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Der Schwund der Insekten

Text und Fotos: Gudrun Kaspareit

27.07.2015

Schmetterling
(c) Gudrun Kaspareit

Die Insekten sind europaweit auf dem Rückzug. Exemplarisch kann man das sehen am Rückgang der Schmetterlinge um immerhin fast 50%. Sie leiden in vielfältiger Weise. Sie werden durch Insektizide vergiftet, durch eine zu frühe Mahd fallen die Futterpflanzen für ihre Raupen weg. Übermäßiges Düngen verändert die Flora, von der sie abhängen. Der Ameisenbläulinge zum Beispiel legt seine Eier, je nach Art, an bestimmte Pflanzen wie etwa den Großen Wiesenknopf. Der muss aber stehen bleiben, bis die Raupen drei bis vier Wochen alt sind. Erst dann lassen sich die Tiere von Ameisen in deren Bau schleppen und dort bis zu ihrer Verpuppung versorgen. Wenn also die Kinderstube des Bläulings zu früh gemäht wird, bedeutet dies das Aus für ihn. Außerdem verträgt der Wiesenknopf zu viel Stickstoff nicht und die Ameisen haben Probleme mit der Düngung.Wird die Wiese aber nicht gemäht oder beweidet, kann das zur Verbuschung führen , auch das zerstört die Habitate der Grünlandschmetterlinge.

Ganz schlecht steht es um die Moorschmetterlinge. Sie leiden unter der Trockenlegung von Mooren, aber auch der Klimaerwärmung. Es ist zu trocken, zu warm und es gibt zu wenig Blüten.

Waldschmetterlingen geht es auch nicht besser. Die blütenreichen Waldränder voller Hochstauden sind ebenso selten geworden wie die lichten Wälder, die durch spezielle Bewirtschaftungsformen früherer Jahrhunderte entstanden waren. Schmetterlingen wie dem Maivogel ist dieser Wandel nicht gut bekommen. Die Art gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht.

Schmetterlinge sind ein guter Indikator für den Zustand der Ökosysteme. So darf man rückschließen, dass es anderen Insekten auch nicht besser geht.

Der Bestand an Laufkäfern ist z.B. um ca. 30% geschrumpft. Auch sie kommen mit der Veränderung ihrer Lebensräume nicht zurecht. Die Käfer spielen aber eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Lebenskreisläufe. Zum Beispiel, wenn sie Totholz zersetzen und so die Nährstoffe wieder dem Boden zuführen.

Auch fällt den Käfern eine wichtige Rolle bei der „Schädlingsbekämpfung“ zu. Sollte es z.B. weniger Marienkäfer geben, haben die Vegetarier, wie die Blattläuse leichtes Spiel und nehmen schnell überhand, was dann vermutlich wieder die Giftspritze auf den Plan ruft – und der Circulus Vitiosus beginnt erneut. Bekannt ist auch, dass sog. Schadinsekten, am schnellsten Resistenzen gegen Gifte entwickeln, während ihre Fressfeinde, dem Gift erst mal zum Opfer fallen.

Aber die größte Leistung der Insekten ist die Bestäubungsleistung. 80% aller Pflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen. Man mag nicht darüber nachdenken, wie die Welt aussehen würde, wenn diese Insekten, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, ihren Job nicht mehr tun könnten. Viele Wildblumen und Kräuter würden verschwinden und mit ihnen wiederum Schmetterlinge und andere Insekten. Danach die Insektenfresser, wie Vögel und Fledermäuse. Dieser Riss würde sich bis zum Endglied der Nahrungskette fortsetzen.

Die Menschheit, die sich gerne Krone der Schöpfung nennt, vergisst, dass sie für den Fortbestand der Natur überhaupt keine Rolle spielt, die Insekten, Würmer und Mikroben aber sehr wohl. Die Erde kann sehr gut ohne Menschen leben, nicht aber ohne Insekten. Sie sorgen für die Basis des Lebens. Und den Fortbestand der Lebenskreisläufe. Sie bestäuben Pflanzen und sorgen dadurch für ihre Vermehrung. Sie zersetzen organische Stoffe und sorgen so für die Rückführung von Nährstoffen, ohne die ein Wald z.B. nicht gedeihen könnte. Sie halten die Fressfeinde der Pflanzen im Gleichgewicht. Sie sind für das Leben so viel wichtiger, als wir Menschen. Dennoch gehen wir gedankenlos und rücksichtslos mit ihnen um.


Ein weiterer Fall von „Gut gedacht – schlecht gemacht“ wurde der Hofdame, einem seltenen Schmetterling, zum Verhängnis. Eine Magerwiese bei Lamboing in der Schweiz, war der letzte Ort, an dem die Hofdame noch gesehen wurde. Die Hofdame braucht einen steppenartigen, spärlich bewachsenen Boden. Ein Teil dieser Wiese wurde im Zuge von Ausgleichspflanzungen aufgeforstet. Damit wurde die Magerwiese zerstört und der Hofdame die Lebensgrundlage entzogen. Nun scheint sie in der Schweiz ausgestorben zu sein.


Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Sonntag, 02 August 2015 18:56)

    Eine erfreuliche Entdeckung gelang Mr Wolton in der Naehe von Exeter, in Devon Nature Reserve vor einigen Tagen. Er entdeckte eine Fliege, die nach dem 19. Juli 1868 als ausgestorben galt. Rhaphium pectinatum,eine Albifrons Spezie. Er fing sie ahnungslos im Netz, erkannte aber als Experte sofort die grosse Bedeutung seines Fundes. Die Old Sludge Beds muessen es der Fliege angetan haben.
    Dies nur als kleine schoene Entdeckung.

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 August 2015 11:27)


    Dass Insekten für das Leben auf der Erde so viel wichtiger ist als wir Menschen, wird ihn nicht sonderlich interessieren. Für viele wäre es in Ordnung, wenn die Welt aus Disneylands und Seaworlds bestünde und einer Pseudo-Natur wie Erlebnisparks. Die Tatsache aber, dass Insekten für den Menschen überlebenswichtig sind, hätte ihn schon lange alarmieren müssen. Dass ohne Bestäubung die Menschheit ernsthafte Versorgungsprobleme bekommt ist ja nun wirklich nicht neu! Interessant und neu für mich ist die Wichtigkeit von Käfern. Es muss doch jeden demütig machen, dass alle die missachteten Insekten für die Basis des Lebens sorgen und den Fortbestand der Lebenskreisläufe sichern. Man muss in diesem Zusammenhang fragen dürfen, welchen Nutzen der Mensch hat.