Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Der Leserbrief

Text: Torsten Jäger

02.12.2018

Angeblich wurden in China genetisch veränderte Zwillinge geboren, die
resistent gegen HIV sind. Einhellig werden solche „Menschenversuche“ nun zurecht verurteilt. Gegen Tierversuche in gleicher Richtung hat man jedoch offenbar nichts einzuwenden. Denn man ist sich einig: Tieren fehlt die Intelligenz des Menschen, sie empfinden nur elementare Emotionen und besitzen kein Bewusstsein. Doch ist das eigentlich jene Intelligenz, von der hier die Rede ist, mit der die Menschheit gierig und ähnlich einem Krebsgeschwür ihre eigenen Lebensgrundlagen (die Erde) fortdauernd wissentlich und willentlich zerstört? Ist es jenes emotionale Spektrum, mit dem die Menschen ohne mit der Wimper zu zucken in der Lage sind, in Not geratene Artgenossen sehenden Auges im Meer ertrinken zu lassen, sie mit Senfgas-Granaten qualvoll zu ermorden? - Oder auch Tieren unsägliches Leid zuzufügen, nur für ein billiges Stück Fleisch? Und ist es jenes Bewusstsein, mit dem viele von uns Tag für Tag durch Konsum und Verhalten die Missstände auf der Welt unterstützen,
sich nicht ihrer Rolle bewusst werden (wollen) und gar neue Missstände schaffen? - Das beginnt schon im ganz Kleinen: Im Straßenverkehr auf sein Recht bestehen, den anderen ohne Not in die Enge treiben, so einen Engpass verursachen – um am Ende nur selbst im Stau stehen. Bei Bienen käme das z.B. nicht vor! Ist das die Überlegenheit der Menschen gegenüber „dem Tier“?  Ein Blick in unsere Umwelt offenbart: Tiere besitzen weder die menschliche Intelligenz, das emotionale Spektrum, noch das Selbstbewusstsein des Menschen. Und sie verursachen zugleich weder Massenmorde, produzieren keine Massenvernichtungswaffen, experimentieren nicht an Artgenossen oder vollführen gierig den Weltuntergang auf Raten. Der Spruch „Finde den Fehler“ erscheint mir hier angemessen. Vielleicht wäre es sinnvoll, anstatt einer Gen-Schere, eine Gier-Schere anzuwenden, die jene zerstörerische Eigenschaft aus unseren Köpfen entfernen und für eine bessere Welt sorgen könnte. Wie diese funktioniert, könnte ein Blick in die verwobenen Ökosysteme der Natur zeigen, wo alles komplex, intelligent und nachhaltig zusammenspielt. Doch dazu müsste man sich den „unterentwickelten Tieren“ zuwenden, was man nicht tut, und was mir immer mehr offenbart: Die angebliche Krone der Schöpfung erscheint mir vielmehr ihr Gesäß.

Kommentare: 0