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Wie können wir die Gesellschft verändern?

Von Nick Stepowyj at https://www.flickr.com/people/nickstep/ - https://www.flickr.com/photos/nickstep/5407412315/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13238971
Von Nick Stepowyj at https://www.flickr.com/people/nickstep/ - https://www.flickr.com/photos/nickstep/5407412315/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13238971

Der Sozialpsychologe und Bestseller-Autor Harald Welzer ist schon einen Schritt weiter. Während Klimaforscher an Depressionen leiden und sich fragen, wie man die Menschheit davon überzeugen kann, dass die Welt gerettet werden muss, richten sich seine Bücher an Menschen, die sich fragen, wie das geht.

Klimaforscher fördern den Tunnelblick, da sie nicht verstehen, wie die Gesellschaft funktioniert.

Harald Welzer denkt seit 40 Jahren darüber nach, wie sich Gesellschaften positiv verändern lassen.

Er prangert die Helikoptermütter an, die ihre Kinder in Warnwesten über die Straße bringen,aber nicht gegen die Autos in den Städten demonstrieren. Harald Welzer hält das „Experiment Kapitalismus“ für gescheitert. Aber er sagt auch, wenn man das Privileg hat, gut zu leben, und solche Handlungsspielräume wie in westlichen Demokratien hat, dann hat man kein Recht auf Pessimismus und Frustration. Dann hat man Möglichkeiten und Grund, zu versuchen, die Dinge besser zu machen. Ja, wir müssen weg von den fossilen Brennstoffen, weg vom Autoverkehr, weg von der industrialisierten Landwirtschaft, der Massentierhaltung. Das alles ist unbestritten und jedem vernunftbegabten Menschen klar. Jetzt geht es darum, WIE wir das umsetzen wollen.

Unsere Umweltproblem haben wir, weil wir auf hemmungsloses Wachstum eingeschworen sind. Wir sind eine kapitalistische Wachstumswirtschaft und konsumabhängig. Unsere ganzen wirtschaftlichen Grundparameter sind darauf eingestellt, dass immer mehr Emissionen produziert werden, und nicht weniger. Der Kapitalsmus darf als gescheitert betrachtet werden . Aber eine Ökodiktatur ist auch nicht sinnvoll, das wäre so, als wenn die CSU rechter würde als die AfD, um denen Wähler abzujagen. Man muss über ganz neue Lebensmodelle nachdenken. Demokratie und Ökologie müssen Hand in Hand gehen. Wir müssen ein positives Bild entwickeln, wie eine ökologisch aufgeklärte Gesellschaft aussehen kann. Dann können wir politisch daran arbeiten, das umzusetzen. Wir brauchen ein Gegenmodell zu unserer Hyper-Konsumgesellschaft. Wir müssen an positiven Zukunftsbildern arbeiten und die Leute auf Veränderungen heiß machen. Die Zivilgesellschaft muss ihre Politiker unter Druck setzen, sodass sie den Kohleausstieg vollziehen, autofreie Innenstädte schaffen, kostenlose Nahverkehrsmittel anbieten usw.

Zitat Harald Welzer „Ich verstehe nicht, warum die Millionen an Helikoptereltern, die ihre Kinder in Warnwesten über die Straße bringen, nicht jeden Tag in der Invalidenstraße vor dem Wirtschaftsministerium von Herrn Altmaier demonstrieren. Es gab noch nie eine solche Hysterie um das Wohlergehen von Kindern. Ja, Rufus-Theodor wird wahrscheinlich für immer leben, dem macht der Klimawandel nichts, aber dem macht es was, ohne Warnweste über die Straße zu gehen? Statt das sie mal auf die Idee kommen, gegen Autos zu demonstrieren. Das ist wahnsinnig.“

Immer wieder gibt es Vorwürfe, dass solche Initiativen nur die Menschen erreichen, die ohnehin um die Notwendigkeit wissen. Harald Welzer findet das aber gut, denn es ist notwendig, Menschen in ihrem richtigen Denken zu bestärken. Befragt nach der „kritischen Masse“, die nötig wäre, um die Gesellschaft zu verändern, antwortet er 5%. Politische, soziale und gesellschaftliche Veränderungen seien immer von Minderheiten ausgegangen. Die Gesellschaft ist so aufgeteilt, dass 5–10% ein Avantgarde-Denken haben, weitere 5–10% sind extrem konservativ und die restlichen 80% interessieren sich für nichts und machen alles mit. Also ist ein Lebensstilwandel, der von 5% auf die Wege gebracht wird durchaus effektiv. Mich persönlich ermutigen diese Zahlen, hatte ich doch befürchtet, mehr als die Hälfte der Bevölkerung umstimmen, bzw. einstimmen zu müssen.

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Mittwoch, 16 Januar 2019 15:38)

    Deine neue Rubrik, in einer Zeit, in der es laut Jane Goodall Zeit ist zu handeln, gefällt mir sehr, der erste Artikel dazu ist Klasse! Ich habe etwas zum Thema „Autofreie Innenstadt“ beizutragen:
    Unsere Städte ersticken im Stau. Feinstaub und Stickstoffdioxid verpesten die Luft. Drohende Fahrverbote machen die Leute kirre. Wie könnte man das Umsteigen auf Bahn und Bus erleichtern? In Straßburg wird’s vorgemacht.
    Es gibt 6 Straßenbahnen- und 32 Bus-Linien. Denn in den letzten 20 Jahren hat die Stadt das Tram-System energisch ausgebaut. Ursprünglich hatte Straßburg den Straßenbahn-Verkehr 1960 komplett eingestellt. Zu Gunsten des Autos. Wie viele Städte damals. Seit einem Jahr fährt die Tram jetzt sogar über den Rhein nach Deutschland in die Grenzstadt Kehl.
    Das Wichtigste: Verkehrsdrehscheiben mit großen "Park-and-Ride-Plätzen" vor den Toren der Stadt. Bis zu 24 Stunden Parken kosten gerade mal 4,10 Euro! Und: Der Parkschein ist gleichzeitig das Straßenbahn/Bus-Ticket. Bis zu sieben Personen dürfen mit dem einen Ticket fahren. Also: 4,10 Euro für das Parken inklusive für eine Hin- und Rückreise für bis zu sieben Personen innerhalb von 24 Stunden!!! In unmittelbarer Nähe von acht großen Parkplätzen und Parkhäusern rings um Straßburg kann man also vom Auto in ein gut funktionierendes System von Bahnen und Bussen umsteigen. Gut für das Stadtklima. Oft werden auch abschließbare Stellplätze für Fahrräder angeboten und Mieträder. Verkehrsdrehscheiben für jeden Bedarf.
    Das Modell Straßburg wäre überall machbar. Moderner öffentlicher Verkehr statt Fahrverboten, günstige Park-and-Ride-Tickets statt Abzocke. Die Unternehmen zahlen eine Verkehrsabgabe, die das alles mitfinanziert. Dafür müssen sie für ihre Mitarbeiter und Kunden viel weniger Parkplätze vorhalten als in anderen Städten. Das Modell löst sicher nicht alle Verkehrsprobleme unserer Städte, aber die Richtung stimmt. Also lasst uns von positiven Beispielen wie Straßburg etwas lernen. Je schneller, desto besser.