnestern piepst fröhlich die Brut
und auf der Lichtung tanzen Füchse ihren Reigen.

 

Sein Lied plätschert der Bach seit tausend Jahren.
Die Spinne baut ihr Speisekammer-Rad.
Ameisen gehen noch den selben Pfad.
Es gilt, die Traditionen zu bewahren.

 

Die Streifenwanze strafft die Hosenträger.
Hornissen spitzen ihren Stachel an
und allen Schwerbewaffneten voran,
bläst Meister Hirsch zum Angriff auf die Jäger.

 

Am Abend ist die Drücke-Jagd vorüber.
Gemeinsam sitzen sie an einem Tisch
und sind angstfrei nun wieder unter sich,
gehen vergnügt zum Alltagstrubel über.

 

Sie luden mich zum Feiern in den Saal,
in dieser langen, klaren Vollmond-Nacht.
Doch leider bin ich vorher aufgewacht
und freue mich schon auf das nächste Ma(h)l.

 

J. Engelmann
Dez. 2018

Wald
(c) Jürgen Engelmann
Kommentare: 3
  • #3

    Tina (Sonntag, 10 Februar 2019 22:09)

    Lieber Jürgen.
    Eine schöne Liebeserklärung an den Wald.
    Wenn ich in den Wald gehe ist das meistens nur ein karger
    Wirtschafts-Forst, in dem ich weder Kräuter noch Beeren finde.
    Das ist auch einer der Gründe warum hier keine Menschen mit
    Körben ausschwärmen. Nichtmal Pilze gibt es hier.
    Wald, der diese Bezeichnung verdient ist in meiner Region kaum
    anzutreffen (östliches Schleswig-Holstein).
    Schön für Dich, wenn Du noch intakte Natur vorfindest.
    Übrigens, Bäume können sprechen und sie haben ein Gedächtnis.
    Sie mögen uns Menschen sogar, was ich in Anbetracht der Brutalität ihnen gegenüber kaum verstehen kann. Bäume sind eben keine Menschen.

    Liebe Grüße

  • #2

    Erika (Mittwoch, 23 Januar 2019 19:52)

    Wald spricht zu Dir seit Deiner Jugend. Es war Deine Mutter, welche Dir das ganz persoenliche Verhaeltnis gab und Deine Liebe fuer Waelder. Sie fuehrte Dich ein in essbare Fruechte des Waldes, Ihr benutztet Pilze und bei Ueberangebot wurde der Rest verkauft. Ich versuche mir vorzustellen, wie Du vielleicht auf dem Keyboard auf originelle Weise die Toene und Geraeusche des Waldes nachempfindest. Ich sehe Dich am Bach, erfrischt von Tropfen und Dein Blick wandert weiter. Du siehst einige der Kraeuter, die aber, ich kann es Dir versichern, auch heute noch bekannt sind und gesammelt werden. Wir haben einige Experten auf Facebook, welche ein grosses Wissen darueber haben. Du verfolgst all die Voegel des Waldes und selbst Motorsaegen erwartest Du in einem Wald, der bewirtschaftet wird.Am Waldsee triffst Du auf Reiher- und Stock-Enten, die sich in Schilf und in Rohrkolben wohlfuehlen.

  • #1

    Eva Schmelzer (Mittwoch, 16 Januar 2019 13:12)

    Hat man das gelesen, hat man keinen anderen Wunsch mehr, als sofort loszuzuziehen, um in die Tiefe eines solchen Waldes einzutauchen. Und dann möchte ich dort von den Bewohnern so empfangen werden wie Jürgen Engelmann in seinem „Traum“gedicht und nach erfolgreicher Jäger-Jagd später lange mit ihnen feiern.