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Ein Nistplatz für Fledermäuse, Mauersegler und Co.

Mausohr
(c) Olivier Fiechter Mausohr

 

Wohnungsbaugesellschaften & Landeshauptstadt Hannover setzen Artenschutz an Gebäuden vorbildlich um.

BUND Arbeitsgruppe Mauersegler berät und stellt Transparente

„Ein Platz für Spatz und Co“ zur Verfügung

 

Hannover, den 26.3.2015: Der Frühling ist da und mit ihm auch wieder die neue Saison zur Sanierung des Wohnungsbestandes. Der BUND weist in diesem Zusammenhang wieder auf die stark bedrohten Mauersegler, Mehlschwalben und andere Gebäudebrüter hin, die durch Sanierungen zu Tausenden ihre Niststätten verlieren.

Doch einige Wohnungsbaugesellschaften und auch die Landeshauptstadt Hannover haben sich den Artenschutz an Gebäuden zur Chefsache gemacht: Jedes Gebäude der Landeshauptstadt, dass saniert oder neu gebaut wird, erzählt neue „Wohnungen“ für unsere tierischen Untermieter. So wird das neue Volkshochschulgebäude an der Leine mit einer Vielzahl von Quartieren für Fledermäuse und Nisthilfen für Spatzen und Mauerseglern ausgestattet. Zu-vor gab es gemeinsame Beratungen und Vororttermine mit den ehrenamtlichen ExpertInnen vom BUND mit den Planern.

Auch die Firma Meravis ist in den vergangenen drei Jahren vorbildlich bei der Sanierung ih-rer Bestandsgebäude vorgegangen: Für die Architekten Andreas Merchel und Lars Ha-kemeyer bedeutet ökologisch sanieren nicht nur Dämm-Werte einzuhalten, sondern auch, die Lebensstätten von Mauerseglern, Spatzen und Fledermäusen an den Gebäuden aus der Nachkriegszeit zu erhalten. Diese Lebensstätten sind durch §44 des Bundesnaturschutz-Gesetzes streng geschützt, eine Erhaltung ist somit vorgeschrieben und es gibt zahlreiche Lösungsmöglichkeiten, dieser Verpflichtung nachzukommen, indem z.B. spezielle Nistkästen in die Wärmedämmung integriert werden oder unter den Dachüberstand montiert werden. Die Architekten von Meravis erarbeiteten zusammen mit der AG Mauersegler des BUND sogar eine ganz eigene pfiffige Lösung, bei der die Nistplätze direkt in die Dachkonstruktion mit eingebaut wurden. Dadurch wurden nicht nur bestehende Nistplätze erhalten, sondern dar-über hinaus unauffällig zahlreiche neue geschaffen. Zusätzlich zu vielen Mauersegler- und Spatzennischen wurden auch noch Nistkästen für Dohlen und Spaltenquartiere für Fleder-mäuse in großer Anzahl montiert. Bei den Wohnblöcken, die 2012 in Langenhagen schon in dieser Weise saniert wurden, kann bereits beobachtet werden, dass diese neuen „Wohnungen“ / Quartiere auch sehr gut angenommen werden. Dieses herausragende Engagement sollte auch anderen Wohnungseigentümern zum Vorbild dienen.

"Wir haben hierfür ordentlich Geld in die Hand genommen, aber der Erhalt der typischen Siedlungsvögel ist für ein Wohnquartier eben auch sehr wichtig." weiß Lars Hakemeyer von Meravis. Spatzen und Dohlen sind für einen so dicht besiedelten Stadtteil wie Hainholz wichtig für die Hygiene des Quartiers: auf Spielplätzen und in Grünflächen räumen diese Vogelarten akribisch auf, so dass verwilderte Stadttauben, die einen Spielplatz durch ihre Hinterlassenschaften echt verderben können, keinen gedeckten Tisch mehr vorfinden. Dohlen vertreiben die Stadttauben allein schon durch ihre Anwesenheit und sind somit eine gute Alternative zu taubenabweisenden "Pieksern", die häufig mit mäßigem Erfolg gegen Stadttauben-Schwärme an Gebäuden angebracht werden.

Regine Tantau von der BUND Arbeitsgruppe Mauersegler weiß: „Auch die Mauersegler sind von unschätzbarem Wert für unsere Wohnviertel: wo Mauersegler vorkommen, gibt es nachweislich viel weniger Plagegeister: Mücken, Wespen, Fliegen und Blattläuse, sie sind sehr effektive Insektenfänger, so dass der Abend auf dem Balkon auch erholsam ist.“

Mauersegler, "unsere Sommerbringer", die munteren Spatzen und die klugen Dohlen sind aber nicht nur sehr nützlich sondern auch sehr beliebt bei Stadtbewohnern, ihre Anwesenheit erhöht den Wohnwert eines Viertels deutlich, wie Umfragen immer wieder zeigen.

Rose-Marie Schulz, aktives BUND Arbeitsgruppenmitglied betont, dass auch die GBH, der Spar-und Bauverein , die KSG Hannover, Gundlach und einige Hausverwaltungen in den vergangenen Jahren durch den großzügigen Einbau von Nistkästen dazu beigetragen haben, für die bei Stadtbewohnern so beliebten Mauersegler und Fledermäuse im Fortbestand zu sichern. „Wir haben deshalb ein 3 Meter langes Transparent unter dem Motto EIN PLATZ FÜR SPATZ UND CO entwickelt, dass Wohnungsbaugesellschaften bei uns leihen können, um zu zeigen, dass hier der Artenschutz ernst genommen wird.“ Ein erstes Transparent hängt jetzt schon bei der Firma Gundlach!

 

Auch Gebäude der Firma Rex haben in ihrem Bestand besonders gelungene Lösungen an alten Gebäuden vorgenommen; hier sind fast unsichtbar 22 Nisthilfen im Giebel integriert worden.

In vielen Stadtteilen, wo überwiegend private Hauseigentümer sanieren, sind leider in den vergangenen Jahren fast alle Nistplätze von Gebäudebrütern verlorengegangen, meist aus Unkenntnis über die Nistplätze und ihren gesetzlichen Schutz. Die wenigsten ahnen, dass die Spatzen, an deren Schwatzen im Gebüsch sie sich erfreuen, tatsächlich ihre Nester nicht im Gebüsch haben, sondern unter den Dachpfannen. Um diesem rapiden Abwärtstrend dieser Vogelarten entgegen zu wirken, ist das Engagement der größeren Wohnungsgenossenschaften und Wohnungseigentümer zur Schaffung neuer Nistplätze unendlich wichtig!

Der BUND-Region Hannover berät bei Sanierungen gern!

Wer Interesse am Transparent „Ein Platz für Spatz und Co“ hat, kann sich an den BUND direkt wenden bund.hannover@bund.net oder (0511) 660093 (ggf. Nachricht auf Anrufbeantworter lassen).

 

Kontakt BUND Region Hannover: 0511- 660093 oder bund.hannover@bund.net

 

Mauersegler
Von Klaus Roggel, Berlin - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2974835
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Freitag, 01 Mai 2015 16:26)

    Zu Mauerseglern habe ich ein ganz besonderes Verhältnis, wohl durch ein Erlebnis in früher Kindheit, als ich einen Vogel fand, der wohl sehr geschwächt war und zudem in Schreckstarre gefallen war. Damals, in den frühen 1950ern, durften kleine Mädchen noch allein durch die Straßen ziehen, also wickelte ich das Tierchen in meine leichte Jacke und brachte es zu dem in unserem kleinen Städtchen allseits bekannten „Vogelopa“, der den geschwächten Vogel ein paar Tage bei sich wieder aufpäppelte. Ich durfte ihn jeden Tag besuchen u. war auch dabei, als er durch das Dachfenster gesund in die Freiheit entlassen werden konnte. Nichts Besonderes, aber prägend.
    Jahrzehnte später wohnte ich in einer Dachwohnung in Düsseldorf mit großer freier Terrasse und wartete jedes Jahr auf die Mauersegler, saß an warmen Sommerabenden draußen, wo sie manchmal dicht über meinem Kopf schreiend die Luft auf der Jagd durchsichelten. Waren sie weg, war auch für mich wieder ein Sommer vorbei. Heute, am 1. Mai, warte ich natürlich wieder auf sie, auf ihre Schreie. Aber es sind von Jahr zu Jahr weniger geworden… Um so mehr freut mich der Beitrag, der ja auch über Nistmöglichkeiten anderer Tiere aufklärt, z.B. Hausspatzen, die es in Düsseldorf so gut wie überhaupt nicht mehr gibt. Auch für Fledermäuse wird es zusehends schwieriger hier (es gibt bei uns 12 Arten). Durch den Beitrag bin ich animiert worden, einmal beim Umweltamt der Stadt und/oder dem BUND Düsseldorf anzuregen, etwas unternehmen, wie dies ja laut Bericht in anderen Städten möglich geworden ist. Bei den Wohnungsbaugesellschaften fehlt es vielleicht weniger an gutem Willen, sondern an der richtigen Aufklärung.