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Ich bin ja nicht gegen Ausländer, aber ....

Text: Michaela Stransky

23.09.2015

Bitte anhören, vor allem den letzten Satz. Es scheint sich immer alles zu wiederholen

https://www.youtube.com/watch?v=IQBncz9RmqA

Ich bin ja nicht gegen Ausländer, aber....

Sätze mit diesem Anfang hören und lesen wir derzeit überall. Menschen, die sich politisch eher bedeckt gehalten haben in der Vergangenheit, trauen sich jetzt, eine Meinung zu haben und sie sogar auch zu sagen. Subjektive Ängste Einzelner (vor Überfremdung, anwachsenden Kriminalitätsraten, Verlust von Wohnraum und Arbeitsplätzen) werden bedient durch Stimmungsmache seitens rechtsdenkender und rechtshandelnder Individuen. Gruppierungen wie Pegida und ihre Ableger haben regen Zulauf, die AfD wird von vielen Bürgern immer mehr als Alternative zu den großen Volksparteien wahrgenommen. Was NPD und Republikaner in den letzten 25 Jahren nur bedingt gelungen ist, scheint jetzt für rechtsaußenstehende Parteien und „Bürgerbewegungen“ ein Kinderspiel zu sein – Befürworter und Mitglieder zu gewinnen. Diese sehen sich selbst nicht als rechts, wollen nicht als Nazi bezeichnet werden und sind ja eigentlich auch gar nicht gegen Ausländer, aber…

Das Leid von Menschen aus Kriegsgebieten wird instrumentalisiert. So, wie auch Obdachlose und deren Schicksal plötzlich in den Fokus rücken. Einzig und allein, um gegen Zuwanderung zu protestieren. Aber warum kommen Menschen über tausende von Kilometern und widrigsten, lebensgefährlichen Umständen zu uns nach Deutschland? Warum verlassen sie ihre Heimat, ihre Kultur, ihre Familien und Freunde, ihre Arbeit? Würde man den rechtsgerichteten „Wutbürgern“ glauben, wollen sie dem deutschen Staat nur auf der Tasche liegen. Denen kann es ja so schlecht nicht gehen, wenn sie Smartphones besitzen und Markenkleidung. Dass diese Smartphones nicht unbedingt den hiesigen Standards entsprechen, fällt den Wutbürgern nicht auf. Ebenso nicht, dass diese Flüchtlinge in ihrer Heimat bis zur Flucht ein ganz normales, bodenständiges und zivilisiertes Leben geführt haben. Dass sie eine Arbeit hatten, eine fundierte Ausbildung absolviert haben, beruflich fest auf beiden Beinen standen. Bis… sie um ihr Leben fürchten mussten, weil sie z.B. Christen sind und radikal-islamische Gruppen ihr Land überrollten. So wie David, 23 Jahre alt. Vor einem Jahr hat er sein Land (Nigeria) verlassen. Fünf seiner Freunde wurden getötet, er selbst schwer verletzt. Über das Nachbarland Niger ist er nach Lybien geflohen. Von dort übers Mittelmeer mit ca. hundert anderen Flüchtlingen in einem kleinen, hoffnungslos überfüllten Boot nach Italien. Viel Geld hat er aufbringen müssen, um diese Chance zu bekommen. Er hat Menschen sterben sehen auf seinem Weg, ist dankbar, es hierher – nach NRW – geschafft zu haben. Seine Eltern leben noch in der Heimat, sie werden dort bleiben. Er hat Angst, hofft, dass ihnen nichts passiert. Jetzt hofft er, als Flüchtling anerkannt zu werden und dann, dass sein Asylantrag zügig bearbeitet wird, damit er hier bleiben kann. Er möchte Arbeit finden als Elektrotechniker, seine Ausbildung fortführen und ein sicheres Leben führen. David ist Einer von Vielen . Stellvertretend für ca. 332.000 andere Flüchtlinge, die seit Beginn des Jahres 2015 nach Deutschland gekommen sind. Rund 2600 Menschen sind seitdem bei ihrem Weg hierher ums Leben gekommen. [1]

Gern versuchen Wutbürger, zu differenzieren zwischen Menschen wie David, die vor lebensbedrohlichen Bedingungen geflohen sind aus Ländern wie Syrien, Nigeria, dem Iran, dem Irak. Und denen, die aus vermeintlich „sicheren Herkunftsländern“ wie Mazedonien, dem Kosovo, Rumänien u.A. hierher kommen. Dabei vergessen sie, dass diese Menschen der Wunsch eint, ein besseres Leben zu finden. Die Grenze zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen soll doch bitteschön klar und deutlich gezogen werden. Dafür wird die Grenze von kritischer Fragerei zu geschmackloser Stimmungsmache permanent überschritten – was die Publizierung des Fotos des dreijährigen Aylan Kurdi zeigt, dessen Leiche am Strand von Bodrum in der Türkei angeschwemmt wurde. Mit ihm starben u.A. seine Mutter und sein fünfjähriger Bruder, als sie mit einem Boot das Mittelmeer überqueren wollten. Dieser kleine Junge wurde zum Gesicht der Verzweiflung, die Menschen antreibt, mittels Schleppern in Nussschalen ähnlichen Booten eine Flucht ins Ungewisse anzutreten. Und rechte Stimmungsmacher waren sich nicht zu schade, daraus eine Geschichte zu machen à la: „Der Vater und Ehemann der Toten hatte sie auf dem Gewissen, wäre er doch in der Türkei geblieben. Der wollte ja nur anderen auf der Tasche liegen! Der wollte sich ja nur auf anderer Leutes Kosten neue Zähne machen lassen!“ Ein anderer Wutbürger (Benjamin S. aus Berlin) mit seinen menschenverachtenden Ansichten „feierte“ den Tod dieses Kindes und wünschte sich noch viel mehr ertrunkene Flüchtlinge. Schon lange verbreiten Menschen wie er ihre hasserfüllten und ekelerregenden Kommentare in sozialen Netzwerken wie Facebook. Und lange blieben sie damit unbehelligt.

Aber – der Wind hat sich gedreht. Zunehmend zur Zahl rechtsdenkender und rechtsgröhlender (mündlich wie schriftlich) Menschen steigt die Zahl derer, die gegen Flüchtlingshetze und Ausländerfeindlichkeit den Mund aufmachen. Die sich positionieren gegen Rechts, die Flüchtlinge willkommen heißen und sich selbstlos einsetzen für sie. Die ehrenamtlich, unentgeltlich in ihrer Freizeit helfen, Unterkünfte zu errichten, Spenden sammeln, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die dafür einstehen, dass Deutschland nicht als Naziland wahrgenommen wird. Die deutlich machen: „Wir haben aus unserer deutschen Geschichte gelernt. Wir sind uns unserer Verantwortung als Bürger eines wohlhabenden Landes bewusst. Wir wissen, wie Menschlichkeit funktioniert. „ Am 16.09.2015 fand die Kanzlerin Angela Merkel deutliche Worte anlässlich eines Besuchs des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann: „Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen müssen, uns zu entschuldigen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ So wie Frau Merkel denken viele Deutsche und so handeln sie auch. Indem sie helfen, wo Hilfe benötigt wird. Indem sie gegen rechte Stimmungsmache auf die Straße gehen, indem sie menschenverachtende Kommentare bei Facebook melden… Und müssen sich dafür höhnisch als „Gutbürger“ betiteln lassen. Oder im schlimmsten Fall werden sie Opfer von rechten Übergriffen, so schon 183 mal seit Beginn diesen Jahres geschehen. [2]

Gerade mal ein knappes Menschenleben – 70 Jahre ist es her – als 11.935.000 Deutsche durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat verloren. Als Resultat eines Krieges, den Deutschland angezettelt hatte und verlor. Auch damals machen sich Menschen auf den langen und lebensgefährlichen Weg in eine bessere Zukunft, viele verloren dabei ihr Leben. Traumatisiert kamen sie in ihrer neuen Heimat an, versuchten sich ein neues Leben aufzubauen und dabei die alte Heimat nicht zu vergessen. In den 80er Jahren dann begann der Zuzug der Spätaussiedler aus den früheren deutschen Ostgebieten – auch diese Menschen ließen alles hinter sich in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie alle haben Fuß gefasst und Deutschland bereichert. Genauso wie die Millionen Gastarbeiter in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, die Deutschland wieder mit aufgebaut und zum Wirtschaftswunder beigetragen haben. Ohne Zuwanderung und Integration wäre Deutschland heute nicht, was es ist. So auch Dieter Zetsche, Daimlerchef, bei seiner Rede anlässlich der diesjährigen IAA. Selbst die Wirtschaft begreift Zuwanderung als Chance, sieht hier eine Lösung in Sachen Fachkräftemangel.

Wer die nicht sieht, sind Anhänger von AfD, NPD, Pegida und Ablegern. Ängste vor dem Verlust der eigenen Kultur, vor Überfremdung, vor zu großen sozialen Belastungen, vor der Zuwanderung von Terroristen werden da als Argumente gegen die Einwanderung genannt. Sicher muss bezogen auf die derzeit „rollende Flüchtlingswelle“ kontrovers diskutiert werden. Leider geschieht das viel zu selten. Natürlich könnte Deutschland nicht allein den Großteil der Flüchtlinge aufnehmen. Aber wenn wir von prognostizierten 800.000 Menschen ausgehen, die dieses Jahr hier in unserem Land erwartet werden, dann macht das gerade mal 1% der bundesdeutschen Bevölkerung aus. Sicher ist dieses eine Prozent eine Herausforderung , logistisch, finanziell, sozial – aber es ist keine Überforderung für ein Land wie unseres. Eine Überforderung droht da schon eher im Bezug auf den derzeit zu erlebenden Rechtstrend – hätte ein schon vor Jahren angedachtes NPD-Verbot mal doch besser in die Tat umgesetzt werden sollen? Haben wir die Entwicklung nicht ernst genug genommen? Haben wir wirklich geglaubt, die Brandanschläge Anfang der 90er in Mölln, Solingen, Hoyerswerda, der Terror in Rostock-Lichtenhagen wäre eine vorübergehende Erscheinung? Dann haben uns spätestes die Morde des NSU eines Besseren belehrt. Rechtsradikalismus hat nicht mehr die glatzköpfige Fratze eines Springerstiefel und Bomberjacken tragenden Kleinhirns. Rechtsradikalismus trägt jetzt Krawatte, Anzug, ein schickes Kostüm. In den Führungsriegen der intoleranten Gruppierungen sitzen Menschen mit akademischer Ausbildung, gepflegtem Erscheinungsbild und geschulter Rhetorik. Menschen, die aber auch die Sprache des kleinen Mannes sprechen und dessen Ängste bedienen. Hat es alles schon mal gegeben, damals in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Ende ist bekannt.

Aus dieser Vergangenheit könnten wir gelernt haben. Die, die sie noch erlebt haben und die, die sie nur vom Hören-Sagen kennen. Aber wollen wir auch daraus gelernt haben? Sätze wie „Ich schulde niemandem was, ich bin nach 1945 geboren“ und „Irgendwann muss es aber auch mal gut sein, Deutschland immer nur Schuld vorzuhalten“ stellen das doch sehr in Frage. Es geht nicht um Schuld – es geht um Verantwortung. Nicht, weil wir als deutsches Volk nicht mit unserer Vergangenheit abschließen sollen oder wollen. Sondern weil wir als Menschen verpflichtet sind, anderen Menschen zu helfen. Das gilt für uns, das gilt für andere europäische Länder, das gilt für Jeden. Wäre dem nicht so, könnten wir unsere Menschenrechte auch gleich in die Tonne treten. Empathiefähigkeit, Mitgefühl, Gerechtigkeitssinn – diese Eigenschaften unterscheiden uns Menschen von allen anderen Lebewesen. Leider besitzen eine ganze Menge von Mitbürgern diese Fähigkeiten scheinbar nicht. Umso wichtiger ist es, dass Andere lauter sind als sie. Dass Andere gegen menschenverachtende Kundgebungen auf die Straße gehen und dass Andere helfen, wo Hilfe benötigt wird.

Aber es ist auch wichtig, dass die Politik Zeichen setzt. Das fängt damit an, sich klar gegen rechts zu positionieren. Geht weiter über die Bereitstellung finanzieller Mittel, über den Stopp von Waffenlieferungen in Krisengebiete, über die Übertragung von Verantwortung an die Wirtschaft.

Und es ist wichtig, dass die Politik Ängste von Bürgern wahrnimmt und ernst nimmt. Im Dialog bleibt und an der Basis Sicherheit vermittelt. Weil diese Basis in zwei Jahren bei der Bundestagswahl von ihrem Stimmrecht gebraucht macht. Und dann unter Umständen Weichen stellen kann, die in eine Richtung führen kann, die Deutschland, Europa und die Welt wieder mal ins Chaos stürzen könnte.

Unterm Strich bliebe wohl zu sagen: Ja – es ist viel schief gelaufen in Sachen Flüchtlingspolitik und es läuft immer noch viel schief. Es ist viel schief gelaufen in Sachen Rechtsradikalismus und falsch verstandenem Patriotismus und es läuft immer noch viel schief. Aber wir könnten heute anfangen, es besser zu machen. Die Menschen, die den weiten und gefährlichen Weg zu uns auf sich nehmen, können nicht die politischen Fehlentscheidungen ausbaden, die in den letzten Jahren getroffen wurden. Sie brauchen jetzt Hilfe – sie sind das Symptom dieser Fehlentscheidungen, nicht die Ursache. Ihnen gilt es, jetzt zu helfen. Das kann jeder Einzelne von uns tun. Sei es durch Spenden, durch aktive Hilfe in Aufnahmeeinrichtungen, durch das Überwinden sprachlicher Barrieren, durch Hilfe bei Behördengängen, durch das Mund aufmachen gegen rechte Stimmungsmache. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir uns später in nicht allzu ferner Zukunft immer noch im Spiegel ansehen müssen - aber können wir das dann auch noch? Und haben wir Deutschen nicht einfach nur Glück gehabt, in einem freien und friedlichen Land geboren zu sein?

Nehmen wir als gegeneilige Situation doch mal die der Menschen in Syrien. Von dort kommt derzeit ein großer Teil der Flüchtlinge zu uns. Aber warum kommen die Menschen her? Warum verlassen sei alles, was sie haben – auch ihre Familien, um sich auf den Weg z.B. von Damaskus nach Berlin zu machen? Immerhin liegen da auf direktem Weg knapp 4000 km. vor ihnen – sie legen aber bis hierher gut und gerne auch die eineinhalbfache Strecke zurück. In völlig untauglichen Booten über das Mittelmeer – allein die Ankunft in Italien oder Griechenland ist ungewiss. Dafür zahlen sie zigtausend Euro. Warum nehmen Menschen diese Strapazen auf sich?

Um das zu verstehen, sehen wir uns einfach mal an, was in Syrien in den letzten Jahren geschehen ist und wie es dazu kam.

Syrien ist mit 185.180 km² knapp halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, 2010 lebten dort um die 21.000.000 Menschen (ca. ein Viertel der Bevölkerung der BRD). Davon sind bis Juni 2015 bereits ca. 4.000.000 Menschen geflohen. [3] Ursachen für diese Flucht liegen im seit 2011 andauernden Bürgerkrieg oppositioneller Gruppierungen gegen das seit 1963 herrschende System unter Präsident Baschar al-Assad. Was als friedlicher Protest begann, um die Demokratisierung Syriens voranzutreiben, dreht sich jetzt weitestgehend um religiöse und ethnische Themen. Die Regierungstruppen werden unterstützt u.A. von Russland, die Opposition von den USA. Mittlerweile bekriegen sich diverse religiöse Gruppen, sogar innerhalb einer Religion herrscht Unfrieden (Islam). Und gegen alle und jeden kämpfen der Islamische Staat (IS) und Al-Qaida – als islamistisch-extremistische Gruppen. Jeden kann also jederzeit und überall in Syrien der Krieg und Terror treffen. Zum einen, indem er als junger Mann eingezogen wird und damit verpflichtet ist, also Soldat aktiv am Krieg teilzunehmen. Oder, weil er Opfer wird von Bomben- und Granatanschlägen. Alltag in Syrien ist geprägt von Terror, Angst und Tod – Eltern verlieren ihre Kinder bei Anschlägen auf Schulen, Kinder verlieren ihre Eltern. Für viele Menschen ist die einzige Überlebensalternative die Flucht. Und so machen sie sich auf den langen Weg in ein vermeintlich besseres Leben und viele von ihnen wissen um die Gefahren auf diesem Weg. Für manche ist die erste Anlaufstelle das Flüchtlingscamp Zaatari in Jordanien, nur wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. 80.000 Menschen leben hier, die Hälfte von ihnen Kinder. [4] Hier hört man das Donnern, wenn die Bomben fallen in der Heimat. Und hofft, dass die zurückgebliebene Familie unversehrt geblieben ist. Wer weiter zieht, berichtet später vielleicht eine ähnliche Geschichte wie Doaa. Sie ist 19 Jahre alt, als sie mit ihrem Mann die Flucht über das Mittelmeer antritt. Ihre und andere Erfahrungen kann man nachlesen auf der Homepage der UN: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/fluechtlinge-erzaehlen.html

Vielleicht macht es manchmal einfach nur Sinn, sich die Berichte und Erlebnisse der Menschen anzuhören, die hierher zu uns gekommen sind. Und sich zu fragen: „Was hätte ich an ihrer/seiner Stelle getan?“ Wer dann ehrlich zu sich selbst ist und antworten würde: „Ich wäre auch geflohen!“, der hat verstanden, dass Flüchtlinge keine Touristen sind, die fröhlich in der Welt umherreisen. Oder aus Bequemlichkeit zu uns kommen in der Hoffnung, hier ein Leben in Saus und Braus führen zu können.

Quellen:

[1] Amnesty International

[2] Report Mainz, 15.09.2015

[3] AFP, 24.05.2015

[4] 7 Tage…. Frederike Kempter im Flüchtlingscamp Zaatari, ARD-Mediathek

 

Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Sonntag, 04 Oktober 2015 21:34)

    Liebe Michaela , Ihr Artikel ist eine sehr aufschlussreiche Darstellung. Mir war nicht bewusst, dass die Zahl der zu erwartenden Fluechtlinge nur etwa einem Prozent der Bevoelkerug Deutschlands entspricht. Es kommen Menschen vor allem aus juengerer Altersgruppe, welches eine verjuengende Funktion bedeuten wird in einem Land, das grossenteils aus aelteren Menschen oder Singles besteht. Fluechtlinge sind eine Bereicherung. Sie muessen nur eingegliedert sein und ihre eigene
    Lebenskraft im Studium oder in einem zusagenden Beruf finden.

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 03 Oktober 2015 13:08)


    Dieser umfangreiche, mit sehr viel Liebe und Empathie geschriebene Beitrag hat mich sehr berührt. Hier ist besonders deutlich geworden, wie wichtig es ist, nicht „die Flüchtlinge“ als anonyme Masse zu sehen, sondern zu erkennen, welches Leid jeder einzelne zu durchleben hatte, Schrecken, die die Seele zutiefst verwunden, auch wenn man den Weg in den vermeintlichen Frieden körperlich schadlos überstanden hat. Dieser Bericht zeigt, wie unendlich dumm, zynisch und oberflächlich die Unterstellungen der „Wutbürger“ sind. Wir müssen endlich lernen, dass die Welt nicht mehr die ist wie vor hundert Jahren, dass sie EINE große Heimat für ALLE Menschen ist, nachdem alles immer mehr miteinander verbunden und verknüpft ist. Dass jeden in jedem Winkel der Erde angeht, was am anderen Ende geschieht.
    Ich muss noch meine Befürchtung äußern, dass ich es für möglich halte, dass in Zukunft mit den Menschen, die Asyl bekommen, viel Schindluder getrieben wird, dass sich andere bereichern an der Not, z.B. bei der Wohnungsvermittlung. Dass das Brecht-Zitat, das Gudrun schon in ihrem Beitrag erwähnt hat, allzu oft Wirklichkeit werden könnte:
    „Reicher Mann und armer Mann standen da und sahn sich an.
    Und der Arme sagte bleich: ,Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich’.“
    Nein, Michaela, ich bin nicht gegen Ausländer – und bei mir gibt es auch uneingeschränkt kein Aber…