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Die Armut in Afrika und die EU

Text: Gudrun Kaspareit

22.01.2016

Tomaten
(c) Gudrun Kaspareit

 

Mehr als 170.000 Afrikaner sind im vergangenen Jahr nach Europa geflohen. 71.000 kamen aus Westafrika. Warum? Langfristig werden mehr Flüchtlinge aus Afrika nach Europa kommen, als aus dem arabischen Raum, denn die Armut lässt sie verzweifeln. Hier, in Europa werden sie Wirtschaftsflüchtlinge genannt. Dabei ist Europa Mitschuld an Armut und der Perspektivlosigkeit, zum Beispiel in Ghana. Kein einheimischer Bauer kann seine Tomaten auf dem Markt verkaufen, da die Märkte mit Billigtomaten aus Italien überschwemmt werden. Es haben sich schon Tomatenproduzenten umgebracht, wegen der Unmöglichkeit zu existieren. Damit ein ghanaischer Tomatenmarkproduzent von seiner Arbeit leben kann, muss er die Dose Tomatenmark für 35 Cent verkaufen. Aber italienische, von der EU subventionierte Konzerne verkaufen die Dose Tomatenmark für 29 Cent. Der ghanaische Produzent wird seine Ware nicht los. Egal wie hart er arbeitet, er kann davon nicht leben.

Die EU unterstützt Tomatenbauern in Europa mit 380 Millionen Euro pro Jahr. Außerdem erhielten die Firmen für einen Teil der Exporte eine Subvention von 15 Cent pro Kilo, wenn sie den Überschuss, den sie in der EU nicht absetzen können, außerhalb Europas verkauften. Fakt ist, dass dank der Subventionen das Tomatenmark aus der EU um die Hälfte billiger angeboten werden kann, als es die Herstellungskosten erlauben. Das kann der ghanaische Bauer nicht unterbieten.

Warum wehrt Ghana sich nicht mit höheren Einfuhrzöllen? Es könnte 99% verlangen, erhebt aber nur 20% Einfuhrzoll. Die Studie einer Menschenrechtsorganisation besagt, dass die Weltbank und der Internationalen Währungsfonds Druck ausübt und die Regierung davor einknickt.

Auch in anderen Bereichen richten die Subventionen Schaden an. Die Menschen in Europa essen vom Hühnchen nur noch das Brustfilet, die übrigen Hühnerteile werden billig in die Dritte Welt verschleudert. Es ist dasselbe wie mit den Tomaten, das einheimische Huhn kostet 2, 40 Euro pro Kilo, das europäische Importhuhn, 1,40 Euro. Solange die EU wegen der Subventionen überproduziert und mit dieser Ware die afrikanischen Märkte überschwemmt, hat der einheimische Produzent keine Chance.

Die Bauern in Ghana oder Kamerun produzieren zu wenig Lebensmittel, um die Bevölkerung zu ernähren. Deshalb müssen Lebensmittel importiert werden. Aber diese Importe sind deutlich billiger, als die einheimischen Produkte, das macht die einheimischen Bauern kaputt, sodass noch weniger Lebensmittel produziert werden und noch mehr importiert werden müssen. Die Abhängigkeit wächst, der Teufelskreis schließt sich.

Jedes Jahr werden in Deutschland über 627 Mio. Masthühnchen geschlachtet. Doch die Deutschen essen kaum noch das ganze Huhn. Die Reste, die Schlachtabfälle, müssten eigentlich kostenpflichtig entsorgt werden, statt dessen gehen sie tiefgekühlt als Billigfleich nach Afrika und zerstören dort die Märkte.

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