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Das Insektensterben

Foto: Britta Uhl

10.11.2017

(c) Britta Uhl
(c) Britta Uhl

 

Meine Freude darüber, dass der Insektenschwund endlich mal wieder Einzug in die Medien hält, war leider sehr kurzweilig. Kaum werden die Ergebnisse des entomologischen Vereins Krefeld ein zweites Mal durch die Presse gezogen, schon kommen unqualifizierte Kommentare, Schuldzuweisungen und entrüstete Reaktionen. "Warum wurde nicht früher Bescheid gegeben?", "wir brauchen dringend mehr Forschung!" und (mein absolutes Highligt!) "nun haben Hobbyentomologen das herausgefunden, was Forscher bis heute nicht fertig gebracht haben" sind nur ein paar Kommentare, die ich gelesen habe.
Hier also eine kleine Stellungnahme meinerseits: Nur weil die Presse offensichtlich nur eine einzige Publikation kennt, heißt das nicht, dass es nur Eine gibt! Es gibt einen geradezu gigantischen Forschungskontext, der verschiedenste Faktoren des nun so aktuellen "Insektensterbens" beleuchtet. Aber die aktuelle Lage verdeutlicht mir mal wieder 1. wie uninformiert viele Leute sind und
2. wie wenig Wissenstransfer überhaupt stattfindet.
Damit der große Forschungskontext mal annähernd visualisiert wird, hier eine kleine "Mindmap" zum Thema "Warum gibt es immer weniger Insekten". Aufgezeigt sind die verschiedenen Einflüsse, sowie ein paar Publikationen die exemplarisch für die Masse der Forschung steht, die im Moment so schön ignoriert und gleichzeitig an den Pranger gestellt wird. Ach, und bevor ich's vergesse: Nein, es gibt nicht den einen Schuldigen- in der Wissenschaft spricht man viel lieber von "multifaktoriellen Einflussfaktoren"... die sich im aktuellen Kontext aber ganz gut unter "Land use-change" zusammenfassen lassen. (Britta Uhl)

 

 

 

Mulchen am Straßenrand

 

Mulchen am Strassenrand : Todesfalle für Insekten und Igel – Quelle:

https://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/todesfalle-fuer-insekten-und-igel-id18144776.html

 

Der Gartenbauer Wolfgang Schnau aus Brebel kritisiert den radikalen Grünschnitt an den Straßenrändern. Er fordert: „Brombeeren und Brennnesseln müssen stehen bleiben!“ – Quelle: https://www.shz.de/18144776 ©2017

 

Wolfgang Schnau regt sich auf. Und das schon seit Jahren. Aber zurzeit hat das Thema, das ihm den Puls hochtreibt, Konjunktur. „Alle jammern jetzt plötzlich darüber, dass das große Insektensterben eingesetzt hat. Das aber war abzusehen. Angefangen hat alles schon viel früher.“ Schnau ist Garten- und Landschaftsbauer in Brebel. Und als Fachmann weiß er sehr wohl, dass der Hauptgrund für diese Entwicklung Insektizide und Monokulturen sind. Auch das gefällt ihm natürlich überhaupt nicht. Wirklich sauer aber wird er, wenn der Lebensraum von Mücken, Hummeln, Raupen und sogar Igel direkt vor seiner Nase vernichtet wird – und die Tiere gleich mit. Sein Thema ist das Mulchen an den Straßenrändern. Dabei werden Sträucher und Büsche von einer Maschine geschnitten und gleichzeitig zerkleinert. „Ich habe wirklich nichts dagegen, dass die Büsche in unübersichtlichen Kurven so weit zurückgeschnitten werden, dass es keine Sichtbehinderungen gibt“, sagt er, „aber in der Realität kommt es häufig zum Kahlschlag.“

 

Das Fass zum Überlaufen brachte eine Aktion an seinem Feld bei Schrepperie zwischen Süderbrarup und Gelting. Die Mulchgeräte hatten nicht nur das Gebüsch an der Straße „rasiert“, sondern auch noch über einen kleinen Graben hinweg einige Meter ins Land – bis an seinen Zaun. „Völlig unnötig“, schimpft Wolfgang Schnau, „hier standen Brennnesseln, Brombeeren und andere Büsche – und die waren alle voller Leben.“ Das Gebüsch ist Lebensraum für Insekten, die dort bei Nässe und Kälte in Starre verfallen und so eigentlich überleben können. Sie alle sind der Aktion zum Opfer gefallen. Und im Boden, den der Mulcher teilweise aufgerissen hat, hatten Hummeln ihre Höhlen, sagt Schnau. Entsetzt allerdings war der Naturfreund, als er auch noch einen zerfetzten Igel entdeckte. Der hatte sich wohl zum Winterschlaf in das vermeintlich sichere Gestrüpp zurückgezogen – ein tödlicher Irrtum. „Früher gab es nicht nur mehr Insekten“, sagt Schnau, „sondern auch mehr Igel. Inzwischen gibt es die immer seltener – warum wohl?“

 

Dabei wäre es so einfach, den Insekten, Raupen, Zauneidechsen, Kröten und Igeln ein wenig mehr Lebensraum zu verschaffen: „Warum beschränkt man sich nicht darauf, für Verkehrssicherheit zu sorgen und darüber hinaus Brennnesseln und Gebüsch stehen zu lassen? Zudem sollten nicht gemulcht, sondern einfach zweimal im Jahr gemäht werden. Das reicht völlig aus und gefährdet die Artenvielfalt nicht. Aber heutzutage muss ja alles effizient und kostengünstig sein. Aber bitte nicht auf Kosten der Insekten und der Vögel.“

 

Dass beim Mulchen auch massenhaft Müll zerkleinert wird, der anschließend nicht mehr weggesammelt werden kann, ist ihm zusätzlich ein Dorn im Auge. „Das bleibt jetzt alles ewig liegen.“

 

Bei der Fahrt durch die schöne Angelner Landschaft gerät Wolfgang Schnau immer weiter in Brass. Man könne sich die ganzen Blühstreifen und Insektenhotels sparen, wenn man an den Straßen und Knicks nicht so radikal vorgehen würde – und dann kommt er auch noch auf die Entwässerung der Felder zu sprechen, die Kiebitzen und Lärchen den Lebensraum nehmen und darauf, wie wichtig es sei, alte Bäume stehen zu lassen – ehe er wieder eine abgemulchte Fläche entdeckt. „Sollen unsere Kinder später Hummeln und Igel nur noch in Bilderbüchern sehen“, fragt er aufgebracht.

 

Wolfgang Schnau möchte erreichen, dass die Menschen lernen, die Landschaft mit anderen Augen zu sehen. „Klar, das sieht hier alles schön sauber und schier aus“, sagt er mit Blick auf einen freigeräumten Straßenrand. „Man muss allerdings auch wissen, dass dafür Millionen Insekten und andere Tiere ihren Lebensraum verloren haben und sogar getötet wurden.“

 

 

Kommentar von Susanne Bartens:

 

Der Mann nimmt mir die Worte aus dem Mund. Aufgeräumte und ausgeräumte Landschaften und Gärten sind der Tod alles Lebendigen - und töten langfristig auch uns.

 

Jedes Jahr erlebe ich hier, wie eine summende, zirpende, wuselnde Wiese mit dem Schlegelmulcher von einem Tag auf den anderen zu einem stummen Leichentuch wird, in dem jeder Schneck, jede Kröte, jede Raupe, jeder Grashüpfer und jedes andere Insekt samt Blüten und Samen und Gras zu Schaschlik verarbeitet wird. Ein sinnloseres Gemetzel kann ich mir nicht vorstellen. (Susanne Bartens)

 



 

Laubsauger töten Insekten

 

Laubsauger sind nicht nur eine enorme Lärmbelästigung, mit mehr als 100 Dezibel sind sie gesundheitsschädlich, sondern sie zerstören Insekten.- Pflanzen und Pilzgesellschaften, die für das Ökosystem wichtig wären. Das gilt sowohl für Laubsauger als auch für Laubbläser. Bei den Laubbläsern besteht noch die Gefahr, dass Staub, belastet mit Pilzsporen und getrocknetem Tierkot eingeatmet wird. Laubsauger hingegen saugen sogar Kröten und Molche auf und töten sie. Ganz zu schweigen von Insektenlarven, Schmetterlingspuppen, Insekten, Käfern und Würmern. Zudem fehlt das Laub und auch kleine Reiser vielen Tieren als Überwinterungshilfe. Zum Beispiel den Igeln. Im Frühjahr wird der Laubhaufen dann durch Zaunkönig, Rotkehlchen, Erdkröte, Spitzmaus und ein Millionenheer an Insekten und Spinnen zu einem Hort des Lebens.

 

Doch all die durch den Laubsauger getöteten Insekten fehlen im nächsten Frühjahr als Bestäuber für die Pflanzen und als Futter für die Vögel. (Gudrun Kaspareit)

 

Den Garten im Herbst bitte nicht aufräumen

LigaVogelschutz

Sei ein entspannter Gärtner. Und räum Deinen Garten erst im Frühjahr auf. Wintervögel profitieren davon! Sie finden eine Menge Nahrung in unaufgeräumten Gärten.

Stauden und Gräser NICHT abschneiden | Komposthaufen NICHT verteilen | ein paar Beeren und Früchte hängenlassen | den Rasen NICHT kurz mähen. | Laub liegen lassen (Ausnahme: Vom Rasen das Laub bitte entfernen, da er sonst Schaden nehmen kann)

Mit dem Aufräumen im Garten könnt Ihr im Frühjahr starten, sobald die Sonne wieder wärmer scheint. So ab 10°C ist es optimal. Bis dahin: staunt über die Artenvielfalt in Eurem Garten.

https://www.facebook.com/LigaVogelschutz.org/photos/a.1396353267334778.1073741828.1395156457454459/1746256415677793/?type=3&theater

Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Sonntag, 03 Dezember 2017 12:07)

    Der Anfang sollte eine Muellsammlung sein, dann erst Gruenschnitt und nur vor Kurven erfolgen,das waere zeit-und kostsparend,lebensschuetzend fuer alle Tiere. Totholzbaeume sind schoen und wichtig. Laubblaeser und Laubsauger muessen verboten werden. Unsere Gaerten bleiben, wie sie gerade sind bis zum Fruehling. Ist es wirklich so unerreichbar? Wolfgang, Brita, Susanne und Gudrun zeigten Wege auf, wie jeder helfen kann.

  • #1

    Eva Schmelzer (Freitag, 01 Dezember 2017 17:47)


    Einiges habe ich schon gehört und gelesen über das traurige Thema, aber dieser Beitrag ist ganz besonders qualifiziert, zeigt die ganze Tragweite und Zusammenhänge hervorragend auf, und vor allem macht er deutlich, dass fast jeder von uns etwas dazu beitragen kann, dem Sterben etwas gegenzusetzen. Vielen Dank!