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Porträt: Hufeisennase

Text und Foto: Sybille Waibel

22.08.2017

Fledermaus Hufeisennase
(c) Sybille Waibel Hufeisennase

 

Hufeisennasenfledermäuse

Hierzulande gibt es die kleine und die große Hufeisennasenfledermaus, beide Arten werden als stark gefährdet eingestuft. Es gibt nicht mehr viele Quartiere für diese seltenen Fledermäuse.

Diese Fledermausart müsste jedem bekannt sein, und zwar von dem Bau der Waldschlösschenbrücke durch das UNESCO-geschützte Dresdner Elbtal.

Beide Arten verbindet folgende verblüffende Fähigkeiten mit ihrem Echoortungssystem, dem komplexesten im ganzen Tierreich, können Hufeisennasen sogar Insektenarten voneinander unterscheiden. Eine Besonderheit der Hufeisennasen ist, dass sie gleichzeitig rufen und horchen können. Auf dem Speiseplan der Kleinen Hufeisennase stehen kleinere Käfer, Nachtfalter und Fliegen. Große Hufeisennasen ernähren sich auch von Maikäfern, Schnaken, Spinnen oder Köcherfliegen. Hufeisennasen wickeln sich beim Schlafen in ihre Flughäute ein.

 

Die Große Hufeisennasenfledermaus (Rhinolophus ferrumequinum)

Die große Hufeisennase ist eine der größten Fledermausarten Europas. Sie ist ähnlich groß wie eine Amsel.

In Deutschland sind für die Große Hufeisennase nur noch 3 Standorte nachgewiesen, davon nur eine einzige bekannte Wochenstube ! Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1992 in Hohenburg im Lauterachtal wird sie streng geschützt, damit die hoch bedrohten Fledermäuse überleben.

Die Weibchen bringen zwischen Ende Juni bis Ende Juli ein einziges Jungtier pro Jahr zur Welt, das nach 16-18 Tagen bereits flügge ist. Die Männchen sind mit 2 Jahren, die Weibchen erst mit 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif. Die Männchen sind von Wochenstuben ausgeschlossen. Sie verbringen den Sommer einzeln oder in kleinen Gruppen.

 Die Große Hufeisennase ist gewöhnlich standorttreu und führt nur kurze saisonale Wanderungen zwischen Winter- und Sommerquartier durch, selten über größere Entfernungen als 30 km.

Die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Die Lebensräume der Kleinen Hufeisennase liegen in klimatisch begünstigten und strukturreichen Landschaften. Thüringen sind eines der wenigen Bundesländer, wo sich die zierliche Hausbewohnerin wohl fühlt.

Bei der nächtlichen Nahrungssuche befliegt die Kleine Hufeisennase überwiegend Wälder aber auch halb offene Landschaften wie Alleen, Streuobstwiesen und Ufergehölze. Stets nutzt sie dabei Leitstrukturen wie Hecken und Gehölze um in deren Schutz die Jagdgebiete zu erreichen.

Die Wochenstubenquartiere der Weibchen befinden sich in zugluftfreien Dachböden z.B. von Burgen, Kirchen oder in warmen Kellerräumen.

Für die Überwinterung ist die Kleine Hufeisennase auf frostfreie ungestörte und lichtarme Räume angewiesen. Im Unterschied zu manch anderen Fledermausarten verlässt sie ihren Sommerlebensraum nicht, sondern nutzt Winterquartiere im selben Gebiet. Bevorzugt werden Keller, Bergbaustollen, Schächte und natürliche Felshöhlungen.

 

Hufeisennasenfledermaus
(c) Sybille Waibel Hufeisennase
Kommentare: 3
  • #3

    Sybille (Sonntag, 17 September 2017 12:33)

    Herzlichen Dank für die neuen Erkenntnisse , liebe Erika. Es ist immer wieder verblüffend wie sich die einzelnen Arten spezialiesiert haben. Liebe Eva, die Wahrscheinlichkeit ist groß dass deine zwei Fläuse schon auf der Suche nach Weibchen ein anderes Areal ausgesucht haben, und im nächsten Jahr dann leider auf Wohnungssuche sind. Vllt gibt es die Möglichkeit Fledermauskästen aufzuhängen?
    Flatterige Grüße Sybille

  • #2

    Eva Schmelzer (Dienstag, 05 September 2017 17:28)


    Ich freue mich immer wieder, wenn uns unsere Fledermausmama - nein, unser Fledermausengel - Sybille eine der Arten vorstellt. Ich habe durch sie bereits schon sehr viel gelernt über diese ganz besonderen Tiere und sie somit ins Herz geschlossen. Ich hoffe sehr, dass durch die Arbeit verschiedener Organisationen, aber auch durch den unermüdlichen Einsatz Einzelner - wie z.B. Sybille - das Bewusstsein in der Bevölkerung geweckt wird, diesen Tieren, von denen in meinem Bundesland NRW alle auf der Roten Liste stehen, einen Lebensraum zu erhalten bzw. neu zu schaffen. Der Kampf ums Überleben ist durch die dramatisch sinkende Insektenzahl ohnehin übermächtig geworden. Ich wünsche allen Fledermäusen, die jetzt wohl schon auf der Suche nach einem Winterquartier sind, dass sie ein sicheres Zuhause finden. Es macht mich seit Wochen traurig, dass ein Haus in meinem Karree kernsaniert wird, auch das Dach wurde komplett abgetragen und erneuert. Es gab zwei Fledermäuse in meiner unmittelbaren Nähe, die ich länger nicht gesehen habe - ich hoffe nicht, dass sie dort ihr Zuhause verloren haben. Mein Balkon ist völlig ungeeignet, um einen Fledermauskasten anzubringen.

  • #1

    Erika (Sonntag, 03 September 2017 16:50)

    Ich denke bei Grossen Hufeisen Fledermaeusen an den Hufeisen Nasen Aufsatz.Es ist ein Hufeisen und ein Sporn,der bei Abstrahlung der Orientierung helfen kann.Die zwei Nasenloecher mit ihren vorne offenen Gruben und davor ein Tasthaar.
    Die Gruben und Tasthaare helfen die Luftstroeme beim Fliegen zu erkennen.
    Und ein besonderes Paarungsverhalten wurde 2005 von der Universitaet in London geprueft, in einem 30 km weitem Umkreis bei Maennchen und Weibchen. Ein 'Vaterschaftstest' innerhalb einer Familie ergab, dass ein spezielles Maennchen immer wieder zur Paarung gewaehlt wurde, auch von allen Nachkommen des Weibchens. So entstand eine sehr enge Verwandtschaft von grosser Fitness. Das war uebrigens von Darwin bereits vermutet. Er nannte es 'evolutionaeres Verhalten'.
    Es war schoen, dass Sybille uns beide Hufnasen Fledermaeuse vorstellte.