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Über Fledermäuse habe ich bisher nie nachgedacht.

Text: Mone Dopp

Fotos: Olivier Fiechter

25.04.2016

Großes Mausohr
(c) Olivier Fiechter Kolonie Großes Mausohr

 

Über Fledermäuse habe ich bisher nie nachgedacht.

Es gibt sie, natürlich, und das schon seit 50 Millionen Jahren - Fledermäuse haben aber mit den Tieren, mit denen ich mich in der Regel beschäftige, nicht viel gemeinsam. Vermeintlich. Sie sind aktiv in der Nacht und man hat kaum bis gar keine Möglichkeit sie zu beobachten, sie zu berühren oder selbstständig etwas über Fledermäuse herauszufinden. Meine Begegnungen mit den kleinen Fliegern finden manchmal in der Dämmerung statt, eigentlich in dem Moment, wenn aus dem Abendlicht Dunkelheit wird. Sie bewegen sich mit Schallgeschwindigkeit an meinem Gesicht vorbei, und nie kann ich dem Reflex widerstehen, meinen Kopf einzuziehen. Neben den Flughunden, sind Fledermäuse die einzigen Wirbeltiere, die über die Fähigkeit zu fliegen , verfügen. Wunderbar und einzigartig. Und sie sind Säugetiere. Fledermausweibchen gebären und versorgen ihre Jungen in sogenannten Wochenstuben. Dies tun sie gemeinsam mit bis zu 50 weiteren Muttertieren. Die Fledermausjungtiere finden sich, während des nächtlichen Jagdzuges ihrer Mütter, zu großen Trauben zusammen. Eng aneinander gedrückt, erwarten sie so Mamas Rückkehr. Und wie Mütter so sind, findet jede unbeirrt, ihr Kind und setzt es zum Trinken an die Zitze. Erstaunlich und beeindruckend. Die meisten Fledermausarten ernähren sich von Insekten - ihre Sommer - und Winterquartiere beziehen Sie in Höhlen und Nischen, in Baumhöhlen, auch Dachböden sind beliebte Schlafstätten. Und genau hier wird es schwierig, für die Tiere, die Millionen von Jahren auf der ganzen Erde verbreitet gelebt haben. In unserer hoch technisierten Welt gibt es kaum mehr Lebensräume für die Fledermaus. Von der Landwirtschaft eingesetzte Gifte und Düngemittel reduzieren die Nahrungsquellen oder vergiften die Fledermaus bei der Aufnahme kontaminierter Mücken und Larven. Und wo gibt es heute noch einen Dachboden der Fledermäusen Schutz bietet? Auch unsere Wälder sind meist tadellos aufgeräumt,

es gibt nur noch wenig alten Baumbestand und Totholz. Und aus bisher nicht geklärter Ursache fordern Windkraftanlagen das Leben zahlreicher Fledermäuse.

Sie gelten als Schlagopfer. Für wie viele Tiere der Flug gegen die Rotorblätter tödlich endet,

ist nicht bekannt.

Ich habe darüber bisher zu wenig nachgedacht.

Fledermäuse benötigen unseren Schutz.

Sie benötigen unsere Aufmerksamkeit und unseren Respekt.

Ulltraschalllaute, Echoortung, UV Licht sehen, Magnetsinn -

die Fledermaus ist ein naturwissenschaftliches Wunder.

Einige der größten Erfindungen und Entdeckungen, die wir Menschen bis heute nutzen, entstanden, vielleicht unter anderem, durch das Verstehen von Fledermausfähigkeiten.

Dafür dürfen wir dankbar sein.

Sie sind ein Wunder der Natur, diese mystischen, kleinen Wesen.

Und wenn das nächste Mal ein kleiner Fledermausflieger mit Überschallgeschwindigkeit an meiner Nase vorbeirauscht, werde ich nicht zucken - sondern vertrauen und mich verneigen vor den Fähigkeiten dieser besonderen Tiere.

 

Mausohr Kolonie
(c) Olivier Fiechter Mausohr Kolonie
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 02 Mai 2016 11:54)

    Eine liebenswerte Hommage an diese wunderbaren Tierchen und eine Menge Information. Danke Mone und Olivier