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Dramatischer Rückgang der Fluginsekten

Text: Sybille Waibel

Fotos: Gudrun Kaspareit und Olivier Fiechter

Quelle: NABU

25.07.2017

Dramatischer Rückgang der Fluginsekten

Manche Zeitgenossen mögen sich darüber freuen: Die Windschutzscheibe bleibt länger sauber, und das hektische Gefuchtel an der sommerlichen Kuchentafel auf der Terrasse könnte demnächst weniger heftig ausfallen. Für die biologische Vielfalt jedoch ist das eine schlechte Nachricht.

Die Ergebnisse sind deprimierend: „Während wir 1995 im Durchschnitt noch 1,6 Kilogramm aus den Untersuchungsfallen sammelten, sind wir heute froh, wenn es 300 Gramm sind“
Dass hat Auswirkungen im größeren Stil, dann alle Wildtiere die sich von Insekten ernähren sind die Leidtragenden;

Die Folgen des Insektensterbens gehen weit über die „Bestäubungskrise“ hinaus. Auch Vogelarten wie Blaukehlchen, Mehlschwalbe oder Dorngrasmücke, die ohnehin schon unter der Zerstörung ihrer Lebensräume zu leiden haben, werden bei einem weiteren Rückgang ihrer wichtigsten Nahrung Probleme bekommen, genügend Nachwuchs aufzuziehen.

Durch den beobachteten Insektenschwund sind natürlich besonders die insektenfressenden Tierarten betroffen. Das sind beispielsweise räuberische Insekten, Spinnen, Vögel und Fledermäuse, die in einer funktionierenden ausgleichenden Natur regulierend auf die Insektenpopulationen wirken.

Besonders gravierend ist das im Fall der Fledermäuse. Mit einem oder zwei Jungen pro Jahr ist die Vermehrungsrate bei Fledermäusen sehr niedrig. Der Ausfall einer Nachwuchsgeneration z.B. durch ein Hungerjahr und der gleichzeitige Tod von Alttieren führen bereits zum Rückgang der Individuenzahl. Gehen noch Quartiere verloren oder kommen weitere Todesfälle z.B. durch Windkraftanlagen hinzu, führt das schnell zum Verschwinden solch einer Fledermauskolonie aus einem Gebiet. Geschieht dies zudem großflächig und in mehreren Gebieten ist der Verlust kaum wieder aufzuwiegen.

Der ökologische Nutzen von Fledermäusen ist in vielen Studien nachgewiesen und auch der ökonomische Nutzen ist inzwischen durch zahlreiche Berechnungen belegt, wie z.B. durch die Einsparung von Insektiziden und die dadurch geringere Belastung des Grundwassers. Der Schaden durch das Verschwinden einer Fledermauskolonie wird greifbar, wenn man bedenkt, dass z.B. eine Zwergfledermaus bis zu 3000 Mücken pro Nacht frisst. In Gewicht ausgedrückt, vertilgt eine 10 g schwere Fledermaus in einer Saison von April bis Oktober mehr als 300 g Insekten.

Eine Kolonie von 50 Fledermäusen verzehrt demnach mehr als 15 kg an Insekten. Das Beutespektrum reicht dabei je nach Fledermausart z.B. von vornehmlich Nachtfaltern bei der Mopsfledermaus über vornehmlich Laufkäfern bei der Großen Mausohrfledermaus bis zu einem Anteil von rund 60 Prozent Mücken und Fliegen bei Zwergfledermäusen.
Damit schließt sich der Kreis.

Sie alle, leiden unter dem Insektenschwund. Vögel, vor allem die Kücken und ganz besonders alle Schwalbenarten. Fledermäuse und Igel. Denn sie sind alle Insektenfresser.

Kommentare: 3
  • #3

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 03 August 2017 15:22)

    Dieser Beitrag fasst dramatisch zusammen, welch immens wichtige Rolle - unabhängig von ihrer aus der Naturethik ableitbaren Existenzberechtigung - Insekten in nahezu allen Ökosystemen spielen. Es ist unbegreiflich, dass nicht schon lange reagiert wurde, denn die Erkenntnis ist ja keine Überraschung, sondern steigert sich seit vielen Jahren und ist ein weltweites Drama, und die Politik weigert sich, zu handeln. Doch nicht nur die Politik, auch der Bürger ist gefragt – wie in vielen anderen Bereichen entpuppt sich der Satz „Ich kann doch ohnehin nichts dagegen tun“ als pure Schutzbehauptung. Landwirte etwa können Wildblumen zwischen ihre Felder pflanzen und vermehrt zu natürlichen Pestiziden greifen, während Imker ihren Kolonien eine bessere Gesundheitsprophylaxe angedeihen lassen können. Balkon- und Gartenbesitzer können durch Verzicht auf Pestizide zum Erhalt von Insekten beitragen. Ebenso durch Nisthilfen wie Insektenhotels, den Garten in puncto Biodiversität gestalten. Wenn man zulässt, dass sich auch Spinnen, Wespen oder Hornissen auf dem eigenen Grundstück ansiedeln, braucht man sich keinerlei Sorgen über eine mögliche Belästigung durch Fliegen und Mücken zu machen. Auch würden Vögel und Säugetiere, die Nahrung und Lebensraum haben, dafür sorgen, dass ein Gleichgewicht hergestellt wird. Wie weit muss es noch kommen, bis endlich etwas geschieht? Es scheint fast so, als wäre es schon zu spät...

  • #2

    Erika (Dienstag, 01 August 2017 21:31)

    Egal , wo wir wohnen, ein kleines Fleckchen Erde vor den Haeusern koennte schon einigen Insekten helfen.Buesche in unseren Garten, auch kleine Baeume.
    Hohes Gras wuerde sehr hilfreich sein, jede Ritze einer Hauswand , Zaeune, Pfosten und Gartentueren koennten Insekten helfen. Laubhaufen sind wichtig fuer Igel und Totholz fuer Hirschkaefer Unter Steinen leben viele kleine Kaefer. In Pflanzen-Stengeln werden Eier abgelegt.In einem Brenn-Nessel Bett koennen viel kleinere Tiere leben und Menschen haben keinen Zutritt(in unserem Garten ist der Durchgang gesperrt, mein Mann schimpft darueber). Verlassene Nistkaesten finden neue Bewohner, dichtes Gestruepp unter Hecken ist gut fuer Schnecken und Igel. Hoch oben koennen Fledermauskaesten angebracht werden. An den Fenstern suchen sich Spinnen warme Plaetze fuer ihre Weben. Fuetterungsstellen fuer Singvoegel sind oft auch Anziehungspnkte fuer allerlei Kleingetier. Wir hoffen noch auf Bewohner fuer unsere Bat-Box. Genug Insekten haetten wir anzubieten....

  • #1

    sybille (Dienstag, 01 August 2017 10:09)

    Vielen Menschen ist nicht klar das Insekten bis zu 80 % unserer Nahrungsmittel bestäuben. Wenn der Rückgang der Bienen und Hummeln so weiter geht, dann haben wir bald nichts mehr zu Essen, kein Obst und kein Gemüse, spätestens dann ist das Gejammere groß !