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Ein Riss geht durch die europäische Gesellschaft

Vor noch gar nicht so langer Zeit, wurde die Welt von älteren, weißen, christlich orientierten, nicht  homosexuellen  Männern dominiert.  Frauen in gehobenen Positionen  oder der Politik waren die absolute Ausnahme, Vergewaltigung in der Ehe war noch kein Straftatbestand.

 

Heute findet ein großer Wandel statt, die Welt wird immer bunter.  Frauen,  offen schwule Männer oder Muslime sind in der Politik vertreten, sogar an der Regierung beteiligt. Ebenso Menschen mit Migrationshintergrund oder dunkler Hautfarbe. 

Sexuelle Übergriffigkeit wird nicht mehr toleriert, sexuelle Gewalt erst Recht nicht. Einflussreiche Männer werden vor den Kadi gezerrt, dank der #metoo- Bewegung.

Konservative Menschen sprechen von Genderwahn, aber  Frauen, sowie auch Minderheiten treten aus der Unsichtbarkeit heraus.  Pippi Langstrumpfs Vater ist kein Negerkönig mehr, sondern Südseekönig. Auch Negerküsse oder Zigeunerschnitzel werden umbenannt.  Sprache nicht zu gendern, hat Konsequenzen, weil es Frauen unsichtbar macht. Mesut Özil für die schlechte WM zu beschimpfen, Thomas Müller aber nicht, hat Konsequenzen für das Leben von Deutschtürken im Land. Fleisch zu essen hat Konsequenzen für Tiere und das Klima. Sich damit zu befassen, ist unbequem.

Die Einen bauen begeistert eine neue Gesellschaft auf, die bunt, tolerant, vielseitig, aber auch kritisch in Bezug auf Umweltschutz, Klimaschutz  oder Tierschutz ist und nimmt dafür gerne auch Einschränkungen auf sich. Diese Menschen sind zumeist Grünwähler.

 

Viele sehr konservative Menschen allerdings haben Angst vor Veränderungen; sonst wären sie ja nicht konservativ. Vor allem fürchten sie um ihre Privilegien. Sie haben sich einen gewissen Wohlstand aufgebaut, meist  auf Kosten ärmerer Länder.  Solange dies Menschen „zweiter Klasse“ waren und das alle so gesehen haben, war es scheinbar in Ordnung. Heute wird dieses Verhalten aber stark kritisiert, gar als kriminell bezeichnet.  Die Menschen aus den  „Shithole“ Ländern, wie Trump sie bezeichnete, sollen als Gleichberechtigt gelten und fair behandelt und bezahlt werden. Aber das ist das Ende von Reichtum durch Ausbeutung.

Frauen sind unabhängiger geworden, verdienen eigenes Geld, haben teilweise sogar bessere Jobs als ihre Männer, sie erziehen u.U. ihre Kinder, trotz Berufstätigkeit, alleine und lassen sich nicht mehr ungestraft auf den Po klapsen.  Fast könnte man mit der „alten Garde“ Mitleid haben.  Nun wollen die Veggis ihnen sogar noch den Spaß am Grillen vermiesen.

Dies ist die Klientel, die sich bei den rechten und sehr konservativen Parteien sammelt und hofft mit diesen Kräften die alte Weltordnung wieder herstellen zu können.  Zwischen diesen beiden Polen hat sich der Riss aufgetan. Die alten Volksparteien spielen kaum noch eine Rolle.

Diese „Erzkonservativen“ bzw. „Rechtsextremen“ schimpfen auf die Grünen und empfinden den gesellschaftlichen Wandel als Krieg gegen Männer, als “Kulturmarxismus”, als “Bevölkerungsaustausch” durch Flüchtlinge, "Umvolkung" oder „Rassenkrieg“ oder gleich als “Genozid an Weißen”. Sie wähnen sich in einer „Belehrungs- Demokratie“ und empfinden die Grünen als „Verbots-Partei“  Sie verachten alle, die irgendwie anders sind, z.B. Muslime, Dunkelhäutige, Schwule oder Juden.  Und die Leute, die für eine neue Politik eintreten, z.B. beim Klima oder Umweltschutz, oder die sich in Hilfsorganisationen engagieren, für Flüchtlinge, diejenigen, die nicht mehr fliegen wollen, kein Fleisch mehr essen, nur noch Bio kaufen und versuchen nachhaltig und plastikfrei zu leben, werden als „Gutmenschen“ und „Hypermoralisten“ verunglimpft.  Sie richten sich auch gegen Geschlechterforschung, die sie "Genderwahn" oder "Gender-Gaga" nennen. Sie richten sich gegen Änderungen der Sprache, die sie als Sprechverbote oder Zensur begreifen.

Dies ist die neue Konfliktlinie. Es geht nicht um rechts gegen links, sondern um Aufbruch gegen Rückschritt. Plötzlich loben die Grünen Angela Merkel und die demokratische Konservative die AfD.

Das ist der Grund, weshalb verlässlich Weiße und Männer besonders oft die extreme Rechte wählen, aber auch Menschen auf dem Land, wo Tradition und hergebrachte Normalität eine größere Rolle spielen als in der Stadt. Weshalb eine Studie bewies, dass AfD-Wähler mehr Fleisch essen. Weshalb  fast alle, die Feminismus, Multikulti, Umweltschutz oder Einwanderung für ein Übel halten, für den Brexit waren.  Das ist der Grund, warum die extreme Rechte so um die Vergangenheit kreist.

Man muss die Hürden für eine Annäherung an die extreme Rechte durch Ausgrenzung erhöhen.

Eine Schlüsselrolle kommt den Konservativen zu. Sie müssen die Hüter der demokratischen Ordnung sein.  Das heißt konkret,  die CDU/CSU darf nicht mit der AfD koalieren.

Wenn das misslingt, wenn die autoritäre extreme Rechte doch an die Macht kommt, zerstört sie die Demokratie. In Ungarn, Polen, auch Österreich und den USA ist das zu beobachten.

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 16 Juli 2019 13:51)

    Mir aus der Seele geschrieben ist Gudruns Artikel! Brillant formuliert und die Einzelheiten, aus denen sich diese Grundgesinnung zusammensetzt, sehr präzise getroffen. Eigentlich habe ich nichts hinzuzufügen, nur soviel: Ich bin 73, also in den 50er Jahren aufgewachsen. Das Umfeld in Kindergarten, Schule, Nachbarschaft (meine Eltern waren anders, freiere Geister) war geprägt von Menschen, die die deutschen Werte der Kaiserzeit und des 3. Reiches noch tief verinnerlicht hatten. Und dann kamen die späten 60er Jahre, in denen fast schlagartig alles anders wurde! Für mich persönlich rechtzeitig, um mit neuen Perspektiven und Werten ein eigenes, neues, toleranteres Leben aufbauen zu können, auch wenn das in einer Kleinstadt im Sauerland natürlich nicht so ausgeprägt war wie in Großstädten. Trotzdem war es ein spürbarer Wandel. Da ich das alles recht bewusst miterlebt habe, wundert und erschreckt es mich um so mehr, dass heute auch unter jüngeren Menschen nun wieder ein Gesinnungswandel in die Rückwärtsrichtung vollzogen wird.