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Fledermausquartiere stehen unter Schutz

Text und Fotos: Sybille Waibel

10.08.2018

Zwerfleermäuse
(c) Sybille Waibel Zwergfledermäuse

 

Zwei Großeinsätze der Fledermausschützer wurden in diesem Jahr notwendig: einmal mussten 16 Fledermäuse aus einer Waschküche in einem Keller gerettet werden. Die Fledertiere hatten in einem Schornstein ein Quartier bezogen, waren wegen der Hitze dann nach unten gewandert und so in der Waschküche im Keller gelandet. Alle diese Tiere konnten gerettet werden und sind inzwischen wieder in Freiheit. Der zweite Vorfall war eine mutwillig zerstörte Wochenstube von Mückenfledermäusen. Hier wurde ein leer stehendes Haus verkauft und umgebaut. Die Bauleitung hat hier wider besseren Wissens Arbeiter angewiesen, die Fledermaus-Mütter mit ihren Baby ohne Rücksicht auf Verluste zu vertreiben. Die Tiere sind in das gegenüber liegende Haus geflüchtet. Dieses Ausweichquartier war zwar auch leer stehend, denn auch dieses Haus sollte verkauft werden. Leider aber war dieses Quartier vollkommen ungeeignet, denn ohne jeden Schatten den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt heizten sich die Räume extrem auf. Bei der Begehung des Hauses durch Fledermausexperten fanden sich im Erdgeschoss 6 Fledermausbabys, nur zwei lebten noch, in den oberen Stockwerken bis hinauf ins Dachgeschoss wurden weitere tote Babys aufgefunden. Insgesamt wurden im Haus 25 tote Tiere eingesammelt. Ein schrecklicher Fund, der unsere freiwilligen Helfer sehr betroffen gemacht hat. Zwei Überlebende wurden in die Fledermaus-Rettungsstation gefahren, leider überlebte den Transport nur eines der Tiere. In Laufe der Woche brachte die Verkäfer des Hauses weitere Fledermaus-Babys, bis zu guter Letzt 23 Mückenfledermausbabys zu versorgen waren. Die Zahl der Totfunde aber stieg auf insgesamt 41 Tiere. Die überlebenden Tiere wurden Anfang August 2018 frei gelassen, aus den Babys sind inzwischen stattliche Jungfledermäuse geworden. Das war nur möglich dank der liebevollen und aufopfernden Hilfe mehrerer Fledermaus-„Mütter“ vom Fledermausschutz, die sich die Pflege der 23 Babys teilten. Denn der Fütterungs- und Pflegeaufwand ist extrem hoch und brachte die Pflegerinnen an ihre physischen Grenzen. An Schlaf war manchmal kaum zu denken, wenn alle 4 Stunden alle Tiere einzeln mit Milch oder Insektenfutter versorgt werden müssen. Hier hat sich die enge Vernetzung der Fledermausschützerinnen sehr bewährt, die sich gegenseitig unterstützen. Ein weiterer Fall von Zerstörung einer weiteren Wochenstube wurde aktuell bekannt. Die Fledermausschützer hatten vorab von einem Bauvorhaben erfahren und begleiteten das Vorhaben schon bevor das Gerüst am Haus gestellt wurde. Vertreter des Fledermausschutzes waren deshalb anwesend bei der Besprechung zwischen dem Architekten, den Hausbewohnern und der Gerüstfirma. Gefordert wurde, die betroffene Seite des Hauses bis auf Weiteres nicht einzurüsten, um die nachgewiesen besetzte Fledermaus-Wochenstube vor der Zerstörung während der kritischen Zeit zu bewahren. Diese Forderung jedoch wurde ignoriert. Daraufhin wurde die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet, denn die Fledermausschützer selbst haben keinerlei amtliche Funktion, weitere Schritte einzuleiten. Die Einrüstung der Gebäudeseite hoch bis unters Dach vertrieb die Fledermäuse und führte zur Zerstörung der Wochenstube. Ein Gutes hat die ganze Aktion doch noch:, die Hausbesitzervereinigung hat bereits zwei große, winterfesten Fledermauskästen gekauft, die nach Abschluss der Baumaßnahmen an den Stellen wo vorher die Quartiere waren aufgehängt werden. Wie es juristisch weitergeht, werden wir weiter verfolgen. Denn alle besetzten und auch zeitweise unbesetzten Fledermausquartiere sind durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Ihre Quartiere dürfen nicht beeinträchtigt und die Tiere nicht gestört werden. Leider sind viele Fledermausarten akut in ihrem Bestand gefährdet. Gefährdungsursachen sind insbesondere der Rückgang der landschaftlichen Vielfalt. Dadurch werden die Lebensräume und das Nahrungsangebot kleiner. Dazu kommen die Vergiftung durch Holzschutz- und Insektenbekämpfungsmittel, der Verlust geeigneter Winter- und Sommerquartiere, insbesondere ungestörter großer Wochenstubenquartiere zur Jungenaufzucht. Die generellen Schutzbestimmungen können ausnahmsweise außer Kraft gesetzt werden, wenn die zuständige Naturschutzbehörde eine spezielle Ausnahmegenehmigung erteilt. Wenn sie Fragen haben zum Fledermausschutz haben, wenden Sie sich bitte an die Naturschutzverbände

 

 

 

Zwergfledermäuse
(c) Sybille Waibel Zwerfledermäuse
Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Samstag, 18 August 2018 20:56)

    Besonders wichtig scheint mir die Tatsache,,dass selbst kurzzeitig unbesetzte Quartiere unter Schutz stehen. Dies muesste einem neuen Kaeufer oder ebenso bei Rente schriftlich und muendlich vor der Unterzeichnung des Vertrages mitgeteilt werden. Strafen sollten hoch sein bei Missachtung.Der Verlauf des Prozesses wird mit groesstem Interesse verfolgt werden. Es muss fuer Sybille und die Freiwilligen Helfer erschuetternd und seelisch schwer zu verkraften sein, was ihnen vor Kurzem geschah.

  • #1

    Eva Schmelzer (Mittwoch, 15 August 2018 14:15)

    Welche Tragik verbirgt sich doch hinter dem Leben vieler Fledermäuse, die Mehrheit der Bevölkerung weiß gar nichts davon oder - was noch schlimmer ist - es interessiert sie nicht. Aber da sagt ja nun zum Glück das Bundesnaturschutzgesetz auf der Seite der Tiere, dass niemand sie verletzen oder gar töten darf und auch ihre Quartiere unter Schutz stehen. Ich habe im Bußgeldkatalog 2018 gesehen, dass die Bußgelder bei Zuwiderhandlungen in den meisten Bundesländern bei bis zu 50.000 € liegen können! (Bezweifle allerdings, dass das jemals angewendet wird.)
    Mein großer Dank geht an Sybille und an all die, die sich so aufopfernd für die Tiere einsetzen, manchmal, wie in diesem Fall, bis an ihre Grenzen. Ich hoffe sehr, dass in Zukunft bei Bau-, Umbau- und Abrissprojekten vermehrt Rücksicht genommen wird. Bei gutem Willen ist es ja dank Menschen wie Sybille inzwischen leicht möglich, sich Rat und auch Hilfe zu holen, bevor eine solche Katastrophe eintritt wie hier beschrieben. Und eigentlich ist es ja auch per Gesetz die Pflicht eines jeden!