Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Winterquartier für Fledermäuse

Text: Sybille Waibel

Foto: Arthur Strauch

30.10.2018

Fledermäuse
(c) Arthur Strauch

 Fledermäuse gehören nicht nur zu den einzigen fliegenden Säugetieren, sondern reisen im Herbst ähnlich wie Vögel in mildere Gefilde: Bei den Fledermäusen weichen einige Arten dem Winter aus. Auch im Paarungsverhalten weisen sie einige Eigentümlichkeiten auf.

Anders als die in der Nacht ziehenden Singvögel, die im Dunkeln keine Beute machen können, jagen Fledermäuse ohnehin im Dunkeln ähnlich geschickt wie Vögel im hellen Tageslicht. Um sich zu orientieren, stoßen die fliegenden Säugetiere hohe Schreie in Frequenzbereichen aus, die das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmen kann. Die äußerst empfindlichen Fledermausohren aber hören die Echos

ihres unhörbaren Gebrülls sehr gut. Fledermäuse sehen also mit den Ohren und können so im Nachtflug Beute machen.

In der warmen Jahreszeit klappt diese Echoortung hervorragend, mit den kühler werdenden Nächten im Herbst aber fliegen kaum noch Insekten. Dann suchen die Fledermäuse sich ein Winterquartier in einer Höhle oder auch in Kirchtürmen, Hausruinen oder dunklen Kellern. Dort hängen sie dann kopfüber an Vorsprüngen

an der Wand oder der Decke, ihr Herz schlägt nur noch langsam, während die Körpertemperatur kaum sinkt. In dieser Winterschlaf braucht der Organismus kaum noch Energie und die Fledermäuse kommen mit ihren Fettvorräten über die nahrungsarme Jahreszeit.

Die Rauhautfledermäuse im Nordosten Europas und andere Arten überwintern dagegen in Hohlräumen in Bäumen. Während Höhlen und Hausruinen zwar relativ niedrige Temperaturen haben, aber strenger Frost dort kaum vordringt, würden Fledermäuse in Baumhöhlen in den eisigen Winternächten Skandinaviens oder des Nordostens Europas erfrieren. Aus diesem Grund brechen solche Fledermäuse im

Frühherbst auf und ziehen in wärmere Gefilde. Allerdings wandern die fliegenden Säugetiere dabei nicht so weit wie Vögel, die keine Winterruhe kennen und daher bis in Regionen fliegen, in denen sie auch in der kalten Jahreszeit ausreichend Nahrung finden. Die ziehenden Fledermäuse suchen sich ihre Winterquartiere

gerade einmal zweitausend Kilometer von ihrer Heimat entfernt im Bodenseeraum oder in Frankreich, wo die Nächte nicht gar so kalt wie im Nordosten werden. Vor ihrem Zug nach Süden oder auf dem Weg dorthin aber denken viele Fledermäuse erst einmal an das andere Geschlecht. Die männlichen Großen Abendsegler beginnen einen Musikwettbewerb. Aus Fledermauskästen und Vogelhäuschen

schmettern die Romeos dann ihre Lieder in die Abendluft, denen auch menschliche Ohren folgen können. Allerdings klingt das Ganze eher nach einem kläglichen Fiepen. Fledermausweibchen dagegen empfinden diese Darbietung eher als echten Gesangswettstreit, in dem die verschiedenen Männchen ganze Strophen komponieren, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Dabei sind die Abendsegler äußerst kreativ und erfinden immer neue Gesänge. Die großen Abendsegler bringen im Frühjahr meist Zwillinge zur Welt. „Oft aber

stammen die beiden Geschwister von unterschiedlichen Vätern“. Im Herbst paaren sich die Weibchen meist mit verschiedenen Männchen.

Wenn im Frühjahr die Nachtfalter wieder zu schwärmen beginnen, kommen die Fledermauszwillinge zur Welt. Nur jetzt findet die Mutter genug Nahrung, um den Nachwuchs großzuziehen, während die Männchen wieder Kräfte für den Gesangswettstreit im Herbst sammeln

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 13 November 2018 15:31)

    Immer wieder bin ich dankbar für Sybilles Beiträge, nicht nur, um mehr Erstaunliches über Fledermäuse zu erfahren, sondern auch vieles zu ihrem Schutz zu lernen. Dadurch bin ich auch aufmerksamer geworden und seit ein paar Tagen habe ich ein schlechtes Gefühl: Bei uns im Karree wird ein Dach komplett neu gedeckt, es ist ein recht altes Haus, an dem wohl lange nichts gemacht wurde, also keine ausgebaute Mansarde oder so. Jedesmal wenn ich jetzt hinüberschaue, habe ich Angst, dass dort eventuell Fledermäuse eine Heimat hatten. Gestern bin ich hingegangen und habe die Dachdecker gefragt, ob sie etwas beobachtet hätten beim Abdecken der alten Dachplatten. Sie sagten, dass sie von nichts wüssten. Ich habe ihnen dann einen kleinen Vortrag gehalten, falls sie zukünftig mal bei ihrer Arbeit mit Fledermäusen konfrontiert werden und habe ihnen die Kontaktnummer des Landesfachausschusses in D'dorf gegeben, der sich auch um Erfassung und Monitoring lokaler Fledermausvorkommen kümmert, als Ansprechpartner für Fragen rund um den Fledermauschutz da ist und für 1.Hilfe-Maßnahmen für verletzte Fledermäuse zur Verfügung steht. Der LFA-Fledermauschutz unterstützt zudem das "Fledermausfreundliche Haus". Ich hoffe, dass die Handwerker nicht nur so getan haben, als interessiere sie das. Verwunderlich nur, dass sie offensichtlich bislang nichts davon wussten, was man bei Dachdeckern ja eigentlich vermuten sollte.