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Lebensraum Höhlen

Text: Sybille Waibel

Foto: Olivier Fiechter

08.09.2016

Wasserfledermaus
(c) Olivier Fiechter Wasserfledermaus

 

Lebensraum Höhlen sind auf den ersten Blick keine Lebensräume denen man eine besondere Bedeutung beimisst, da sie für den Menschen aufgrund ihrer Dunkelheit eher lebensfeindlich wirken. Und doch spielen sie eine wichtige Rolle als Lebensraum, insbesondere für unsere Tierwelt.

Höhlen haben zudem eine hohe, wenig schwankende Luftfeuchtigkeit. An diese Bedingungen hat sich eine spezielle Artengemeinschaft angepasst.

Im Eingangsbereich können sich Moos oder Algenüberzüge auf dem Gestein bilden. Im Inneren der Höhle haben allenfalls Pilzarten eine Überlebenschance, da sie kein Sonnenlicht benötigen. Umso bedeutender sind Höhlen als Lebensraum für Tiere. Auch in Deutschland gibt es Arten, die ausschließlich in Höhlen leben sogenannte Troglobionten. Meistens handelt es sich aber nicht um so markante Tiere, wie den Grottenolm, einem augenlosen Lurch ohne Farbpigmente, der in Deutschland natürlicherweise nicht vorkommt. Unter den Gliedertieren - z.B. aus den Gruppen der Flohkrebse, Weberknechte, Springschwänze und Pseudoskorpione gibt es aber sehr wohl Arten, die auch in Deutschland vorkommen. Oder beispielsweise Spinnenarten wie die Höhlenkreuzspinne oder Höhlenasseln, welche zu den Krebstieren gezählt werden. Bekannter sind Höhlen als Lebensraum für Tiere, welche diese nur zeitweise Nutzen. Hier sind insbesondere die Fledermäuse und auch Lurche wie der Salamander zu nennen. Die konstante Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über dem Gefrierpunkt, selbst wenn im Winter außerhalb der Höhlen tiefste Temperaturen herrschen, lassen Höhlen zu idealen Überwinterungsräumen werden. Selbst unter den Nachtfaltern gibt es Arten, welche Höhlen als Überwinterungsraum nutzen.

Die Begehung von Höhlen erfreut sich wachsender Beliebtheit. Neben Schauhöhlen, die normalen Besuchern zugänglich sind, gibt es Höhlen, die regelmäßig mit geführten Gruppen erkundet werden, wofür man bereits eine besondere Ausrüstung braucht. Auch unerschlossene Höhlen werden begangen, beklettert und erforscht.

Eine Reihe negativer Auswirkungen kann als Folge dieser Begehungen auftreten. Hierzu gehört in erster Linie hinterlassener Müll und die Verschmutzung des Höhlenwassers. Aber auch das Abbrechen von Tropfsteinschmuck durch Mineraliensammler beeinträchtigt die Höhlen. Durch den Qualm und Ruß von Fackeln können Fledermäuse und Höhleninsekten geschädigt werden. Probleme entstehen auch, wenn im Eingangsbereich übernachtet oder Feuer gemacht wird.

Lebensraum Baum

Eine Baumhöhle entsteht meist durch die Arbeit des Spechtes. Nachmieter der Höhlen, sekundäre Höhlenbewohner sind andere Vogelarten, Säugetiere oder auch Insekten. Durch die Höhlenbewohner wird Nistmaterial in die Höhle eingebracht und die Höhle auch erweitert. Im Kompost dieses Materials finden sich weitere Zersetzer ein, die schließlich eine Mulmmasse produzieren. Alte Mulmhöhlen sind selten und genauso selten sind ihre Bewohner.
Bei der Wahl der Nisthöhle sind Faktoren, wie die Höhe am Stamm, der Querschnitt des Höhleneingangs oder die Tiefe des Lochs von Bedeutung. Auch die Größe der Höhle ist entscheidend.

Die Himmelsrichtung ist ebenfalls ein Faktor für die Besiedelung. An wärmeexponierten Stämmen ziehen nicht selten Bienen-, Hummel- oder Hornissenköniginnen ein und gründen einen Staat. Auch Ameisen besiedeln noch stehendes Totholz über einen Höhleneingang. Fledermäuse können in Baumhöhlen sogar überwintern. Wenn es viel Schnee hat, besuchen vorwiegend bodenlebende Säugetiere ebenfalls die trockeneren Baumhöhlen. Ein seltener Höhlenbrüter ist die vom Aussterben bedrohte Blauracke. Sie besiedelt Höhlen des Grünspechtes und des Schwarzspechtes in Weiden, Buchen oder Obstbäumen.

Fledermäuse nutzen im Lauf eines Jahres verschiedene Lebensräume. Als Jagdreviere bevorzugen sie abwechslungsreiche, möglichst naturnahe Landschaften. Als Sommerquartiere dienen warme und trockene Plätze in Dachstühlen, unter Holzverkleidungen, in Mauerspalten oder Baumhöhlen.

Die Winterquartiere, in denen die Fledermäuse ihren Winterschlaf halten, müssen feucht und kühl, aber möglichst frostfrei sein. Hauptsächlich werden dazu Höhlen, Stollen, feuchte Keller und Baumhöhlen aufgesucht. Waldfledermäuse, wie die noch relativ häufige Fransenfledermaus, bewohnen naturnahe Mischwälder, Lichtungen und Waldränder. Als Wochenstuben und Tagesquartiere nehmen sie natürliche Baumhöhlen, ersatzweise auch Nistkästen an.

Hausfledermäuse sind an den menschlichen Siedlungsraum und die offene Kulturlandschaft gebunden. Sie bevorzugen Unterschlupfmöglichkeiten in und an Gebäuden.

Für Fledermäuse sind zahlreiche Gefährdungsursachen bekannt, die gravierendsten liegen beim Menschen! Zwar werden für den Rückgang einiger Arten auch klimatische Veränderungen in Erwägung gezogen, z.B. bei den beiden Arten der Hufeisennasen im mittleren und südlichen Teil Deutschlands und beim Großen Mausohr in Norddeutschland, doch haben auch hier menschliche Eingriffe immer zum Verschwinden der Restpopulationen am Rande ihres Verbreitungsgebietes beigetragen.

Als sehr schwerwiegende Gründe für die Gefährdung der Fledermäuse gelten, neben den Quartierverlusten, sicher auch die Verringerung des Nahrungsangebotes infolge von Änderung und Intensivierung der Landnutzung und des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. Außerdem stellt die Kontamination mit Umweltgiften eine Bedrohung dar.

Alte hohle Bäume werden gerodet, alte Türme und Dachstühle und andere Gebäude renoviert, abgerissen oder verschlossen, Stollen werden aus Sicherheitsgründen zugemauert - lebenswichtige Schutz- und Fortpflanzungsräume gehen so verloren.

Bauten, Verkehr und Haustiere

Aus Steigrohren, Kaminen, Hohlräumen in Brücken etc. können Fledermäuse auch kletternd nicht mehr entkommen; in kleineren Wassergefäßen können sie ertrinken. Häufig werden sie Opfer unseres Geschwindigkeitswahns, also des Auto- und Zugverkehrs. Hauskatzen sind die ärgsten Jäger, die der Mensch auf sie loslässt.

Versehentliche Störungen im Winterquartier oder in der Wochenstube können tödlich enden, und selbst vorsätzliche Tötung kommt vor: bei Renovierungsmaßnahmen, weil die Tiere als "Ungeziefer" eingestuft werden, und sogar aus Spaß am Töten, wenn die Tiere in ihren Höhlen aufgestöbert werden.

 

Fledermaus
(c) Olivier Fiechter
Kommentare: 2
  • #2

    Sybille (Sonntag, 02 Oktober 2016 13:24)

    Durch Gebäudesanierungen und Abriss alter Gemäuer, sowie das Fällen von alten Bäumen, aus verkehrsicherheitlichen Gründen gehen viele Quartiere verloren. Es ist daher unbedingt notwendig Ersatzquartiere für die Tiere anzubieten. Es gibt unterschiedliche Fledermausbehausungen. Generell kann man sagen flache Spaltenquartiere sind für die Gebäudewohnenden Arten und runde Quartiere für die Baumbewohnende Fledermäuse geeignet. Für Fragen rund um die Fledermausquartiere gibt es beim NaBu oder einem Fledermausschutzverein viele gute Tipps.
    Flatterige Grüße
    Sybille

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 Oktober 2016 14:27)

    Aufgrund des gestiegenen Bewusstseins für die Fledermäuse hoffe ich sehr, dass Städte und Gemeinden und auch Bauherren bei ihren Neu- Umbau- und Abrissplanungen die Fledermäuse fest in ihre Projekte einbeziehen. Dasselbe sollte für die Garten- und Forstämter gelten und für Friedhofsverwaltungen. Ich weiß für meine Stadt Düsseldorf, dass das Umwelt- und Gartenamt zumindest aufmerksam ist, und der Fledermausschutz weitgehend berücksichtigt wird.