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Der Kernbeißer

Text und Fotos: Jürgen Engelmann

09.03.2019

Kernbeißer
c) Jürgen Engelmann Kernbeißer
Nomen est omen. Hier mal etwas deutlicher der kegelförmige, kräftige Schnabel des Kernbeißers. Wie der Name schon sagt, ernährt er sich überwiegend von Samen von Laubbäumen und Früchten. Aber auch von Steinobstkernen, wie Kirsche und Pflaume. Zur Aufzucht der Jungen benötigt er animalische Nahrung, wie Raupen, Käfer, Larven, Regenwürmer. Die Schnäbel der Jungvögel sind erst nach einem Jahr richtig ausgehärtet, deshalb bevorzugen sie bis dahin weichere Samen von Ahorn, Buche, Hainbuche, um nur einige zu nennen. Danach geht er an Kirsch-und Pflaumenkerne.. Den Pflaumenkern legt er sich flach in den Schnabel und zerquetscht ihn. Dabei erzeugt er einen unvorstellbar hohen Druck. Wir bräuchten dafür einen Schraubstock oder einen Hammer. Diese seine Stärke ist den anderen Vogelarten der Kleinvögel wohlbekannt, deshalb haben auch alle Respekt vor dieser lebenden Kneifzange. Es ist die größte heimische Finkenart und noch dazu eine sehr schöne.
Kenbeißer
(c) Jürgen Engelmann

Kernbeißer fackeln nicht lange, wenn es um Frauen oder um Futter geht. Und obwohl sie einen der kräftigsten Schnäbel der heimischen Vogelwelt haben, mit dem sie durchaus in der Lage sind, Pflaumen-Kerne zu knacken, verletzen sie sich nie ernsthaft. Meistens ist das Imponiergehabe.
Auf dem Bild zwei Männer.

Star und Kernbeißer
(c) Jürgen Engelmann Star und Kernbeißer

Alle heimischen Vögel kennen, auch aus eigener Erfahrung, die Kraft, die im Schnabel eines Kernbeißers steckt. Und doch legen einige sich mit ihm an. Hier im Beispiel der Star.

Kernbeißer und Spatz
(c) Jürgen Engelmann Kernbeißer und Spatz

Es gibt immer wieder Wesen, in diesem Fall eine Amsel, die glauben, durch ihre Körpergröße, Anderen, den körperlich Kleineren, in diesem Fall dem Kernbeißer überlegen zu sein.
Dazu reichen aber Körpergröße und große Klappe nicht aus. Oft gehört mehr dazu, wie dieses Beispiel zeigt.
Da sind die Vögel nicht weit von uns entfernt.
Eine Abfolge solchen Verhaltens zeigen die folgenden Bilder.
Ich empfehle die Vergrößerung wegen der Reihenfolge.

Amsel und Kernbeißer
(c) Jürgen Engelmann Amsel und Kernbeißer

Auch die Wacholderdrossel versucht, gegen den Kernbeißer die Oberhand zu gewinnen - vergebens. Sie gibt später auf.

Wacholderdrossel und Kernbißer
(c) Jürgen Engelmann Wacholderdrossel und Kenbeißer

Hier haben sich zwei gewichtige Schnäbel ernsthaft etwas zu sagen. Die reden gewiss nicht über das Wetter.

Buntspecht und Kernbeißer
(c) Jürgen Engelmann Buntspecht und Kernbeißer
Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Sonntag, 05 Mai 2019 21:16)

    Der Kernbeisser braucht vor allem Mischwald und darin einige Hainbuchen,Carpinus betulus, Hornbeam. Im nahegelegenen Essex ist eine grosse Kolonie von Kernbeissern. Es muessen Eichen und Buchen dabeisein, wegen ihrer Fruechte.
    Conrad Gessner beschrieb den Kernbeisser 1555. Jaques Brisson folgte 1760 als er ihn in eine eigene Gruppe stellte. Der englische Name Hawfinch kam durch Francis Willughby 1676.
    Die roten Fruechte des Crataegus monogyna sind ebenfalls wichtige Nahrung.im Deutschen Mehlbeere.Wir sammelten und assen diese Beeren gern direkt vom Baum Ein paar bekannte Kolonien von Kernbeissern sind im Royal Garden in Edinburg, Scotland und in den Brecklands in East Anglia.
    Ich fand immer, dass ein aggressives Verhalten nur beim Fressen und Trinken auftrat.
    Etwas Einmaliges ist, dass der maennliche Kernbeisser die Stelle des Nestes aussucht und den Anfang macht mit dem Nestbau. Erst nach Tagen uuebernimmt das Weibchen diese Aufgabe. Ich glaub, dass der maennliche Dompfaff es ebenso macht.
    Lieber Juergen, Eva wies bereits hin auf die Lebendigket der kaempferischen Voegel, die sich nicht einschuechtern lassen wollen, aber immer den Kuerzeren ziehen. Das wird klar, wenn man zufaellig gelesen hat, dass die Leistung des Kernbeisserschnabels bei 30-48 kg liegt. Eine grossartige Vorstellung der Kernbeisser.

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 15 April 2019 15:36)

    Da geht einem das Herz auf!
    Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass ein Mensch so tief eintauchen kann in die Vogelwelt, ihr Verhalten, ihre Psyche derart exakt deuten, solche ausdrucksvollen Fotos dazu machen kann. Ja, es kann 1:1 auf den Menschen übertragen werden, wenn er schreibt (und eindeutige Beweisfotos liefert): “Es gibt immer wieder Wesen, (...) die glauben, durch ihre Körpergröße, Anderen, den körperlich Kleineren (...) überlegen zu sein.Dazu reichen aber Körpergröße und große Klappe nicht aus. Oft gehört mehr dazu (...).“