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Porträt: Rauhautfledermaus

Text und Fotos: Sybille Waibel

11.09.2017

Rauhautfledermaus
(c) Sybille Waibel Rauhautfledermaus

 Rauhautfledermaus

 (Pipistrellus nathusii)

 

Benannt wurde die Rauhautfledermaus nach dem deutschen Züchtungsforscher Hermann Engelhard von Nathusius (1809 bis 1879), dem sie ihren wissenschaftlichen Namen verdankt. Ihre Schwanzflughaut ist etwa bis zur Hälfte behaart, was zu ihrem deutschen Namen führte.

Rauhautfledermäuse sind nur wenig größer als die nah verwandten Zwerg- und Mückenfledermäuse. Sie gelten als "Waldfledermäuse", da sie gerne Sommerquartiere in Baumhöhlen oder Fledermauskästen beziehen. Aber auch Quartiere an Gebäuden sind nicht selten. Sie leben nicht in Kolonien, sondern bewohnen in kleineren Gruppen Baumhöhlen und Spalten. Man findet sie bevorzugt in Gewässernähe – zum Beispiel in Auwäldern aber auch an Waldrändern und in Parks.

 

Die Wochenstuben können dann aus weit über 100 Weibchen bestehen. Die Rauhautfledermaus fliegt etwa 50 Minuten nach Sonnenuntergang aus, nach Geburt der Jungen auch deutlich eher. Sie jagt zumeist in 4-15 m Höhe entlang von Schneisen, Wegen, an Waldrändern oder über Gewässern. Ihre Nahrung besteht ausschließlich aus Fluginsekten, von welchen an Gewässer gebundene Insekten wie Zuckmücken einen sehr hohen Anteil ausmachen. Die Wochenstubenquartiere werden nicht selten mit anderen Fledermausarten geteilt. Ab Ende Mai bringen die Weibchen in der Regel zwei, selten auch drei Junge zur Welt. Ihre Wochenstubenquartiere können die Rauhäute im Sommer mehrfach wechseln.

Ab Mitte Juli werden die Wochenstuben aufgelöst und die Balz beginnt. Die reviertreuen Männchen beziehen während dieser Zeit individuelle Paarungsquartiere in Nähe der Wochenstuben oder auf der Zugstrecke sowie in Nähe der Winterquartiere. Über ihre Balzrufe locken sie vorbeiziehende Weibchen an. In den Harems mit etwa 3-10 Tieren werden auch junge Männchen akzeptiert. Die Winterquartiere werden schließlich ab Oktober bezogen. Rauhautfledermäuse sind Langstreckenflieger! Die Fortpflanzungsgebiete dieser Art befinden sich im Nordosten Europas, die Winterquartiere hingegen liegen häufig über 1000 km südwestlich davon. Diese unscheinbare Art hat sogar den Weltrekord im Fledermausflug erreicht. Die weiteste bekannte Entfernung legte ein Tier mit 1.905 km zwischen Lettland und Südfrankreich zurück! Damit legt sie weitere Strecken zurück als ihre wandernden Verwandten wie die Zweifarbfledermaus oder der Große Abendsegler.

Im Winter immer wieder einzelne Rauhautfledermäuse in Brennholz- oder Sägeholzstapeln gefunden. Weitere Winterquartiere sind Felsspalten, Mauerspalten oder Baumhöhlen. Dort halten sich die Tiere entweder einzeln oder in kleinen Gruppen auf.

Rauhautfledermaus
(c) Sybille Waibel Rauhautfledermaus
Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Samstag, 07 Oktober 2017 21:34)

    Man nahm erst an, dass die Nathusi -Fledermaeuse Irlaeufer oder Ueberwinternde seien in GB. Sie lieben groesse Suesswasserseen, Fluesse und Kanaele. Da ihre Rufe sehr viel tiefer liegen, kann man sie eher hoeren, sie liegen bei 20-30 oder 38 kHz. Man registrierte sie auf Oel-Plattformen in der Nordsee und auf den Inseln Shetland, Orkney, Jersey, Guernsey,Isle of Wight, sowie auf dem Festland. Sie scheinen sich erfreulicherweise auszudehnen.
    Liebe Sybille, Dein Einsatz fuer behinderte, verletzte Fledermaeuse ist grossartig. Es ist so erfreulich, dass es zwischen unseren Facebook Freunden mehrere Experten gibt, die sich ebenso intensiv fuer Fledermaeuse einsetzen und Fuehrungen anbieten fuer Eltern und Kinder. wie du es machst. Kinder haben ein natuerliches Gefuehl und grosse Begeisterungsfaehigkeit, die bei einer Fledermausfuehrung im Halbdunkel lebenslaengliche Freude an Fledermaeusen erzeugen kann.Naechtliches Aufbleibenduerfen, hat einen grossen Reiz.

  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 03 Oktober 2017 09:58)

    So viele Fledermausarten hat Sybille uns im Laufe der Zeit schon vorgestellt, hier in der Naturwelt, aber auch auf ihrer facebook-Seite, dass man über die Vielfalt nur staunen kann. Und doch hat jede in der großen Familie dieser Tiere ihre Besonderheit. Durch Sybilles nähere Beschreibungen und ihren persönlichen aufopfernden Einsatz für die Flattertierchen kann man gar nicht anders als sie lieb zu gewinnen (und unsere Sybille auch). Danke!!!