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Das Artensterben

Text und Foto: Gudrun Kaspareit

02.06. 2019

(c) Gudrun Kaspareit
(c) Gudrun Kaspareit

2012 hatte ich schon einmal über das Artensterben geschrieben. Seit dem hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. Es betrifft nicht mehr nur die Exoten, denen wir den Lebensraum nehmen, wie Tiger, Nashörner oder Primaten,  selbst Allerweltstiere wie Regenwürmer, Spatzen und Igel stehen inzwischen auf der roten Liste. Die Meere sind überfischt und ersticken im Plastikmüll. Zudem kämpfen sie mit dem Temperaturanstieg. Existenzbedrohend ist auch der weltweite Schwund der  Insekten, ebenso wie die Tatsache, das es den Bodenmakrophagen schlecht geht, was wiederum die Qualität der Böden verschlechtert - der Böden von denen wir leben.

 

Wir zerstören sehenden Auges unsere Lebensgrundlage und wir reißen laut den Expertisen eine Million Arten mit in den Abgrund. Nicht eine Million Tiere, eine Million ARTEN.

 

Der Uno - Bericht ist dramatisch, eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht und Aussterben ist für immer. Schuld sind die üblichen Verdächtigen: Der Klimawandel, die Umweltverschmutzung,  die Massentierhaltung und die Flächenversiegelung. Aber am schlimmsten sind die Auswirkungen  der Agra Industrie mit ihren Giften und der Vernichtung von Lebensräumen. Jede vierte aller erfassten Tier- und Pflanzenarten ist vom Aussterben bedroht. Das derzeitige Artensterben schreitet zehn- bis hundertfach schneller voran als in den zurückliegenden zehn Millionen Jahren. Wir befinden uns im größten Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier. Und verantwortlich dafür ist der Mensch.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der  IPBES (Weltbiodiversitätsrat)  -Studie sind folgende:

 

 Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 wurden 100 Millionen Hektar tropischer Regenwald abgeholzt - weitere 32 Millionen Hektar allein zwischen 2010 und 2015

 

85 % der Feuchtgebiete sind bereits zerstört

 

Seit dem späten 19. Jahrhundert sind rund die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden

 

23 % der Landfläche des Planeten gelten als ökologisch heruntergewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden

 

Der Verlust von Bestäuberinsekten bedroht Nahrungsmittelproduktion im Wert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr

 

Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen gefährdet

 

Die Wissenschaftler stellen den Bemühungen, die Artenvielfalt zu schützen im Rahmen des Uno-Abkommens, ein katastrophales Zeugnis aus. Die Ursache ist die unendliche Gier nach Ressourcen in einer endlichen Welt. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Wir verwandeln gerade die Natur, die Landwirtschaft  die ganze Welt in eine große Fabrik und die Medien "rätseln" über die Ursache des großen globalen Sterbens. Die Natur ist dabei zu kollabieren. Umweltverschmutzung, Klimakrise und  Artensterben hängen miteinander zusammen. Deshalb müssen wir selber aktiv werden und die Politik zum Handeln zwingen, sonst geht das für uns alle übel aus.

 

Allein der anhaltend hohe Fleischkonsum verschärft das Problem, ebenso wie die Billig-Flieger.

Wir müssen handeln – JETZT 

„Alles hängt mit allem zusammen“ Der Spruch klingt vielleicht etwas abgedroschen, ist aber nichts desto weniger wahr. Die fragilen Ökosysteme sind sehr gut eingespielt, aber auch sehr störanfällig. Wenn ein Glied in der Kette ausfällt, hat das Auswirkungen. Manchmal bricht der Kreislauf zusammen.  Dafür gibt es zig Beispiele. Eines kann man hier nachlesen.

 

Viele Arten sind extrem spezialisiert sie können mit Veränderungen nicht zurecht kommen.

Je mehr Arten wegfallen, desto instabiler wird das Ökosystem. Wir Menschen vergessen gerne, dass auch wir Teil des Ökosystems sind. Das heißt, dass auch wir dann aussterben könnten.

 

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Dienstag, 18 Juni 2019 15:38)

    Ein schonungloser und ebenso niederschmetternder Bericht, dem ich leider in absolut keinem Punkt widersprechen und den ich auch nicht im geringsten relativieren kann. Jedem Leser ist zu empfehlen, das unterstrichene “hier” im vorletzten Absatz anzuklicken, wo das Verständnis für das “Alles hängt mit allem” zusammen an Beispielen deutlich gemacht wird.
    Wenn wir die Schönheit der Natur als feines Netzwerk bewundern, wenn wir versuchen, ökologische Zusammenhänge zu begreifen, dann hat diese Vorstellung von unserer Umwelt ihren Ursprung in der über 200 Jahre alten Gedankenwelt Alexander von Humboldts. Humboldt interessierte sich für viele Details, aber anders als andere Naturforscher seiner Zeit beließ er es nicht dabei. Er sammelte nicht nur naturgeschichtliche Objekte, sondern Ideen und schuf so ein neues Verständnis der Natur. Seine wichtigste Erkenntnis lautete: „Alles hängt mit allem zusammen.“ In der professionalisierten Wissenschaft, die damals entstand, ist Humboldts ganzheitliche Sicht auf die Natur zunehmend verloren gegangen. Statt Informationen zusammenzuführen, spaltete sich die Wissenschaft immer weiter in Fachdisziplinen auf. Erst in jüngerer Zeit bemühen sich einige ihrer Vertreter um mehr Interdisziplinarität - man könnte auch sagen: mehr Humboldt. In den Köpfen von Nichtwissenschaftlern hingegen genießt das Weltbild Humboldts heute mehr Zuspruch denn je. Er prägte viele Gedanken, die für Umweltschützer heute selbstverständlich sind.

  • #1

    Marion Hartmann (Samstag, 15 Juni 2019 13:36)

    Liebe Gudrun, hab Dank für diesen wichtigen und aufwendig recherchierten Artikel. Es fehlen eigentlich die Worte, obgleich man selber über alles informiert ist. Man wird erst aufwachen, wenn der Wohlstand kippt und das wird kommen.