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Wer kann mir helfen, ich verstehe da was nicht

Text: Gudrun Kaspareit

02.09.2018

Ich liebe Sachsen, Dresden ist eine der schönsten Städte, die ich kenne. Und erst das wunderbare Elb Sandstein Gebirge. Wie oft bin ich dort gewandert. Stets habe ich nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen, deshalb finde ich sogar den Dialekt charmant. Und jetzt sehe ich diese Bilder im Fernsehen. Menschen werden durch die Straßen gejagt, Pogrome finden statt, grölender Mob, Hitlergrüße. Ich kann es nicht fassen. Sind das dieselben Menschen, die durch ihre friedliche Revolution die Mauer haben fallen lassen? Sie bauten die Frauenkirche wieder auf, ein christliches Symbol. Das Christentum steht für Nächstenliebe und jetzt brüllen sie "Absaufen, absaufen." Und meinen damit, dass die Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken sollen. Einst waren die Ostdeutschen selber Flüchtlinge, sind nicht mal vor dem Schießbefehl an der Mauer zurück geschreckt. Sie sind geflüchtet, nicht weil sie nichts zu essen hatten oder weil ihre Häuser zerbombt wurden, nein sie wollten frei sein . Sie sind mit Booten über die Ostsee gekommen oder sind geschwommen, haben sich in Lebensgefahr gebracht, um frei zu sein. Jeden Montag sind sie aufmarschiert und am Ende hatten sie Erfolg, die Mauer ist gefallen. Noch zuvor haben Viele versucht über die Prager Botschaft zu entkommen und saßen dann dort fest, bis Genscher die Ausreisegenehmigung durchsetzte. Irgendwie scheint sich die Geschichte stets zu wiederholen.(diesmal saßen Flüchtlinge am Ungarischen Grenzzaun fest ) Und dann fiel tatsächlich die DDR Grenze. Was für eine Party. Tanz auf den Straßen. Fremde umarmten sich. All die kleinen Trabis wurden mit Süßigkeiten und Willkommenskärtchen behängt. Jeder bekam 100, - DM Begrüßungsgeld und fortan gab es den Soli. Der Osten wurde wieder aufgebaut . Heute gibt es dort die besseren Autobahnen und Brücken, während im Westen alle ziemlich marode sind. Im Osten gibt es hübschere Urlaubs Orte, die besseren Strände die schöneren Landschaften die geschichtsträchtigere Kultur.
Ich sagte ja schon, die Geschichte wiederholt sich. Wieder klopfen Flüchtlinge an, Fremde und plötzlich mutieren so viele zu Monstern, jagen sie durch die Straßen, werfen Molotow Cocktails in Flüchtlings Unterkünfte, beschimpfen sie, bespucken sie und wollen sie ertrinken lassen. Was ist passiert? Hat auch nur ein Rentner einen Cent weniger bekommen, wegen der Flüchtlinge? Hat nur ein Hartz 4 Empfänger weniger bekommen wegen der Flüchtlinge? Der Versorgungssatz für einen Flüchtling liegt unter dem Hartz 4 Satz . Woher also dieser Hass? Natürlich, Kriminelle und Verbrecher gibt es überall, wo es Menschen gibt. Bei den Flüchtlingen aber auch bei uns Deutschen. Und wenn Schutzsuchende bei uns Verbrechen begehen, ist das verachtenswert und nicht zu tolerieren, auch wenn diese Leute durch den Krieg vielleicht schwer traumatisiert sind. Andererseits ist Sachsen nicht die Verbrechenshochburg, schaut mal nach Berlin oder Hamburg, was da so los ist. Viel mehr Kriminalität und trotzdem mehr Toleranz. Sehr viel mehr Ausländer und vielleicht gerade deshalb viel mehr Toleranz. Auch wenn man es nicht glauben mag, angesichts der jüngsten Ereignisse, die offizielle Polizeistatistik besagt, dass die Kriminalitätsrate seit 1996 noch nie so niedrig war. Und auch die tatsächliche Zahl der ankommenden Flüchtlinge ist drastisch gesunken. Ich finde es auch sehr beschämend, dass ein reiches Land wie Deutschland so ein Theater macht und sich schlichtweg weigert, ein wenig Humanität zu „schaffen“. Nach dem 2. Weltkrieg musste Deutschland 12 Millionen Ostvertriebene aufnehmen und hat das geschafft, obwohl es selber in Schutt und Asche lag. Jetzt haben wir 1,6 Millionen Flüchtlinge und schaffen das nicht? Das finde ich peinlich.
Deutschland hat nach dem 2. Weltkrieg eine 2. Chance bekommen, trotz der Gräueltaten des 3. Reiches. Es wurde wieder aufgebaut, es wurde Wirtschaftswunderland, die innerdeutsche Grenze fiel. Deutschland wurde ein geachtetes Land in der Welt. Und nun lest euch mal die internationalen Zeitungen durch. Jetzt sind wir wieder die hässlichen Nazis. Ich schäme mich in Grund und Boden.
Ich sehe natürlich auch, dass längst nicht alle so denken und dafür bin ich dankbar. Aber oft nimmt man nur die wahr, die am lautesten schreien. Sie bestimmen das Bild, das wir in die Welt senden. Wir sollten dem schreienden Mob nicht das Feld überlassen.

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Montag, 17 September 2018 15:25)

    Woher kommt diese Entgrenzung, diese Wut, dieser Hass? Ich denke, die Gründe sind komplex, und es wäre fahrlässig, sie als rein ostdeutsch zu interpretieren. Fremdenhass gibt es in den Niederlanden, in Frankreich, auch im "Mutterland der Freiheit", den USA. Und überall in Deutschland. Und doch greifen in den ostdeutschen Ländern andere Mechanismen, andere Erfahrungen, als in den westlichen. So sind etwa Begegnungen mit Ausländern in vielen ostdeutschen Regionen jahrelang Mangelware. Hier lebten und leben im Vergleich wenige Menschen mit ausländischen Wurzeln. Vor allem die Nicht-Begegnung mit Migranten, das Nicht-Wissen über andere Kulturen und Lebensläufe, schürt Ängste.
    Wenn das auf fruchtbaren Boden fällt, wird es problematisch. In diesem Fall ist es ein Nährboden aus Frust und Perspektivlosigkeit, der nach dem Abflauen der Wende-Euphorie vielerorts im Osten übrig bleibt. Hohe Arbeitslosigkeit, ein steter, schmerzhafter Wegzug, zerbrechende Strukturen, die Enttäuschung über die so gar nicht blühenden Landschaften, das Gefühl, im Stich gelassen zu werden –all das mischt sich zu einer Gärmasse, aus der Wut, Hass und Gewalt emporschießen können und die wie geschaffen ist für das Wachsen rassistischen Gedankenguts.
    Den ideologischen Überbau liefern gewiefte rechtsextreme "Vordenker", erst von der NPD oder den Republikanern, nun auch von Pegida oder der AfD. Sie bieten den Menschen einfache Antworten, mithilfe derer sich die komplexe, als unfair empfundene Welt erklären lässt. Zugleich lässt sich so rechtes Gedankengut rechtfertigen, im Fall der AfD auch demokratisch legitimieren. Am Ende stehen eine gut organisierte rechte, auch rechtsextreme Szene sowie immer mehr von der Politik der „Altparteien“ enttäuschte Normalbürger, die mindestens offen sind für Fremdenfeindlichkeit, wenn nicht für mehr.
    Hinzu kommt, dass fremdenfeindliche Übergriffe aus anderen Bundesländern kaum noch öffentlich gemacht werden, jedoch jedes Vorkommnis aus Sachsen und anderen Ostgebieten. Auch wenn es dort tatsächlich mehr gibt, verfälscht es das Bild unverhältnismäßig.

  • #1

    Karen Heckendorf (Sonntag, 16 September 2018 15:36)

    Dieser Kommentar ist würdig in der Tagesschau zur besten Sendezeit als Nachtrag ausgestrahlt zu werden, Bravo!. Hier sind aber auch die Politiker gefragt die die Sorgen und Fragen der Bevölkerung nicht beachtet haben, vieles wurde " ausgesessen". Jetzt wird laut und hässlich geschrien von Menschen deren Erinnerungsvermögen offensichtlich gestört ist. Sei es mangelnder Intellekt oder einfach nur Dummheit - wir werden es nicht erfahren....Deine Arbeit, Gudrun, kann nicht hoch genug bewertet werden.....